Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Ladensterben: MV verliert 1250 Geschäfte in zehn Jahren

Rostock Ladensterben: MV verliert 1250 Geschäfte in zehn Jahren

Die Zahl der Einzelhändler im Land ist seit 2004 um 16,3 Prozent zurückgegangen / Damit musste jedes sechste Geschäft dem Online-Handel und weiteren Faktoren weichen

Rostock. Die Zahl der Einzelhandelsbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern sinkt dramatisch. Gab es 2004 noch 7637 steuerpflichtige Unternehmen in der Branche, waren es 2013 nur noch 6388. Das sind 16,3 Prozent weniger Läden innerhalb von knapp zehn Jahren. Eine besorgniserregende Entwicklung, beklagt Eberhard Brezski, Autor einer Einzelhandels-Studie der Norddeutschen Landesbank Nord/LB.

Was auffällt: „Es sind zumeist die kleinen Läden auf dem platten Land, die schließen müssen“, konstatiert Brezski. „Je ländlicher, desto leerer“, bringt es Kay-Uwe Teetz, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Nord, auf den Punkt. Doch auch in den Städten grassiert der Leerstand. Beispiel Bergen auf Rügen: Uwe Hinz, Inhaber des letzten Geschäftes in der „Passage am Brinken“ in der Inselhauptstadt, ist pessimistisch: „Bergen verliert nach und nach an Attraktivität.“ Denn auch im nahen „Kaufhaus Bergen“ stehen alle Geschäfte leer. Mehr als ein Dutzend sind es allein in der Innenstadt.

Die Ursachen sind vielfältig: zunehmende Konzentration und Filialisierung im Handel, Flächenwachstum in Einkaufszentren an Randlagen von Kommunen, keine Nachfolger für inhabergeführte Geschäfte. Und – ganz entscheidend: der boomende Online-Handel.

Die Folge: In vielen Klein- und Mittelzentren stehen Einzelhandelsflächen leer – statt verlockender Auslagen dominieren verwaiste Schaufenster. Dies könne zu „erheblichen Risiken“ führen, warnt Brezski: Zuerst leide das „emotionale Einkaufserlebnis“, dann blieben die Gäste den Ortszentren fern. Die Innenstädte veröden, die Umsätze des verbliebenen Handels sinken – ebenso wie die „lokale Kaufkraft und die Steuereinnahmen der Kommunen“. Ein Teufelskreis.

„Leerstand ist wie Karies: Er breitet sich rasant aus und ist schmerzhaft“, sagt Claus Ruhe Madsen, Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Rostock und Chef von Möbel Wikinger. Also müsse man vorbeugen: „Gegen Ansiedlungen auf der grünen Wiese lässt sich nur mit einer gut geplanten Belebung der Innenstädte angehen.“ Dabei sei hilfreich, für die langfristige Planung auf Erkenntnisse aus anderen Regionen zu setzen: „Einerseits, um positive Beispiele aufzugreifen und andererseits, um schlechte Erfahrungen in anderen Regionen nicht in unserer Region zu übernehmen.“

Wichtig sei die gute Erreichbarkeit der Innenstädte und Quartiere, sowohl per Auto oder Fahrrad als auch mit dem öffentlichen Personennahverkehr. Heißt im Klartext: Straßen, Radwege, Parkplätze.

„Um sich als stationärer Händler gegenüber dem Onlinehandel behaupten zu können, ist es zudem wichtig, flexible Öffnungszeiten zu ermöglichen“, betont Madsen. Und, Stichwort Bäderregelung:

„Einzelhändler sollten zumindest die Möglichkeit haben, dann zu öffnen, wenn die Kunden es wünschen.“ Wichtig seien Konzepte zwischen Immobilienbesitzern, Händlern, Verwaltung und Verbänden, fordert Madsen. Und: „Wir brauchen mehr Miteinander von Handel und Gastronomie in den Innenstädten“, fordert Kay-Uwe Teetz.

Thomas Luczak

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Berlin

Teenager sind begeistert, Erwachsene überfordert. Snapchat ist der digitale Hype der Stunde. Warum eigentlich? Die Wissenschaft hat darauf schon eine Antwort.

mehr
Mehr aus Multimedia