Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Comedian Matze Knop: „Ist doch egal, was andere denken!“

Comedian Matze Knop: „Ist doch egal, was andere denken!“

Der Entertainer kommt mit seinem aktuellen Programm „Diagnose Dicke Hose“ am 6. November nach Rostock / Dem OZelot sagt er, warum seiner Ansicht nach jeder mal den Proll in sich rauskehren sollte

„Diagnose Dicke Hose“ heißt deine neue Show. Erzähl mal, was dahintersteckt?

Matze Knop: Natürlich geht es nicht nur darum, dass man auf Status-Symbole setzen sollte. „Diagnose Dicke Hose“ heißt zum Beispiel, wenn man sagt: „Ich gönne mir mal was“, dann bedeutet das für eine Frau vielleicht, sich ein schickes, teures Paar Schuhe zu kaufen, und ein Mann leiht sich übers Wochenende einfach mal einen Ferrari. Oder er kauft sich einen Ferrari-Sticker und klebt ihn einfach mal drauf auf den Kia Picanto. Ein Auto ist das ja nicht, sondern eher ein Rollschuh.

Das klingt ganz schön klischeehaft!

Matze: Das klingt es vielleicht, aber mal ehrlich, wir Männer hatten doch alle früher mal eine Carrera-Bahn oder Matchbox-Autos. Heute spielen wir eben mit größeren Autos. Letztendlich geht es auch darum, dass man das, was man sich immer schon mal gewünscht hat, einfach macht. Dass man nicht immer so viel darauf gibt, was die Anderen denken und ob vielleicht ein Nachbar schräg guckt. Es geht weniger darum, vor Anderen anzugeben, als vielmehr darum, seine Träumen zu verfolgen. Ansonsten ist es einfach eine Stand-up Comedy-Show. Die Leute sollen sich zwei Stunden unterhalten fühlen.

Was hast du dir gegönnt in letzter Zeit? Womit hast du einen auf „Dicke Hose“ gemacht?

Matze: Ich habe heute morgen zum Beispiel ausgeschlafen. Einfach mal bis zehn Uhr gepennt habe ich. Und ein dickes Auto habe ich mir auch geleast für die Tour. Der Vorteil ist: Wenn einer von hinten drängelt, sieht man ihn gar nicht. Das ist ganz schön „Dicke Hose“.

Welche Vorteile hat es denn noch, einen auf „Dicke Hose“ zu machen?

Matze: Man kommt sich selber einfach ein bisschen cooler vor. . Es geht dabei gar nicht darum, dass deine Armbanduhr aus echtem Gold ist oder so. Aber mit einem teuren Anzug an fühlt man sich schon irgendwie besser. Es gibt ja den Spruch „Kleider machen Leute“. Da ist was dran. Ich war ja früher mal in den USA und habe da so Schauspiel- und Comedy-Kurse absolviert. Da habe ich gelernt, dass man sich die besten Klamotten anziehen sollte, wenn man zum Beispiel ein Casting hat – um sich richtig gut zu fühlen.

Was ist denn dann der Unterschied zum Prollsein?

Matze: Man lästert über Prolls immer, aber manchmal machen die ja auch vor, wie es geht. Manche tragen seit dreißig Jahren Cowboystiefel. Und das juckt die nicht, wenn die schon seit dreißig Jahren out sind. Das ist so in Ordnung, finde ich.

Und wenn man Bock auf prollig hat: Kann das nicht ganz schön abschrecken?

Matze: Ja, aber ist doch egal. Zu polarisieren ist das ja auch immer ein Erfolgsgeheimnis. Wenn alle einen nett finden, ist es auch nicht gut.

Bist du eigentlich der „nette“ Typ?

Matze: Ich bin schon harmoniebedürftig. Deshalb ist das mit der „Dicken Hose“ ja auch eine Form von Therapie für mich.

Hast du diese Therapieform als Jugendlicher auch schon angewendet und den Proll rausgekehrt?

Matze: Nein, um Gottes willen! Da hatte ich eine dicke Nase. Die passte nicht zu meinem Körper. Außerdem hatte ich eine tiefe Stimme zu dem kindlichen Gesicht ... und jede Menge Pickel!

