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„Der Löwenzahn ist für mich ein Bild für die Liebe“

„Der Löwenzahn ist für mich ein Bild für die Liebe“

Diego Hagen (28) lebt in Rostock und hat sich als Poetry Slammer in MV einen Namen gemacht / Jetzt hat er seine erste Liedermacher-Platte aufgenommen und stellt sie am 17. Juni in Rostock vor

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Kommt aus Berlin und lebt in Rostock: Diego Hagen, hier am Rostocker Kanonsberg.

Quelle: Christian Möller

Um Liebe und Freundschaft geht es in den Songs des gebürtigen Berliners. Dem OZelot sagt der angehende Lehrer, warum seine Platte „Pusteblume“ heißt und wie es sich für einen Poetry Slammer anfühlt, als Sänger auf der Bühne zu stehen.

OZ-Bild

Diego Hagen (28) lebt in Rostock und hat sich als Poetry Slammer in MV einen Namen gemacht / Jetzt hat er seine erste Liedermacher-Platte aufgenommen und stellt sie am 17. Juni in Rostock vor

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Poetry Slams hast du hierzulande bereits einige gewonnen und bist schon seit ein paar Jahren mit dabei. Jetzt bringst du deine erste Platte mit Liedermacher-Songs heraus. Wie hat sich das ergeben?

Diego Hagen: Musik gemacht habe ich immer schon und war früher auch Schlagzeuger in einer Band. Viele Poetry Slammer machen ja auch eigene Solo-Shows, aber ich finde das schwer, so eineinhalb Stunden nur Texte zu lesen. So hat sich das irgendwann gut ergeben, dass ich Songs geschrieben habe, in denen ich mit Text und Musik zufrieden war und habe beschlossen, die aufzunehmen. In meinen Slamtexten merkt man aber auch meine Affinität zur Musik.

Inwiefern?

Diego: Ich habe zum Beispiel einen Text mit ganz vielen Musikzitaten, ähnlich wie der Song „Mixtape“ auf meiner Platte. Ich hab‘ auch einen Rap-Battle geschrieben zwischen Goethe und Schiller, den setzen auch Schulen in ihrem Unterricht ein. Ich bin jetzt nicht der Schauspieler, der auf der Bühne als Performance gerne rumhüpft oder so was. Ich mach‘ das dann lieber ein bisschen über Stimm-Melodie. Sich verstellen ist nicht so mein Ding. Ich persönlich mag auch Künstler wie Olli Schulz total gerne, der einfach so drauflosquatscht. Der ist einfach so, wie er wirklich ist.

Warum heißt deine Platte „Pusteblume“?

Diego: Beim Aufnehmen ist mir aufgefallen, dass es immer in Richtung Liebe geht. Ich find’s auch gut, wenn so eine Platte einen Rahmen hat. Oft suche ich mir einen Titel auch einfach nur aus, weil ich das Wort mag. Der Name Pusteblume gefällt mir und sie ist eine so schöne Metapher für die Liebe. Der Löwenzahn, der aufblüht, steht für die Liebe, wenn sie in der Jugend in voller Blüte steht, und dann kommt die Zeit, in der sie zur Pusteblume wird und die Samen fliegen weg und irgendwoanders werden wieder die Wurzeln aufgeschlagen. Die Pusteblume ist passend, um traurige, aber auch fröhlichere Lieder zu vereinen.

Wo hast du das Album aufgenommen und wie lange hat’s gedauert?

Diego: Bei mir zu Hause im Wohnzimmer. Ende des vergangenen Jahres habe ich meine Staatsexamensarbeit geschrieben und war da total mit beschäftigt. Danach habe ich mir als Projekt die EP vorgenommen und das dann innerhalb von zwei Monaten runtergearbeitet. Da hatte ich auch noch Zeit und Ruhe.

Hast du die Ausrüstung zum Aufnehmen komplett neu gekauft?

Diego: Ich hatte das schon ein bisschen länger. Ich hatte mir früher schon ein Interface zum Aufnehmen geholt und hab mir dafür jetzt noch ein neues Programm geholt, mit dem ich besser arbeiten kann, und Monitorboxen. Das Mikro habe ich mir von einem Kumpel ausgeliehen. Mir war es wichtig, das alles selber einzuspielen und da nicht auf andere angewiesen zu sein.

