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Merkel fordert von Internetplattformen mehr Transparenz

«Was passiert da eigentlich?» Merkel fordert von Internetplattformen mehr Transparenz

Die Algorithmen der großen Internetplattformen sollen transparenter werden, künstliche Intelligenz verändert den klassischen Journalismus - das sind nur zwei Themen der Medientage in München.

München. Bundeskanzlerin Merkel ist dafür, die geheimen Regeln der großen Web-Plattformen offenzulegen. Bei den Medientagen München forderte sie, „dass Algorithmen transparent sein müssen, dass (...) man sich als interessierter Bürger informieren kann: Was passiert da eigentlich mit meinem Medienverhalten und dem anderer?“

Merkel warnte davor, dass Menschen in den sozialen Medien nur noch das lesen, was ihre eigenen Auffassungen bestätige oder ihnen von Gleichgesinnten empfohlen werde: „Das ist eine Entwicklung, die wir genau beobachten müssen.“ Dies bedrohe die für die Demokratie unerlässliche Fähigkeit, sich auch mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen. „Solche Mechanismen, wenn sie nicht transparent sind, können zur Verzerrung der Wahrnehmung führen; sie verengen den Blickwinkel.“

Die großen Plattformen entwickelten sich mit ihren Algorithmen immer mehr „zum Nadelöhr für die Vielfalt der Anbieter“, sagte Merkel, ohne Facebook oder Google beim Namen zu nennen. Dies könne erhebliche wirtschaftliche Folgen für andere Medien haben und deren Existenz bedrohen.

Wie weit die Künstliche Intelligenz bereits auf dem Vormarsch ist, unterstrich Wolfgang Wahlster, Professor am Forschungszentrum Künstliche Intelligenz in Karlsruhe. Der Roboterjournalismus sei sei weit fortgeschritten - der Computer könne auf der Basis der Algorithmen bereits selektieren, aggregieren und präsentieren. Er könne aber noch nicht verlässlich die Quellen abbilden und sei intransparent. Im übrigen sei kein Algorithmus in der Lage, Gefühle nachzuvollziehen oder Witze zu verstehen.

Um im Wettbewerb mit Google, Facebook & Co. besser zu werden, wollen die Verleger von Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland stärker zusammenarbeiten. „Statt auf Konfrontation sollten wir auf Kooperation setzen im Vertrieb, in der Vermarktung, in Marktforschung und Marketing, in der Technologie“, sagte der Burda-Manager Philipp Welte bei einer Veranstaltung von Zeitschriftenverlagen und erhielt dafür viel Zustimmung von anderen Verlagsmanagern.

Der Anteil der Zeitungen und Zeitschriften am Werbemarkt sei dramatisch gesunken - zugunsten großer Internetkonzerne wie Google und Facebook, sagte der Vorstand von Hubert Burda Media: „Spätestens nächstes oder übernächstes Jahr werden die Nettowerbeerlöse von Publikumszeitschriften unter die Eine-Milliarde-Euro-Grenze gefallen sein.“ Kein Verlag schaffe es alleine, mit der rasanten technologischen Entwicklung Schritt zu halten. „Wir müssen unsere historischen Silos verlassen und lernen, vernetzt zu arbeiten“, mahnte Welte.

Die geschäftsführende Gesellschafterin des Verlags Inspiring Network („emotion“), Katarzyna Mol-Wolf, sagte: „Wichtig ist, dass wir unsere Inhalte nicht aufgeben.“ Die Verlage sollten sich zusammenschließen, um ihre Inhalte gemeinsam in einem Digitalkiosk kostenpflichtig anzubieten, statt sie als Instant Articles Facebook zur Verfügung zu stellen.

Dass die künftige Lage für Printprodukte nicht gerade rosig ist, zeigen Prognosen, zum Beispiel die des Wirtschaftsberatungsunternehmens PricewaterhouseCoopers (pwc). Im Jahr 2020 liege der Gesamtanteil der Zeitungen am Werbemarkt bei 13 Prozent (2015: 17 Prozent), die Zeitschriften bekommen nach einer Analyse von pwc nur noch 10 Prozent (13 Prozent) vom großen Kuchen ab. Die Online-Werbung lege von 34 auf 41 Prozent zu.

Unter dem Motto „Mobile & Me. Wie das Ich die Medien steuert“ geht es bei den diesjährigen Medientagen um die Folgen technologischer Entwicklungen wie künstlicher Intelligenz und virtueller Realität. Zu den rund 90 Veranstaltungen werden bis Freitag 400 Referenten und mehr als 6000 Besucher erwartet.

dpa

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