Und ich musste mit dem Regencape zur Schule fahren und wieder zurück.

Wann hast du die Philosophie der „Dicken Hose“ dann für dich entdeckt?

Matze: Das war erst, als ich die ersten Drogen genommen hab, so mit 17, 18. Hubba Bubba hab ich mir da immer reingepfiffen und auf der Volkshochschule den Kurs „Selbstbewusstsein für Einsteiger“ belegt. Da wurd’s dann besser.

Du spielst Fußball. Das ist ja auch ein

„Dicke Hose“-Sport, oder?

Matze: Das stimmt. Ich bin da auch ganz Frau und gönne mir die teuersten Schuhe – in Weiß. Wenn es fußballerisch und läuferisch nicht reicht, dann muss man versuchen, das mit den Schuhen wieder wettzumachen. Ein Bekannter von mir hat ein Sportgeschäft, der hat gesagt: „Die, die am schlechtesten spielen können, kaufen die teuersten Schuhe.“

Spielst du besser mit den weißen Schuhen?

Matze: Ich glaube schon. Ich spiele ja in der Kreisliga A und habe mich verbessert, seit ich die weißen Schuhe besitze.

Du bist schon lange im Unterhaltungsgeschäft mit dabei, machst Filme, hast Shows im Fernsehen gehabt. Ertappst du dich oft dabei, dass dir alte Witze „neu“ einfallen? Du also nur denkst, sie seien neu, weil es vielleicht so lange her ist, dass du sie bearbeitet hast?

Matze: Aus meiner Sicht ist es ähnlich wie in der Musik. So wie es nur eine bestimmte Anzahl von Noten gibt, funktionieren auch Gags oft ähnlich. Manche durch Überhöhung, andere durch überraschende Wendungen. Es gibt sicherlich auch nichts, das es nicht schon mal gab, es ist aber die Zusammenstellung, auf die es ankommt und die Persönlichkeit, mit der man es präsentiert. Deswegen ist auch jedes Programm anders und besonders.

Wann fallen dir die besten Gags ein? Wie arbeitest du?

Matze: Na, ich setze mich da schon hin und überlege mir das. Genaues Beobachten im Alltag ist natürlich wichtig, aber die Vorbereitung ist schon echte Arbeit. Dieses Mal haben wir auch eine Videowand und zwei Bildschirme. Die Einspieler darauf müssen geschrieben, gedreht und geschnitten werden. Ein Jahr habe ich mich in etwa vorbereitet bei der aktuellen Show.

Du imitierst häufig bekannte Persönlichkeiten. Machst du das in der neuen Show auch?

Matze: Ja, natürlich, da sind etliche dabei: Edmund Stoiber, Ronaldo, Dieter Bohlen, Beckenbauer und viele mehr imitiere ich in der Show.

Wie gehst du bei Imitationen vor? Ist ja nicht einfach, Gestik, Mimik und Tonfall zu treffen Matze: Meistens gucke und höre ich mir Aufnahmen der Person genau an und nehme mir einzelne Sätze vor. Was für Wörter benutzt er? Lispelt er? Und dann versuche ich, das nachzumachen.

Wie er sich bewegt, muss ich mir natürlich auch anschauen.

Gibt es jemanden, bei dem dir das sehr schwer fiel?

Matze: Felix Magath fiel mir nicht leicht. Mit seiner Sprache, das hat ein bisschen gedauert, bis ich das raushatte. Einfacher ist es, wenn jemand einen starken Dialekt hat.

Mit deinem neuen Programm kommst du ja auch nach Rostock. Da standest du schon öfter auf der Bühne, oder?

Matze: Ja, zwei , drei Mal glaube ich. Bei der Hanse Sail bin ich aufgetreten, daran erinnere ich mich noch. Ist schön die Ecke bei euch. Vor allem, weil das Meer so nah ist. Ellenlang habe ich aber leider nicht Zeit, wenn ich auf Tour bin. Ich versuche trotzdem immer, mir möglichst viel anzuschauen.

Interview von Nele Baumann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
OZ-Bild
mehr
Mehr aus Szene