Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 12 ° Gewitter

Navigation:
Liebes Sparschwein, fülle dich!

Vier von fünf Jugendlichen sparen – fürs Alter aber legen nur wenige etwas zurück Liebes Sparschwein, fülle dich!

Urlaub, Autos und Konsumgüter wie Smartphones und Laptops sind vielen jungen Leuten wichtig / Altersvorsorge dagegen steht laut aktuellen Umfragen weiter hinten auf der Prioritätenliste / Der OZelot hat nach euren Sparzielen gefragt

Voriger Artikel
Dritte Wahl lädt zur musikalischen Zeitreise ein
Nächster Artikel
„Die Bässe müssen über den Tanzfloor rollen“

Der Stralsunder Phillipp Kleemann jobbt, um sein Studium finanzieren zu können. Bleibt dann noch etwas über, spart er es – um auf Reisen die große, weite Welt sehen zu können. Damit verhält er sich wie viele junge Leute in MV und ganz Deutschland. Denn laut aktuellen Umfragen sparen immer mehr junge Menschen – durchschnittlich sogar ein Drittel ihres Einkommens. Zu diesem Ergebnis kommen verschiedene vor kurzem veröffentlichte Studien.

Die Deutsche Bank etwa hat eine repräsentative Umfrage unter mehr als 1000 Schülern, Auszubildenden, Studenten und Berufstätigen im Alter zwischen 14 und 25 Jahren in Auftrag gegeben. Danach verdienen Jugendliche mit 447 Euro pro Monat zwar durchschnittlich etwas weniger Geld als 2015 (464 Euro), trotzdem legen sie 121 Euro zur Seite. Der Sparanteil liegt damit bei 27 Prozent. Insgesamt legen vier von fünf Jugendlichen (81 Prozent) regelmäßig Geld auf die hohe Kante. Junge Männer sparen durchschnittlich 148 Euro im Monat, junge Frauen 93 Euro.

Allerdings verfügen die jungen Männer im Schnitt mit 498 Euro pro Monat auch über mehr Einkommen als gleichaltrige Frauen mit 396 Euro. Die Einnahmen stammen aus Taschengeld, Nebenjobs, Ausbildung und Berufstätigkeit.

Beim Sparen haben die 14- bis 25-Jährigen konkrete Ziele vor Augen: Mehr als die Hälfte (54 Prozent) spart auf ein Konsumziel wie Führerschein, Auto, Reise oder Elektronik. Einer von fünf Jugendlichen (21 Prozent) legt Geld für die Ausbildung zurück, und 15 Prozent schaffen Rücklagen für die Altersvorsorge.

Denken junge Leute der sogenannten „Generation y“ nicht ans Alter? Zumindest scheint es ihnen nicht sehr wichtig zu sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von TNS Infratest Sozialforschung und der Hertie School of Governance im Auftrag des Versorgungswerks MetallRente. Befragt wurden 2500 junge Leute zwischen 17 und 27 Jahren. Grundsätzlich deckt sich das Ergebnis mit der Studie der Deutschen Bank: Fast vier von fünf Befragten Jugendlichen sparen zumindest „ab und zu“. Rund ein Drittel von ihnen (35 Prozent) allerdings legen nur Geld fürs Alter zurück.

Forscher wie Klaus Hurrelmann (Professor für Bildungs- und Gesundheitsforschung, Berlin) oder Christian Traxler (Professor für Ökomonie, Berlin) warnen deshalb vor Altersarmut, die eine ganze Generation betreffen könnte.

„Rentenentscheidungen sind sehr komplex“, sagt etwa Christian Traxler, der bei der Jugendstudie mitgearbeitet hat. Zu komplex? Klaus Hurrelmann ist der Ansicht, dass viele mit dem System überfordert sind. In der Umfrage gaben die jungen Leute auch an, dass sie sich in der Schule gerne intensiver mit den Themen Wirtschaft und Finanzen auseinandersetzen würden.

Hurrelmann führt das zurückgehende Interesse an diesem Thema außerdem darauf zurück, dass junge Leute positiv in die Zukunft blicken und nicht damit rechnen, irgendwann mal in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. „Man schaut maximal in den nächsten Lebensabschnitt, aber nicht weit darüber hinaus“, sagt er. 2010 sei das noch anders gewesen. Vor dem Hintergrund der gerade überstandenen Weltwirtschaftskrise hätten viele sich in Bezug auf die Zukunft Sorgen gemacht. Damals sparten laut der Jugendstudie noch knapp 40 Prozent fürs Alter.

Dass junge Leute in finanzieller Hinsicht positiv in die Zukunft blicken, deckt sich mit dem Ergebnis der Deutschen-Bank-Studie. 60 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich ihre finanzielle Lage in den kommenden sechs Monaten verbessern wird. Nur 11 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen rechnen mit einer Verschlechterung.

Den Moment genießen, anstatt zu viel zu planen – verständlich ist so ein Denken, Forscher aber reagieren alarmiert. War 2010 noch Altersvorsorge der drittwichtigste Spargrund, sind heute Urlaubsreisen an diese Stelle gerückt. 64 Prozent der jungen Sparer legten 2016 Geld für den Urlaub beiseite (2010: 56 Prozent), nur 58 Prozent fürs Alter (2010: 66 Prozent).

Bei den Sparformen setzen die jungen Menschen laut Umfrage der Deutschen Bank auf Bewährtes: Die Spareinlage (Sparplan, Sparbuch, Sparcard) ist mit Abstand am beliebtesten – 62 Prozent der Befragten nutzen sie. Es folgen das Tagesgeldkonto (35 Prozent) und der Bausparvertrag (18 Prozent). Aktien und Fonds werden von 11 Prozent genutzt, die Riester-Rente von 8 Prozent, Lebensversicherungen von 6 Prozent.

Nele Baumann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Zürich

Für Frieden und Toleranz: In bunten Kostümen und mit wummernden Bässen haben Hunderttausende Menschen die Street Parade gefeiert. Mit dabei: Loveparade-Gründer Dr. Motte.

mehr
Mehr aus Szene