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Johann König: „Wie lange geht das noch gut?“

Johann König: „Wie lange geht das noch gut?“

Der Kölner Comedian kommt mit seinem aktuellen Programm „Milchbrötchenrechnung“ am 4. Oktober ins Rostocker Moya / Dem OZelot sagt er, warum er eigentlich nie Komiker werden wollte und warum er sich manchmal darüber wundert, dass die Leute über ihn lachen

Johann, worum geht’s in deinem aktuellen Programm?

www.ozelot.de Kontakt: Redaktion 0381/365325 ozelot@ostsee-zeitung.de

Johann König: Um alles und nichts ... um Konsum, Kinder, um Freude, aber auch um nichts. Ich schaue manchmal ins Publikum und denke nichts und denke dann: „Was denken die denn jetzt?“ Das versuche ich auszuhalten. Wir sind ja immer alle so abgelenkt. Und wenn dann mal nichts kommt, kein Input und ich auch nichts erwarte, das ist eigentlich mein schönster Moment. Aber generell rede ich viel auf der Bühne, singe, lese Gedichte rappe und tanze. Um meine drei kleinen Kinder geht es immer wieder, um nachhaltigen Konsum. Es ist eine große Bandbreite an Themen. Mir sind es eigentlich zu viele (lacht).

Und warum heißt es „Milchbrötchenrechnung“?

Johann: Weil ich denke, dass das Leben eine Milchbrötchenrechnung ist. Viele Dinge, die man versucht, klappen am Ende doch nicht: sich ethisch korrekt zu verhalten etwa. Ich nenne es nicht „Milchmädchen“- sondern „Milchbrötchenrechnung“, weil ich so gerne Milchbrötchen esse.

Wie gehst du denn vor, wenn du ein neues Programm erarbeitest?

Johann: Ich sammel Gedichte und Gedanken. Stift und Zetter habe ich immer dabei und schreibe alles Mögliche auf. Die Ideen kommen mir dann, wenn ich irgendwo rumliege oder sitze ... in der Badewanne, in der Sauna oder im Zug, wenn ich so vor mich hin starre. Zwei Monate vor der Premiere trage das dann zusammen. Oft denke ich dann kurz vorher: „Was habe ich denn da fabriziert? Das ist ja überhaupt nicht lustig?“

Schreibst du dein Programm ganz alleine?

Johann: Seit 15 Jahren. Einmal haben wir den Versuch gestartet, dass jemand mitschreibt, das hat nicht funktioniert.

Im vergangenen Sommer hast du nicht nur ein neues Programm, sondern auch ein neues Buch geschrieben. Ganz schön viel, oder?

Johann: Zu viel. Das war furchtbar. Deswegen habe ich mir diesen Sommer freigehalten und drei Monate nichts gemacht: Das war herrlich! Ich war einmal kurz vorm Burnout mit Hörsturz und Schlafproblemen. Seitdem mache ich weniger und nehme mir mehr Zeit für meine Familie.

Wusstest du eigentlich wie so viele schon früh, dass du auf der Bühne unterhalten willt?

Johann: Eigentlich wollte ich sowas nicht machen. Ich bin ja ausgebildeter Kinderkrankenpfleger und hab’ Sport auf Lehramt studiert, aber nicht abgeschlossen. Ich habe zwar alle Scheine im Sportstudium, aber als ich damals bei Harald Schmidt anfing, in der Show aufzutreten, habe ich gemerkt, dass ich beides zusammen nicht hinbekomme.

Hast du das schon mal bereut?

Johann: Nein, ich habe zwar nie von diesem Beruf geträumt, aber jetzt ist es mein Traumberuf geworden. Ich bin ganz unabhängig und es macht einfach Spaß.

Ein Markenzeichen deiner Auftritte ist deine brüchig klingende Stimme. Hast du die dir extra antrainiert?

Johann: Die habe ich nur, wenn ich aufgeregt bin. Ich bin von Grund auf schüchtern und mochte es in der Schule schon nicht, wenn ich was sagen musste. Bei dem fünfminütigen Fernsehauftritt in der Schmidt-Show hatte ich diese Stimme die ganze Zeit. Bei meinem langen Bühnenprogramm verschwindet sie nach einer Weile. Ich hab’ mir diese Stimme nicht ausgedacht und finde die auch nicht schön.

Du sagst, dass du nie Komiker werden wolltest. Wie hast du bemerkt, dass die Leute über dich lachen?

Johann: Ich hab’ ein Gedicht in einem Literaturcafé vorgelesen und war erstaunt, dass die Leute lachen. Eine komische Art zu haben: So was ist glaube ich totaler Zufall. Bei mir wussten viele am Anfang glaube ich nicht, ob ich jetzt bekifft, besoffen bin oder aus einer geschlossenen Anstalt komme. Ich war so verschüchtert, dass es verstörend war. Ich hab’ aber aufgehört, mir über sowas Gedanken zu machen. Manchmal frage ich mich allerdings, wie lange das noch gut geht – wie lange ich es noch schaffe, mit dieser Art durchzukommen.

Ist es dir egal, was andere über dich denken?

Johann: Eigentlich schon. Ich lese mir auch nicht durch, was andere über mich schreiben. Das habe ich von Charlotte Roche gelernt. Die liest nichts über sich und das ist schwer. Ich hatte mal einen Shitstorm, als ich ein Lied über Tiertransporte geschrieben habe. Da habe ich noch den Fehler gemacht, es zu lesen. Das ist schlimm.

Am 4. Oktober stehst du in Rostock auf der Bühne. Das Publikum ist wahrscheinlich ganz anders als in Köln, oder?

Johann: Das Publikum ist überall gleich unterschiedlich. Die lachen in Rostock genau so wie in Köln. Nördlich von Köln läuft’s für mich in der Regel gut, südlich wird’s schwieriger. Das liegt vielleicht daran, dass mein Vater aus Hamburg ist und meine Mutter aus Norddeich ist. Ich mag den Norden.

Zwei Auftritte in MV

In Soest kam Johann König als Johannes Köhn am 21. Juni 1972 zur Welt. Bevor er als Komiker Erfolge feierte absolvierte er eine Ausbildung als Kinderkrankenpfleger und studierte an der Sporthochschule in Köln Sport auf Lehramt. Das Studium schloss er aber nie komplett ab, weil er in der abschließenden Prüfungsphase bereits in der Harald-Schmidt-Show auftrat.

Neben der Harald-Schmidt-Show trat er auch beim Quatsch Comedy Club und bei anderen Fernsehsendungen wie z. B. NightWash oder Zimmer frei! auf. Sein erstes Buch „Gestammelte Werke“

mit Gedichten und Geschichten erschien 2006.

Live: 4. Oktober, Moya Rostock, 20 Uhr; 6. Oktober, Capitol Schwerin, 20 Uhr,

Karten: jeweils rund 30 Euro

Interview von Nele Baumann

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