Hast du einen der Songs schon mal live gespielt?

Diego: Alle schon mal, ja.

Ist das Gefühl, auf der Bühne zu stehen denn anders als beim Poetry-Slam?

Diego: Der Wettbewerb ist nicht mit dabei. Das nervt mich bei den Slam-Veranstaltungen auch. Man freut sich natürlich, wenn man gewinnt, aber irgendwie ist es auch komisch, sich bewerten zu lassen für Kunst, die man macht. Das ist ja doch immer Geschmacksache. Mit ernsten Texten ist es bei Poetry-Slams auch schwierig. Da guckt man dann in die Gesichter, die anderen gucken zurück, aber man weiß nicht, ob sie der Text berührt hat oder nicht. Das ist schwer einzuschätzen. Die weinen ja nicht gleich alle drauflos.

Im Song „Mixtape“ zitierst du sehr viele Musiker, unter anderem Dota Kehr mit ihrem Song „Alles du alles dur“. Wer ist noch mit dabei und wie bist du auf die Idee gekommen?

Diego: Das sind glaube ich rund 50 insgesamt, unter anderem The Cure („Friday, I'm In Love“) oder Die Ärzte („Eines Tages werd' ich mich rächen“). Es sind auch HipHop-Sachen drin von Casper oder Prinz Pi. Von Rio Reiser habe ich „Für immer und dich“ zu „Für immer und wir“ umgewandelt. Mir hat die Idee gefallen, den Song auch wirklich wie ein Mixtape zu gestalten. Das Lied ist ja so aufgebaut, dass es eine Liebesgeschichte erzählt anhand von einem Mixtape. Der Protagonist stellt ein Mixtape für die Angebetete zusammen. Dann sind sie zusammen und haben das Mixtape mit Songs, die sie gerne hören. Dann ist er irgendwann alleine und hat nur noch die Songs, die er für sich alleine hört, die traurigen. Ich hab’ erst Songs rausgesucht, die ich total gerne mag, mir meine Lieblingszitate rausgeschrieben und dann versucht, alles in Reimform zu bringen.

Du kommst ja aus Berlin, hast erst in Greifswald studiert, jetzt in Rostock. Vermisst du Berlin?

Diego: Manchmal schon. Wenn ich da bin, denke ich aber oft, dass alles viel zu voll und ätzend ist. Als ich das erste Mal nach Rostock gekommen bin, hatte ich das Gefühl, dass die Menschen hier sehr freundlich sind und beim Aussteigen aus der Bahn wurde man nicht über den Haufen gerannt. In Berlin ist schon alles sehr anonym.

Willst du denn hierbleiben oder wieder zurückgehen?

Diego: Meine Freundin und ich kommen beide aus Berlin und haben da Familie. Langfristig würde ich gerne zurückgehen. In einem Song schreibe ich auch über Berlin. Da geht es darum, wie ausgestorben die Stadt um Weihnachten herum ist.

Release-Konzert im Rostocker Literaturhaus

Er kommt aus Berlin und ist fürs Studium nach MV gegangen. Erst lebte Diego Hagen in Greifswald, wechselte dann aber nach Rostock, wo er im kommenden Jahr sein Lehramtsstudium der Fächer Deutsch und Englisch abschließen will. Die erste MV-Poetry-Meisterschaft in MV 2013 gewann Diego und noch eine weitere. 2015 wurde er „Master of Slam“.

Seine erste Platte „Pusteblume“ gibt’s bei Amazon, I-Tunes und auf seiner Homepage (https://diegohagen.bandcamp.com). Diego ist außerdem noch im Projekt Humorwerkstatt aktiv (treten regelmäßig im Hotel Neptun auf) und in der Gruppe Chaos&Milchreis.

Live: 17. Juni, Literaturhaus Rostock (PWH),

Beginn: 20 Uhr, Karten: 5/7 Euro

Interview von Nele Baumann

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Quelle: Spiegel

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