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Coogans Bluff: „Wir sind Fans von Science-Fiction“

Coogans Bluff: „Wir sind Fans von Science-Fiction“

Die Band mit Wurzeln in Rostock stellt am 25. und 26. November ihr Album „Flying To The Stars“ im Rostocker Peter-Weiss-Haus vor / Der OZelot sprach mit Gitarrist Willi Paschen

Willi, vorweg für alle, die euch noch nicht kennen. Hängt euer Name mit dem Film „Coogan's Bluff“ zusammen?

Willi Paschen: Ja. Das war eine spontane Aktion damals, als wir noch in Rostock wohnten. Wir hatten ein Konzert im Mau Club und die brauchten von uns einen Namen. Charlie und Clemens hatten den Film „Coogan's Bluff“ geguckt und sich aus einem Riff, der darin vorkam, einen Song gemacht. Da lag es nahe, diesen Namen zu nehmen – ohne das Apostroph.

Jetzt wohnt ihr nicht mehr in Rostock, sondern in Berlin und Leipzig und euer neues Album wird von Kritikern in den höchsten Tönen gelobt. Wie fühlt sich das an?

Willi Paschen: Es freut uns, dass die Leute begeistert sind von dem neuen Material. Wir haben da so viel Energie reingesteckt und wussten zwischendurch selbst nicht mehr, ob es gut oder schlecht ist. Ich glaube allerdings, dass die, die es richtig doof finden, es nicht sagen (lacht).

Es klingt nach harter Arbeit, so stimmig ist die neue Platte. Wie lange habt ihr daran gearbeitet?

Willi Paschen: Eigentlich ging es dieses Mal ganz schön fix. Das Album ist in sechs Wochen verteilt über ein halbes Jahr entstanden. Als es fertig war, hat es uns selbst verblüfft.

Wer schreibt denn die Songs?

Willi Paschen: Das machen wir alle gemeinsam. Oft haben wir dabei ähnliche Meinungen, diskutieren aber noch viel im Detail.

Fast alle Songs drehen sich, passend zum Titel des Albums, um Weltraum-Themen. Fasziniert euch so was?

Willi Paschen: Wir sind alle Science-Fiction-Fans und mit Star Wars und Star Trek aufgewachsen. Weltraum ist so ein schön universelles Thema und bietet viel Projektionsfläche. Es geht zwar um den Weltraum, kann aber genauso gut auf der Erde spielen. Der erste Song „Flying To The Stars“ ist auch der, den wir als Erstes geschrieben haben und danach dachten wir uns, dass man das Thema gut weiterspinnen könnte.

Das ganze Album ist aufgebaut wie eine lange Geschichte, eine Reise.

Willi Paschen: Genau. Im ersten Song „Flying To The Stars“ fliegt der Protagonist ganz enthusiastisch los und im letzten Stück No Need (To Hurry Up) macht er gar nichts mehr. Es ist am Ende also offen, ob er sein Glück gefunden hat und enttäuscht und resigniert ist.

Ist es ein klassisches Konzeptalbum?

Willi Paschen: Nicht so richtig. Ein klassisches Konzeptalbum lebt ja davon, dass man erst eine Idee hat, es dann klar durchstrukturiert und dann erst die Musik macht. Bei uns ist es eher ein loses Konzept, nicht komplett stringent.

Inwiefern ist es nicht stringent?

Willi Paschen: In „No Room In High Class“ (N.R.I.H.C.) geht es zum Beispiel um Gentrification. Durch Wohnungs-Sanierungen bleiben Leute plötzlich auf der Strecke, die die neuen hohen Preise nicht mehr zahlen können. Das Thema passt nicht ins Weltall, aber man könnte es als Rückblick des Reisenden auf seine Zeit auf der Erde betrachten.

Im Video zum Song „N.R.I.H.C.“ geht es um einen Außerirdischen, der mit einem Einkaufswagen wie ein Obdachloser durch eine Stadt zieht und am Ende mit seinem Papp-Weltraumschiff und hübschen Frauen abhebt. Wer hatte diese trashige Idee?

Willi Paschen: Unsere Videos drehen wir immer mit Milan Pfützenreuter und denken sie uns auch immer zusammen aus. In der Regel gehen wir einfach alle zusammen ein Bier trinken und überlegen uns eine Geschichte für ein Video. Der Protagonist hat nicht nur keine Wohnung mehr, sondern ist auch generell ziemlich fertig und glaubt an allen möglichen Quatsch, der im Internet verbreitet wird.

Wir machen uns in dem Song auch ein bisschen über Verschwörungstheorien lustig.

Es ist jetzt schon euer drittes Album, in dem Posaune und Saxophon eine wichtige Rolle spielen. Ist das jetzt schon so was wie euer Markenzeichen?

Willi Paschen: Wir sind jetzt so als Band zusammengewachsen, dass wir eigentlich nur noch so funktionieren. Ohne den Saxofonisten Max und den Posaunisten Stefan hätten wir die letzten drei Platten nicht umsetzen können. Manche Leute muss man allerdings erst davon überzeugen, dass Saxofon und Posaune auch in der Rockmusik gut funktionieren und nicht nur zur Tanzmusik gehören. Aber bei Progrockbands und -musikern der 70er wie Frank Zappa oder Colosseum, waren Bläser immer ein Thema. Das ist nur über die Jahre ein bisschen verloren gegangen. Bevor wir die Platte aufgenommen haben, habe ich recht viel Progrockbands der 70er gehört.

Könnt ihr eigentlich leben von eurer Musik?

Willi Paschen: Wir arbeiten dran. Fünf sind einfach sehr viele Leute, da ist das nicht so einfach. Die Band ist unser Hauptberuf, alles andere der Nebenberuf (lacht). Ich zum Beispiel bin eigentlich Geograph und unterrichte ein Computerprogramm. Charlie hat ein Tonstudio, da haben wir auch die Platte aufgenommen.

Ihr kommt, wie schon erwähnt, aus Rostock, lebt jetzt aber in Leipzig und Berlin. Seid ihr trotzdem noch oft hier? Fehlt euch die Ostsee?

Willi Paschen: Meine Eltern haben noch ein kleines Häuschen an der Warnow und da sind wir recht oft im Sommer. Davon abgesehen kommen wir an Weihnachten und zu den Geburtstagen nach Rostock.

Die Spaziergänge an der Ostsee fehlen, wenn man wie wir in einer Großstadt lebt.

Könnt ihr euch langfristig vorstellen, wieder zurückzukommen?

Willi Paschen: Erst mal nicht. Ich bin gerne da, es reicht mir aber auch schnell wieder. Die Konzerte sind aber immer sehr besonders, weil es das kritischste Publikum ist, das uns gut kennt.

Eltern und Verwandte kommen dann auch immer und wir freuen uns, für sie alle zu spielen. Interview: Nele Baumann

OZ

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