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Dritte Wahl lädt zur musikalischen Zeitreise ein

Dritte Wahl lädt zur musikalischen Zeitreise ein

Die Rostocker Punkband gibt Anfang September ein Konzert im Iga-Park / Spielen wollen die Musiker vor allem Songs ihrer dritten Platte „Nimm Drei“ / Der OZelot sprach mit dem Sänger Gunnar Schröder

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Stefan Ladwig (v.l.), Holger Hüwe, Gunnar Schröder und sein Bruder Jörn „Krel“ Schröder machen deutschen Punkrock als Band Dritte Wahl.

Quelle: Tina Himmelreich

Vor 20 Jahren erschien ihre dritte Platte, die inzwischen zu einem Standardwerk des deutschen Punkrocks geworden ist. Der Sänger und Gitarrist Gunnar Schröder erklärt dem OZelot, warum das Album so wichtig für die Band war und immer noch ist. Die OZelot-Redaktion rief ihn in Norwegen an, wo er seinen Urlaub verbringt.

Gunnar, du bist gerade in Norwegen. Kannst du da so richtig abschalten?

Gunnar Schröder: Das gelingt mir hier ganz gut. Ich bin jeden Sommer hier und gehe angeln. Meer muss im Urlaub sein für mich, und Norwegen ist einfach ein wunderschönes Land.

Nach dem Urlaub geht’s dann auf Tour. Anfang September spielt ihr im Iga-Park vor allem Stücke eurer dritten Platte „Nimm drei“, die 1996 erschien. Warum habt ihr die wieder ausgegraben?

Gunnar: Das war damals eine wichtige Platte für uns, damit ist uns der Durchbruch geglückt. Da sie 20 Jahre alt wird, haben wir das zum Anlass genommen, alle Stücke noch mal im Iga-Park zu spielen. Einige der Songs spielen wir öfter mal auf Konzerten,wie „Greif Ein“ oder „Auge um Auge“, aber normalerweise nie die ganze Platte. Viele haben uns auch über das Album kennengelernt, deswegen ist es so etwas wie eine Zeitreise.

Das war bestimmt auch ganz schön sentimental, so zurückzublicken, oder?

Gunnar: Vor allem erscheint mir der Zeitraum von 20 Jahren völlig abstrus. Wenn man jemanden totgeschlagen hätte, dann wäre man jetzt schon wieder draußen (lacht). Die Platte hat sozusagen schon ein Mal lebenslänglich auf dem Buckel. Dann kommt hinzu, dass unser damaliger Bassist Marko Buschdie Platte noch mit eingespielt hat. Das ist schon wehmütig, ihn bei den Chören noch mitsingen zu hören. Teilweise hat er sogar die Hauptstimme. Das ist schon traurig, aber so ist das Leben eben auch.

Ein bekannter Song der Platte ist „So wie Ihr Seid“. An wen richtet der sich?

Gunnar: Der richtet sich schon ans gemeine Volk – vor allem an die, die von sich behaupten unpolitisch zu sein. Das ist schon ein bisschen „zeigefinger-mäßig“. Aber aus meiner Sicht wünschen sich die Schönen, Großen, Reichen dieser Welt nichts anderes, als dass man einfach alles so hinnimmt und es immer so weiter geht, wie sie sich das vorstellen.

1996 war ja in vielerlei Hinsicht ein völlig anderer Hintergrund als heute. Kann man den Song trotzdem ohne Probleme auf die Gegenwart übertragen?

Gunnar: Auf jeden Fall. Am gleichgültigen Verhalten der Menschen wird sich so schnell nichts ändern – wahrscheinlich auch in hundert Jahren noch nicht. Das sieht man ja zum Beispiel daran, dass sich die Waffenexporte im vergangenen Jahr verdoppelt haben. Es gibt aber niemanden, der sich so richtig auflehnt. Das ist schon erschreckend. Die machen das einfach, und die Leute nehmen das hin.

Die Punkbewegung wird auch immer kleiner, oder?

