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Olafur Eliasson bringt Licht in Regionen ohne Strom

Solarlampe «Little Sun» Olafur Eliasson bringt Licht in Regionen ohne Strom

Wie bringt man umweltfreundliche und bezahlbare Energie zu Menschen ohne Stromversorgung? Und was hat das alles mit Kunst zu tun? Der in Berlin ansässige Erfolgs-Künstler Olafur Eliasson gibt mit seinem Projet „Little Sun“ Antworten.

Berlin. Olafur Eliasson ist fasziniert vom Sonnenlicht. Einst ließ er die Londoner Tate Gallery mit einer gigantischen künstlichen Sonne erstrahlen. Damals, 2003, wurde der in Berlin ansässige Künstler der breiteren Öffentlichkeit bekannt.

Inzwischen hat der 49-Jährige Hunderttausende kleiner Plastik-Sonnen geschaffen, mit denen er nicht nur Solar-Licht in entlegene Winkel der Erde bringt, sondern auch eine Bewegung auslösen will. „Die Idee dahinter ist, dass man schon mit ganz wenig ganz viel erreichen kann“, erklärt der dänisch-isländische Künstler.

Es ist ein sonniger Septembertag, an dem Eliasson in seinem großzügigen, lichtdurchfluteten Studio am Prenzlauer Berg sitzt. Um den Hals trägt er die gelbe Lampe im Sonnenblumen-Design. Auf der Rückseite der Plastikform findet sich eine Solarfläche. Das Konzept dahinter: Wird tagsüber fünf Stunden Sonnenenergie gesammelt, bietet die LED-Lampe nach Sonnenuntergang vier Stunden helles oder zehn Stunden gedimmtes Licht.

2012 rief Eliasson gemeinsam mit dem Ingenieur Frederik Ottersen „Little Sun“ ins Leben. 20 Leute arbeiten allein in Berlin für das Start-up. Das neuste Produkt ist gerade erschienen: Eine Solarlampe mit angeschlossenem Ladegerät, das mit Hilfe von Sonnenlicht Energie für Handys liefert - mitfinanziert über eine Crowdfunding-Kampagne.

Der Bedarf nach solchen Solarwerkzeugen ist groß. Nach Angaben der Vereinten Nationen lebten 2014 noch immer 1,3 Milliarden Menschen ohne Zugang zu Strom. „Das bringt enorme ökonomische, ökologische, soziale und gesundheitliche Probleme mit sich“, erklärt „Littlesun“-Geschäftsführer Felix Hallwachs. Der 39-Jährige berichtet von einer Reise im ländlichen Ruanda. Eine Kaffeebäuerin habe ihm erzählt, dass ihr Kind jeden Tag huste und Augenprobleme habe, weil es abends neben der Kerosinlampe seine Hausaufgaben mache. Außerdem seien die Lampen recht teuer, da sie immer nachgefüllt werden müssten. „Sie fragte mich: Wie können wir es gemeinsam angehen, damit ich mein Dorf mit den Solar-Lampen versorgen kann?“

Denn das ist auch ein Konzept hinter „Little Sun“: Dem Team geht es darum, lokale Profite zu stärken und eine wirtschaftliche Aktivität zu ermöglichen. „Wir versuchen nach dem Konzept "Trade not Aid" (Handel statt Spende) zu arbeiten. Das heißt, dass wir unter Beteiligung lokaler Partner versuchen, Wege zu definieren, um ein "social business" zu schaffen.“

In Industrieländern ist „Little Sun“ in zahlreichen Museumsshops - etwa im New Yorker MoMA - für rund 22 Euro zu haben. Damit subventioniert man auch den Verkauf in Entwicklungsländern, wo die Lampen auf Märkten oder in Geschäften für umgerechnet 11 Euro - oder auch mal im Tauschhandel, etwa gegen ein Huhn angeboten werden.

Und manchmal werden die in China produzierten Lampen auch bei akuten Krisen eingesetzt: Der Künstler Ai Wei Wei, ein Freund Eliassons, hat 1700 der kleinen Sonnen geordert, als er Flüchtlingslager auf den griechischen Inseln besuchte. In Nepal haben die Solarlampen nach dem verheerenden Erdbeben 2015 Licht gespendet.

Seit dem Start vor vier Jahren wurden mehr als 440 000 Lampen verkauft, mehr als 180 000 davon in Gebieten ohne Stromversorgung. Im April 2014 investierte Bloomberg Philanthropies fünf Millionen Dollar in das Projekt und ermöglichte es „Little Sun“ somit, seine Geschäfte über den gesamten afrikanischen Kontinent auszuweiten.

Ein ähnliches Konzept verfolgt das niederländische Unternehmen Waka Waka, das ebenfalls 2012 an den Start ging. Unter dem Motto „Share the Sun“ wurden seitdem mehr als 225 000 Solar-Lampen in 47 Länder verkauft. 248 422 Tonnen Kohlenmonoxid konnten nach Angaben des Start-ups durch den sauberen Strom eingespart werden.

Für Eliasson, der sich Afrika eng verbunden fühlt und derzeit auch an der Universität im äthiopischen Addis Abeba unterrichtet, ist „Little Sun“ eine Herzensangelegenheit. Aber inwiefern ist es auch ein Kunstprojekt? Nur weil es funktional sei, bedeute das nicht, dass es auch nicht einen künstlerischen Aspekt haben könnte, erklärt er.

Diese kleine Skulptur zu entwerfen, habe ihm genauso viel bedeutet, wie seine andere Arbeit. Für ihn sei eine ganz elementare und grundsätzliche Freude mit „Little Sun“ verbunden. „Mittlerweile ist es ja für mich als sehr exponierter Künstler so, dass ich in einer Welt operiere, die sehr exklusiv und elitär geworden ist“, erklärt Eliasson. „Deshalb habe ich mich insbesondere darüber gefreut, dass es ein Kunstwerk zu einem kleinen Preis ist.“

dpa

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