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„Epische Schlacht“ um das Internet

„Epische Schlacht“ um das Internet

Im Internet tobt ein Kampf mit Cyberkriminellen / Und wir können ihn mit den heutigen Mitteln nicht gewinnen, warnen Experten

„Können Sie sich vorstellen, in einer Welt zu leben, in der einfach alles gehackt werden kann?“ Marc Goodman von der kalifornischen Denkfabrik Singularity University provoziert gerne.

Deshalb legt er die Messlatte bei seinem Auftritt auf der ersten Auflage der Münchner Sicherheitskonferenz im fernen Kalifornien von Beginn an hoch.

„Wir stehen ganz am Anfang“, warnt Goodman. „Wenn das Internet heute so groß wie ein Golfball ist, ist es bald so groß wie die Sonne.“ Das sogenannte Internet der Dinge wird alles auf der Welt vernetzen. Milliarden von Geräten, von Kernkraftwerken über Flugzeuge, Herzschrittmacher bis hin zu Autos und Kaffeemaschinen werden Milliarden von Daten pro Sekunde in „die Cloud“ senden, die gigantischen Datenspeicher im Internet. Zwischen Regierungen, Unternehmen, Bürgern und Cyberkriminellen werde eine „epische Schlacht“ um das Internet entbrennen. Und der Ausgang sei völlig offen. Die Verluste und die Zahl der Verlierer können gewaltig sein.

Wolfgang Ischinger, der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, hofft deshalb, den Dialog auf eine neue Ebene hieven zu können. Bei der jährlichen Mutterkonferenz in München geben sich Staatsmänner und Politiker die Klinke in die Hand und reden über Terrorgefahren und Kriege. Jetzt, in der legendären kalifornischen Stanford-Universität, wurde auf dem Cyber Security Summit der Dialog mit der digitalen Elite gesucht.

Sicherheit, so Ischinger, ist heute eine gesamtheitliche und globale Aufgabe. Denn die Bedrohungen haben sich gewandelt. Panzer und Kanonen sind sichtbar und angreifbar. Cyber-Attacken dagegen kommen aus dem Nichts und die Angreifer sind wieder verschwunden, bevor man sie sehen konnte.

Im Silicon Valley gibt es seit Jahren einen geflügelten Spruch: „Es gibt nur zwei Arten von Unternehmen: Die, die gehackt wurden, und die, die es noch nicht gemerkt haben.“

Ein zentrales Problem beleuchtet Thomas Tschersich vom Sicherheitsteam der Deutschen Telekom: „Es ist ein unfairer Kampf. Ich muss Tausende Rechner gleichzeitig schützen, der Angreifer nur einen einzigen – seinen eigenen.“

Außerdem gibt es ungelöste Probleme in der Art der Verteidigung. Angriffe, so Ryan Gillis vom Sicherheitsanbieter Palo Alto Networks, würden heute automatisiert in Sekundenbruchteilen gegen unzählige Systeme gefahren. Dem gegenüber stünden manuelle Antworten, die auf bestimmte Angriffe vorbereitet seien – und andere schlicht nicht kennen. Die Lösung könne nur „eine Automatisierung der Abwehrmaßnahmen“ sein. Also selbstlernende Systeme mit künstlicher Intelligenz, die einen Einbruchsversuch erkennen, selbst wenn sie ihn nie zuvor gesehen haben.

OZ

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