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Software soll Dokumente aus Kölner Stadtarchiv wieder zusammensetzen

Köln Software soll Dokumente aus Kölner Stadtarchiv wieder zusammensetzen

Die Rettung der zerrissenen Dokumente aus der Einsturzgrube des Kölner Stadtarchivs stellt die Restauratoren noch vor große Herausforderungen - sie sitzen vor einem gigantischen Puzzle. Nun soll Hilfe kommen.

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Auch Geschredderte Stasi-Unterlagen werden mit Computerhilfe gescannt und gerettet.

Quelle: Stephanie Pilick/archivbild

Köln. Sieben Jahre nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs soll eine neue Computer-Methode helfen, völlig zerfetzte Akten und Bücher wieder zusammenzusetzen. Vorbild ist das Verfahren zur Rettung der Stasi-Unterlagen. 

„Damit können wir perspektivisch die geborgenen rund zwei bis drei Millionen Archivgutfragmente wieder zu ganzen Seiten zusammenfügen“, sagte die Leiterin des Historischen Archivs, Bettina Schmidt-Czaia, am Montag.

Die zerrissenen Seiten werden dafür mit einem speziellen Strahler schonend gereinigt - im Prinzip werden sie mit kleinen Papierkörnchen saubergeblasen. Danach macht ein Scanner hochpräzise Aufnahmen und übermittelt sie an eine Software, die zum Beispiel Farbe, Schriftart und Risskanten analysiert - und versucht, die Schnipsel wie ein Puzzle wieder zusammenzusetzen.

Das von Menschen machen zu lassen, wäre aus Sicht von Schmidt-Czaia quasi aussichtslos gewesen: „Ich würde es so sagen: Es ist absolut unzumutbar, wenn sie ein Puzzle mit drei Millionen Teilen zusammenpuzzeln sollen.“

Das Archiv war am 3. März 2009 eingestürzt. Zwei Menschen kamen ums Leben. Die Trümmer begruben zudem 30 Regalkilometer an Dokumenten. Die Restaurierung aller Archivalien wird vermutlich 30 bis 40 Jahre dauern. Es wird angenommen, dass Bauarbeiten für eine U-Bahn-Haltestelle zu dem Unglück führten, aber die komplizierten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind immer noch nicht abgeschlossen. Die Stadt beziffert den Gesamtschaden bislang mit 1,2 Milliarden Euro. Die Vorbereitungen für einen Neubau haben bereits begonnen.

Die neue Methode für die Schnipsel wurde maßgeblich von einer Ausgründung des Fraunhofer Instituts entwickelt. Ende 2015 ging der Scanner in Betrieb. Hinweise gaben unter anderem Bundestagsabgeordnete, die die Möglichkeiten der virtuellen Wiederherstellung von Stasiunterlagen kennen. Ganz vergleichbar sind die beiden Fälle allerdings nicht. In Köln wurden die Seiten nicht geschreddert, sondern stürzten in einen Schlund und wurden dabei auf sehr unterschiedliche Weise zerrissen. Zudem hat sie eine Schicht Betonstaub überzogen. 

Die „Köln-Flocken“ genannten Rissstücke machen nach Angaben von Schmidt-Czaia allerdings nur einen kleinen Teil des verschütteten Materials aus, das zu einem großen Teil geborgen werden konnte. Insgesamt seien beim Wiederaufbau schon „Meilensteine“ erreicht worden. Ende 2015 seien schon wieder gut 600 000 sogenannte Bergungseinheiten - mal eine ganze Akte, mal ein einzelnes Blatt - für Interessierte wieder benutzbar gewesen. Das seien rund 35 Prozent des gesamten geborgenen Archivgutes.



dpa

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