Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Julia Engelmann: „Meine Familie ist eine Art lyrischer Wanderzirkus“

Julia Engelmann: „Meine Familie ist eine Art lyrischer Wanderzirkus“

Die Bremer Poetry-Slammerin steht am 7. Juli auf Usedom und am 8. Juli auf Rügen mit ihrem Programm „Eines Tages, Baby“ auf der Bühne / Dem OZelot sagt sie, warum ihre Eltern mit auf Tour sind

Voriger Artikel
Gesprühte Kunst soll Schmierfinken abhalten
Nächster Artikel
Pop-Poetin Julia Engelmann tourt durch MV

Feilt oft lange an ihren Texten, bis sie fertig sind: Julia Engelmann.

Quelle: Marta Urbanelis

Bei einem Bielefelder Hörsaal-Slam las sie 2014 einen Text vor. Das Video dieses Auftritts wurde mehr als neun Millionen Mal geklickt, geliked und geteilt – und Julias steile Karriere begann.

www.ozelot.de Kontakt: Redaktion 0381/365325 ozelot@ostsee-zeitung.de

Julia, wie war die Erfahrung für dich, quasi von heute auf morgen ein Star zu sein?

Julia Engelmann: Das Wort Star mag ich irgendwie nicht. Ich versuche, nicht zu benennen, was ich jetzt bin. Einfach ein Mädchen? Es kam jedenfalls alles sehr plötzlich. Erst dachte ich:

„Oaah, eine aufregende Woche in meinem Leben“, dann wurde daraus: „Oaaah, ein aufregender Monat!“ – und jetzt sind es tatsächlich schon zweieinhalb Jahre. Ich verarbeite es immer noch und es ist absurd, aber eigentlich das beste Wunder, das mir passiert ist.

Hast du an diesem Abend in Bielefeld geahnt, was da kommen wird?

Julia: Nein, im Gegenteil, es war einer der unmagischsten Momente, die man sich vorstellen kann. Ich bin Fünfte von sieben geworden und mein kleines Büchlein mit Gedichten wollte nach dem Auftritt auch keiner kaufen. Es war wirklich unmagisch.

Du hast inzwischen zwei Bücher herausgebracht, die beide auf der Bestsellerliste gelandet sind und deine Shows sind in der Regel ausverkauft. Wie hat sich das alles ergeben nach diesem schon fast legendären Vortrag?

Julia: Es kam alles Stück für Stück. Erst bin ich mit Tim Bendzko auf Tour gegangen, dann habe ich mein erstes Buch veröffentlicht, wurde irgendwann auf eine Lesereise eingeladen und habe auch meine ersten kleinen Tourtermine geplant. Ich habe immer nur von Projekt zu Projekt gedacht. Irgendwann waren aus den paar kleinen Tourterminen 44 geworden, zu denen insgesamt 25 000 Leute kamen. Es hat sich wirklich alles organisch entwickelt – das hätte ich vor zwei Jahren nie so vorhersagen können.

Nach ausverkauften Shows 2015 setzt du in diesem Jahr deine Tour fort. Nach MV kommst du mit zwei Shows, dem „Sommerspecial“ und einem Upgrade deines Programms „Eines Tages, Baby“. Inwiefern unterscheiden sich die Shows?

Julia: Das Sommer-Special ist eine Verlängerung der aktuellen Tour, ab Herbst gibt’s ein neues Programm. Ich schreibe gerade mein drittes Buch und das wird in der Herbst-Tour mit eine Rolle spielen.

Worum geht’s in deinem neuen Buch?

Julia: Es sind wieder Gedichte und ähnelt den Vorgängern grundsätzlich. Vom ersten bis zum dritten Buch schlage ich einen Bogen vom Erwachsenwerden zum Erwachsensein.

Fühlst du dich denn erwachsener als noch vor zwei Jahren?

Julia: Nein, aber ich denke, ich sollte es. Ich bin einfach offensichtlich kein Kind mehr.

In dem Video, das so wahnsinnig oft angeschaut wurde, liest du einen Text vor, der sich auf den „Reckoning“-Song von Asaf Avidan bezieht. Hast du einen besonderen Bezug zu dem Lied?

Julia: Ja, ich kenne den Song schon viele Jahre und habe dazu mal ein wahnsinnig schönes Tanzstück gesehen. Als der Remix dann herauskam und es im Radio häufig gespielt wurde, musste ich wieder über diese Zeile nachdenken und habe darüber geschrieben.

Wie bist du beim Schreiben des Textes vorgegangen?

Julia: Ich gehe beim Schreiben immer so vor, dass ich erst einmal Gedanken sammel’ zu verschiedenen Themen – und dann fällt mir irgendwann auf, dass es eigentlich um ein Thema geht. In diesem Fall habe ich mir vorgestellt, dass ich irgendwann auf mein Leben zurückblicke und merke, dass ich nicht aus dem Quark gekommen bin. Es war Winter, ich hab’ viel zu Hause herumgehangen und aus dieser Stimmung heraus ist der Text entstanden.

Vor der Kamera hast du auch schon gestanden, etwa für die Seifenoper „Alles, was zählt“. War das eine wichtige Erfahrung für dich oder denkst du heute eher: „Hätte ich das mal gelassen!“?

Julia: Das war ein Erfahrungs-Meilenstein. Ich habe mich immer gefragt, wie es ist, in der Fernsehbranche zu arbeiten und selber vor der Kamera zu stehen. All meine Fragen wurden mir da beantwortet. Ohne diese Erfahrung hätte ich vielleicht nie angefangen zu studieren. Ich wusste auf jeden Fall danach, dass ich nicht nur als Schauspielerin arbeiten möchte.

Studierst du denn noch?

Julia: Nein, ich war jetzt seit mehr als zwei Jahren nicht mehr in der Uni. Der Beziehungs-Status ist kompliziert gerade (lacht).

Deine Mutter ist deine Managerin. Hast du sie gefragt, ob sie das macht oder hat sich das so ergeben?

Julia: Ich hab’ sie gefragt. Sie ist ja eh schon mein Leben lang meine Managerin und ich lege viel Wert auf ihre Meinung. Es läuft wirklich gut mit uns, mein Papa macht das Tour-Management, wir sind eine Art lyrischer Wanderzirkus, die Kelly Family ohne Hausboot.

Mit 17 erster Poetry-Slam

Aus Bremen kommt Julia Engelmann (* 13. Mai 1992) und lebt auch heute in der Hansestadt. Ihre Mutter ist Psychologin und auch Julia hat ein paar Semester Psychologie studiert. An ihrem ersten Poetry-Slam nahm Julia mit 17 Jahren teil und ist seitdem dabei geblieben.

Einen Namen machte sie sich nach ihrem Auftritt bei einem Hörsaal-Slam in Bielefeld, das Video wurde millionenfach geklickt.

Live: 7. 7.: Heringsdorf, Kaiserbädersaal, Beginn 18.30 Uhr, 8. 7.: Theater Putbus,

Beginn: 20 Uhr, 17.11.: Rostock, Moya

Interview von Nele Baumann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel

Quelle: Spiegel

mehr
Mehr aus Szene