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Film ab in Rostock – FiSH mit neuem Chef

Film ab in Rostock – FiSH mit neuem Chef

Das Filmfestival im Stadthafen startet am 19. Mai / Arne Papenhagen leitet das Filmfest ab diesem Jahr / Dem OZelot sagt der Rostocker, inwiefern ihn viele der eingereichten Werke beeindruckt haben

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Freut sich aufs Festival: Arne Papenhagen (41).

Quelle: Frank Söllner

Zehn Jahre lang hat Henrike Hübner das FiSH-Festival geleitet. Jetzt hast du das übernommen. Wie kam es zu dem Wechsel?

www.ozelot.de Kontakt: Redaktion 0381/365325 ozelot@ostsee-zeitung.de

Arne Papenhagen: Henrike hat entschieden, dass sie einfach mal ein bisschen Luftveränderung brauchte. Nach zehn Jahren ist das schon verständlich. Das ist immer ein ganz schöner Ritt, dieses Festival. Ich wurde dann gefragt, ob ich die Leitung übernehme, und habe da lange drüber nachgedacht.

Warum war für dich die Entscheidung nicht einfach?

Arne: Henrike war mit ein Grund, warum ich beim FiSH dabei bin. Sie hat es gut verstanden, Leute zu binden und hat eine besondere Atmosphäre geschaffen. Außerdem musste ich mir überlegen, ob ich das überhaupt schaffe, weil ich ja auch noch in einem anderen Projekt beschäftigt bin. „Eigentlich ist das total cool“, habe ich mir aber gedacht und mich entschieden, die Leitung zu übernehmen.

Ich arbeite ja schon jahrelang ehrenamtlich beim Fish mit und habe auch selber Filme gemacht.

Was ist dein zweiter Job?

Arne: Seit fünf Jahren betreue ich das Netzwerk „Kulturelle Kinder- und Jugendbildung MV“. In diesem Jahr unterstützt mich Simone Briese-Finke, die frühere Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Rostocker Bürgerschaft.

Ist es kompliziert, das unter einen Hut zu bringen?

Arne: Total. Jetzt direkt vorm FiSH schaffe ich es gar nicht mehr, etwas fürs Netzwerk zu machen, weil der Kopf nur beim Festival ist. Aber mein zweiter Job macht auch Spaß und ganz aufgeben wollte ich ihn nicht – zumal die Leitung des FiSHs ja auch kein ganzjähriger voller Job ist.

Was gehört eigentlich zu den Aufgaben eines Festivalleiters?

Arne: In erster Linie geht es um Koordination. Das geht los bei der Ausschreibung der Wettbewerbe und weiter mit dem Erstellen des Programms. Welche Schwerpunkte kann ich setzen, welche Partner ins Boot holen? Wo entstehen welche Synergien? Das ist etwas, was mir sehr viel Spaß macht. Ist das Team zusammengestellt, besteht es am Ende aus etwa 120 Leuten. Die müssen sich alle wohlfühlen und sinnvolle Aufgaben erhalten. Für mich ist das alles eine große Herausforderung, weil ich es ja auch zum ersten Mal mache und mir die Routine noch erarbeiten muss.

Bist du aufgeregt?

Arne: Aufgeregt nicht. Ich freu mich eigentlich jeden Tag, wenn ich ins Büro gehe. Allerdings denke ich dauernd, ich hab’ irgendwas vergessen. Mit dem Schlafen klappt’s auch nicht mehr so richtig.

Beim Wettbewerb „Junger Film“ gibt es weniger Einsendungen als in den Vorjahren. Wie erklärst du dir das?

Arne: Das versuchen wir noch herauszufinden. Wir sind früh in die Werbung gegangen, früher in die Ausschreibung, haben die gleichen Institutionen angeschrieben und mobil gemacht. 350 Einsendungen sind jetzt auch nicht wenig, aber es sind weniger als in den vergangenen zwei Jahren. Es kann sein, dass ein Generationswechsel stattgefunden hat. Viele von denen, die vorher traditionell eingereicht haben, sind jetzt über 26 Jahre alt. Da müssen jetzt wieder welche nachkommen.

Rücken da sehr junge Filmemacher nach?

Arne: Ja, das passiert gerade. Wir haben viele Einreichungen von 12- und 13-Jährigen. Die Jüngsten sind erst 6 und nennen sich „Zuckerwattenkrawatten“. Sie kommen aus Berlin und machen schöne, anarchistische Animationsfilme.

Die Gewinner des vergangenen Jahres haben einen Film zum Thema „Flucht“ gemacht und auch in diesem Jahr ist es wieder ein Schwerpunkt-Thema. Dominieren ernste, politische Filme?

