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Ein Tag ohne World Wide Web – ungewohnt, ungünstig und doch relaxt

Leben ohne Internet? Der OZelot hat’s ausprobiert! Ein Tag ohne World Wide Web – ungewohnt, ungünstig und doch relaxt

Die OZelot-Reporterin Maria Baumgärtel hat sich einen Tag vom alles umspannenden Netz gelöst / Dabei hat sie festgestellt, dass Studieren dann kaum mehr möglich ist, dafür das Entspannen viel besser funktioniert

8 Uhr morgens. Der Wecker klingelt. Mein erster Blick wandert zum Handy. Ob mir jemand eine Nachricht geschrieben hat? Ach nein, mein Internet ist ja aus – das heißt auch keine Nachricht, denn schließlich kommunizieren wir fast alle ausschließlich über WhatsApp. Mal sehen, was es auf Facebook Neues gibt? Fehlanzeige. Auch da bin ich offline.

Ich habe beschlossen, einen Tag ohne Internet zu verbringen. Ungewohnt, wie ich schon in den ersten Minuten meines Tages feststellen muss.

Da mein morgendliches Ritual, WhatsApp zu checken und auf Facebook zu stöbern, um noch ein paar Minuten länger im Bett liegen bleiben zu können, ausfällt, stehe ich also gleich auf. Nachdem ich im Bad war und mit meinem Hund eine Morgenrunde gedreht habe, überlege ich, was ich heute tun könnte, denn ich habe frei. Sinnvoll wäre es, die Zeit zu nutzen mein Germanistikstudium voranzutreiben, denn bald sind Prüfungen. Prüfungen! Ich muss mich noch anmelden. Doch siedend heiß fällt mir ein, dass ich das ja gar nicht kann, denn dafür müsste ich online sein. Lediglich über die Plattform der Uni Rostock kann man die Prüfungsanmeldung vornehmen. Moment! Die Anmeldung für eine Modulprüfung muss ich persönlich beim Prüfungsamt einreichen. Ich beschließe dann eben erst mal nur das zu tun – zum Glück habe ich für den Rest noch einige Tage Zeit, bis die Frist abläuft. Also, fix das Formular ausfüllen und dann damit in die Uni gehen. Doch schon wieder stoße ich an eine Grenze: Das Formular ist natürlich auch nur online zu finden. Langsam bin ich etwas genervt und frage mich, ob man überhaupt studieren kann, wenn man keinen Internetzugang hat. Wenn ich mal so recht überlege, brauche ich das Netz jeden Tag für mein Studium: Die Kursanmeldungen werden online vorgenommen, die Materialien der einzelnen Kurse stehen online, die neuesten Informationen bekomme ich nur online und auch die Kommunikation zwischen den Studenten, ihren Kommilitonen und den Dozenten funktioniert fast nur noch online per Mail.

Nachdem ich erst mal durchgeatmet habe, um mich von diesem „Schock“ zu erholen, beschließe ich in die Bibliothek zu gehen. Wenigstens das ist noch „old school“ und man hat dort wirklich Bücher stehen, in denen man real stöbern kann.

In der Bibliothek angekommen stehe ich vor dem nächsten Problem: Wo finde ich die richtigen Bücher, die ich brauche? Was heute nämlich anders ist, ist, dass ich nicht vorab schauen kann, wo die Fachliteratur, die ich benötige, steht, weil – wie könnte es auch anders sein – die Übersicht auf der Internetseite der Uni-Bibliothek zu finden ist. Jetzt reicht’s mir! Scheinbar sollte ich diesen Tag wirklich als frei verbuchen und einfach mal entspannen.

Wirklich entspannt, in dem Wissen, dass ich mich nicht vor der Arbeit drücke, sondern sie ohne Internet einfach nicht möglich ist, setze ich mich in das Restaurant meines Vertrauens, um etwas zu essen. In der Zwischenzeit habe ich mehrmals auf mein Handy geschaut, um zu checken, ob mir jemand geschrieben hat. Doch abgesehen von eingehenden Nachrichten meines Freundes, der in mein Vorhaben eingeweiht ist und mir deshalb SMS anstatt WhatsApp-Nachrichten schickt, bleibt mein Handy an diesem Tag still. Ich habe so viele Freunde auf der ganzen Welt, mit denen ich mittlerweile über Facebook oder WhatsApp in Kontakt stehe. Sehr praktisch. Zu vielen hätte ich sonst vielleicht gar keine Verbindung mehr. Ich kann mich erinnern, dass ich früher Briefe geschrieben habe. Gingen sie nach Afrika, konnte es schon mal mehrere Wochen dauern, bis sie ankamen. Schön war es aber trotzdem. Diese Briefe habe ich heute noch und sie werden immer tolle Erinnerungsstücke sein. Das kann ich von einer E-Mail nicht behaupten.

Am Abend möchte ich mich mit Freunden treffen, die verblüfft sind, dass ich anrufe, anstatt wie üblich in unsere WhatsApp-Gruppe zu schreiben. Auch so kann man sie also mal überraschen – gut zu wissen.

Als ich später im Bett liege, lasse ich den Tag Revue passieren. Etwas einsam war er, da ich kaum Nachrichten bekomme habe. Im Großen und Ganzen war es allerdings ein Tag, den ich ohne Stress genießen konnte. Gerne mal wieder! Aber auf Dauer ist das Leben ohne Internet meiner Meinung nach nicht mehr umsetzbar.

Maria Baumgärtel

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