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Hundreds: „Wir wollten unsere technoide Seite ausreizen!“

Hundreds: „Wir wollten unsere technoide Seite ausreizen!“

„Wilderness“ heißt die neue Platte von Philipp und Eva Millner / Das Hamburger Geschwisterpaar stellt die neuen Songs am 5. November in Rostock vor

Sie leben im Wendland und haben hierzulande viele Fans. Dem OZelot sagen Eva und Philipp Millner, welche besondere Verbindungen sie zu MV haben und warum sie ihr aktuelles Album „Wilderness“ betitelt haben.

Eva, in ein paar Tagen schon kommt eure neue Platte heraus und dann geht’s auf Tour. Seid ihr aufgeregt?

Eva Millner: Auf jeden Fall. Wir proben gerade richtig viel und haben noch einen Haufen Arbeit vor uns.

„Wilderness“ heißt die Platte. Und es dreht sich – passend zum Titel – um die Natur und das, was der Mensch mit ihr macht. Warum habt ihr euch für so ein Thema entschieden?

Eva: Das ist ein Thema, das mich schon total lange beschäftigt – schon seit meiner Kindheit. Unsere Eltern waren beide Naturschützer und wir waren oft auf Demos mit dabei und dann hab’ ich mir das immer erklären lassen. Gar nicht verstanden habe ich damals, wieso man Atomkraftwerke baut, wenn man doch weiß, wie gefährlich sie sind. Mich beschäftigt das Thema gerade wieder sehr und vor allem in den Songs „Wilderness“ und „What remains“ habe ich versucht, meine Gedanken dazu poetisch umzusetzen.Es lässt sich aber natürlich auch anders deuten, schließlich steht nicht „Bitte schützt die Umwelt“ darüber.

Aus welcher Perspektive ist der Titel „What remains“ geschrieben?

Eva: Die Stimme, die da singt, ist die Mutter Natur oder eine fiktive Macht, die mit der Menschheit abrechnet und sagt: „Ich habe euch alles gegeben und ihr habt mich ausgenommen.“ Der Mensch neigt ja dazu, sich selbst so wichtig zu nehmen und verliert dabei vielleicht auch manchmal das große Ganze aus den Augen.

Ihr macht atmosphärische, experimentelle Musik. Die aktuelle Platte ist elektronischer als ihre Vorgängerin. War das bewusst?

Eva: Es war schon eine bewusste Entscheidung. Im vergangenen Jahr waren wir ja viel akustisch unterwegs und haben viel in Kirchen gespielt. Da hatten wir keinen Laptop mit auf der Bühne, sondern haben alle Töne selber erzeugt. Wir haben aber auch eine technoidere Seite und wollten die mal richtig ausreizen. Wir haben beim Aufnehmen der Platte immer darauf geachtet, wie es live rüberkommt.

Wie entstehen bei euch die Songs? Wie geht ihr da vor?

Eva: Meistens gibt es vorher eine kleine Skizze, also eine Melodie, mit der wir uns dann ans Klavier setzen. Und dann probieren wir rum, ob uns da weitere Idee zu kommen, ob da ein Refrain draus entsteht. Dieses Mal haben wir die klassischen Popstrukturen weniger beachtet. Vieles ist collagenartig gedacht. Danach setze ich mich mit der Skizze hin und denke mir einen Text dazu aus. Wenn alles steht, produzieren wir es gemeinsam in unserem Studio.

Euer Studio habt ihr im Wendland und dort lebt ihr auch?

Eva: Ja, Philipp hat sich hier einen uralten Hof gekauft mit riesigem Grundstück und alten Obst- und Kastanienbäumen. In eine alte Scheune haben wir unseren Probenraum reingezimmert. Im Vergleich zu den Zeiten, als wir noch in Hamburg lebten, haben wir jetzt viel mehr Platz und auch viel mehr Zeit, weil viele Wege wegfallen.

Ist bei euch die Natur denn auch so „berührt“?

Eva: Wir kriegen hier mit, was die Landwirte alles auf die Felder hauen. Da wächst kein Unkraut mehr daneben, nur Gras, es gibt keine Kornblumen oder Margariten. Die Landwirtschaft hat sich für mich auch ein wenig entzaubert.

Ihr seid Geschwister. Streitet ihr euch bei den Produktionen auch mal so richtig? Unter Geschwistern passiert das ja oft schneller als unter Freunden oder Kollegen.

Eva: Da fallen schon mal ein paar unnette Worte oder jemand stürmt raus. Wir kennen uns so gut, da nervt man sich auch ein bisschen schneller.

Eure Musik erinnert ein wenig an Portishead. Habt ihr musikalische Vorbilder?

Eva: Portishead ist auf jeden Fall eine meiner Lieblingsbands – generell Triphop, also Massive Attack oder Lamb. Bands, die Philipp und ich beide mögen, sind etwa Björk, Radiohead oder The Notwist. Wir hören aber auch aktuelle Musik und versuchen, uns davon inspirieren zu lassen.

In Rostock habt ihr schon oft gespielt und bei den Konzerten waren auch eure Eltern manchmal mit dabei – oder? Wohnen die hier?

Eva: Unsere Mutter kommt gebürtig aus einem kleinen Dorf bei Rostock. Ihre Familie hatte dort einen Bauernhof. Sie hat sechs Geschwister, die alle in Güstrow, Schwerin und Rostock leben. Wir kennen die Gegend gut und waren auch vor der Öffnung der Grenzen oft in den Sommerferien dort. Das Dorf, in dem meine Mutter geboren wurde, wurde Anfang der 70er von den Russen plattgemacht, die da einen Flughafen hingebaut haben. Das Dorf hieß Levkendorf und der Flughafen heißt heute Rostock-Laage.

Interview von Nele Baumann

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