Arne: Es gibt auch spaßige Sachen, aber man merkt insgesamt, dass sich die Leute viele Gedanken um ihr Lebensumfeld machen. Und da spielt natürlich die Flucht-Situation eine Rolle, aber auch so was wie Identitätsfindung. Es dreht sich in einigen Filmen um Gender-Themen wie Trans- oder Homosexualität oder etwa um Veganismus.

Was hast du für einen Eindruck von der Qualität der Filme?

Arne: Einen sehr guten. Viele nutzen die Möglichkeiten, die sich mit neuer Technik, wie Drohnen, bieten und schaffen so einen Blick von oben. Das war früher ein großer Aufwand mit Kran und so. Formal sind die Filme wirklich unfasssbar gut und auch dramaturgisch sind die meisten auf einem sehr hohen Level. Ich habe in mehr als 700 Filme reingeschaut und war von ihrer Qualität beeindruckt.

Nach welchen Kriterien sucht ihr die Filme denn aus?

Arne: Wir versuchen vor allem, eine möglichst große Bandbreite darzustellen – in Bezug aufs Alter, auf die Genres und thematisch. Was die Qualität der Filme angeht, müssen sie einen vor allem bewegen. Ich muss heulen, lachen oder wütend sein können. Das können tolle Bilder auslösen, eine tolle Geschichte oder der Protagonist, das ist egal. Im besten Fall passt das alles zusammen.

Wer moderiert eigentlich in diesem Jahr?

Arne: Mark Sternkiker wird das übernehmen, der bereits bis zum FiSH 2010 Moderator beim Festival war. Er ist ein Filmfreak und ich freu mich total, das er das macht. Jetzt ist ja Drehzeit. Da ist es nicht leicht, jemanden wie Mark gewinnen zu können. Das ist auch der Grund, warum kein bekannter Schauspieler mit in der Jury sitzt. Wir haben einige angefragt, aber sie hatten allesamt keine Zeit wegen laufender Dreharbeiten.

Lief eigentlich auch mal einer deiner Filme beim FiSH?

Arne: Ein Dokumentarfilm über Hostels in Irland wurde mal 2009 im Rahmenprogramm gezeigt. Ich bin ja ziemlich spät erst zum Film gekommen. 2000 war ich mit meiner zweiten Ausbildung zum Mediengestalter fertig und habe dann erst angefangen. Da war ich ja bereits 26.

Was hast du denn vorher gemacht?

Arne: Ich komme aus Güstrow und habe da den Beruf des Zimmermanns gelernt. Nach Lehre, Abitur und Zivildienst habe ich damals ein soziokulturelles Jugendzentrum in Güstrow mit aufgebaut. Das war lange mein absoluter Lebensmittelpunkt. Ende der 90er habe ich mir dann in den Kopf gesetzt, Toningenieur zu werden und habe von den Ausbildungsmöglichkeiten am Institut für Neue Medien erfahren und mich entschlossen, das zu machen.

Und wie bist du dann zum Film gekommen?

Arne: Einer meiner Ausbilder war selbst Regisseur. Andreas Höntsch hieß der. Der hat mir alles, was mit Film zusammenhing, sehr nahegebracht und mich dafür begeistert. Meinen ersten Film hatte ich dann 2000 fertig, einen 20-minütigen Dokumentarfilm über zwei Puppenspieler aus Waren. Damals habe ich freiberuflich gearbeitet und an vielen Filmprojekten im Ton und Schnitt mitgewirkt.

Filmemacher, Cutter und kulturelle Arbeit mit Jugendlichen

Arne Papenhagen kommt aus Güstrow und hat am Institut für Neue Medien in Rostock eine Ausbildung zum Mediengestalter absolviert. Einer seiner Dozenten war damals unter anderem der Regisseur Andreas Höntsch (u. a. Spielfilm „Die Vergebung“). Arne arbeitet neben seinem Job beim FiSH als Koordinator für das Netzwerk „Kulturelle Kinder- und Jugendbildung MV“.

„Zwischen den Welten“ (2000) heißt der erste Film von Arne – eine 18-minütige Dokumentation über zwei Puppenspieler aus Waren, die ihre Jobs als Psychologin und Kybernetiker an den Nagel gehängt haben. Sein zweiter Film „Far Off Fields“ (2008) lief auch auf dem FiSH-Festival. Es ist eine Dokumentation über Hostels in Irland und Backpacker-Reisen.

Mehr über das FiSH auf Seite 3

Von I Nterview von Nele Baumann

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