Gunnar: Das ändert sich aus meiner Sicht immer wieder mal. Wir haben auch ein ziemlich bunt gemischtes Publikum und sind nicht festgelegt auf Punks. Da sind Glatzköpfige, Langhaarige, Bunthaarige, Junge und Alte. Ich kenne aber auch einige, die sehen überhaupt nicht aus wie Punks, sind es aber von der Einstellung her viel mehr als die, die auch im punkigen Style herumlaufen.

Eure aktuelle Platte „Geblitzdingst“ ist die erste, die in die Deutschen Charts eingestiegen ist. (Platz 23) Freut ihr euch darüber oder ist euch das total gleichgültig?

Gunnar: Mit der „Nimm Drei“ waren wir auch kurz in den Charts, aber recht weit hinten. Das schmeichelt der Seele schon, da kann mir auch keiner erzählen, dass das einem ganz egal ist. Da können wir uns schon drüber freuen, dass wir so treue Fans haben, die nicht nur kostenlos downloaden, sondern auch bereit sind, zehn bis zwanzig Euro auszugeben.

Ihr seid schon 28 Jahre im Geschäft. Wenn du eure Anfangszeiten mit der Gegenwart vergleichst. Hat sich vieles geändert? In „Geblitzdingst“ klingt das so. Oder wie ist der Titel-Song der aktuellen Platte zu deuten?

Gunnar: Da hat sich schon einiges geändert, auch unsere Art, Musik zu machen und natürlich die Technik. Mittlerweile habe wir sogar eine Crew, die auf- und abbaut.

Ihr habt es all die Jahre geschafft, euch von keinem großen Label abhängig zu machen. Stattdessen habt ihr euer eigenes gegründet. Ist das sehr stressig, so vieles selber zu machen?

Gunnar: Das geht. In erster Linie ist es Büro-Arbeit, weil es viel zu organisieren gibt. Bei uns mache ich das ja größtenteils, und mir macht es Spaß, sowas entstehen zu sehen – von der Sekunde Null bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Platte im Laden steht.

Sind die Konzerte in Rostock immer was ganz Besonderes? Ihr kommt ja alle hier aus der Ecke.

Gunnar: Die sind auf jeden Fall was Besonderes. Da kommen die Familie und viele Freunde ... das ist aufregender, als wenn man woanders ist. Wenn man in anderen Städten ein nicht so gelungenes Konzert spielt, kann man einfach nicht wieder hinfahren. Nach Hause kommt man dagegen immer.

Du wohnst aber nicht mehr in Rostock, oder?

Gunnar: Mich hat vor einiger Zeit die Liebe nach Münster (Westfalen) verschlagen. Nach 30 Jahren in Rostock war das mal ganz erfrischend. Mein Bruder und Stefan leben noch im Raum Rostock und der neue Mann in der Band, Holger Hüwe, kommt auch aus Münster.

Steht schon eine neue Platte an?

Gunnar: Wir basteln schon dran und planen, sie im kommenden Jahr zu veröffentlichen.

Neue Platte soll 2017 erscheinen

Ihr erstes Konzert hat die Band Dritte Wahl 1988 gegeben, weswegen die Jungs dieses Datum als ihr Gründungsdatum betrachten. Damals war Marko „Busch’n“ Busch Frontmann († 2005), und Toralf „Holm“ Bornhöft spielte Bass (verließ die Band 1991). Heute gehören zur Band   Gunnar Schröder (Gesang, Gitarre), Stefan Ladwig (Bass, Gesang), Jörn „Krel“ Schröder (Schlagzeug) und Holger Hüwe (Keyboard, Gitarre).

Seit 1998 veröffentlichen die Musiker ihre Platten über ihr eigenes Label „Dritte Wahl Records“. Bis auf Holger haben alle Bandmitglieder ihre Wurzeln in der Region Rostock, Gunnar lebt allerdings seit einigen Jahren in Münster.

Live: 3. September, Iga-Park Rostock (Schmarl Dorf 40) , Einlass: 17 Uhr, Beginn: 19 Uhr, Tickets: 28 Euro

Interview von Nele Baumann

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