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Liedermacher Felix Meyer: „Ich bin ein Träumer“

Liedermacher Felix Meyer: „Ich bin ein Träumer“

Der Wahl-Hamburger und seine Band project Île bringen am 15. April ihre neue Platte „Fasst euch ein Herz“ heraus / Die Songs stellen die Musiker Ende April in Rostock und Stralsund vor

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Macht sich viele Gedanken und will nicht nur über die Liebe singen: Der in Hamburg lebende Musiker Felix Meyer.

Quelle: promo

Mitte April erscheint eure neue Platte. Per Crowdfunding habt ihr sie dieses Mal finanziert. Warum?

Felix Meyer: Weil es möglich ist! Ich finde, dass dieses Prinzip ganz gut zu unserer Vergangenheit als Straßenmusiker passt. Wir sind damit nicht mehr von großen Firmen abhängig, sondern machen unser Ding. Durch das Crowdfunding haben wir Teile unserer Produktionskosten decken können. Eine Live-Doppel-Vinyl hatten wir vorher auch schon mal auf diesem Wege finanziert. Das hat ebenfalls gut geklappt. Und welche Plattenfirma bringt heute noch eine Live Doppel Vinyl in kleiner Auflage heraus, wenn selbst CDs sich nicht mehr so gut verkaufen?

Ein Album habt ihr über das große Label Sony herausgebracht. Hattet ihr auf die Zusammenarbeit keine Lust mehr?

Felix: Um bei einem so großen Label bleiben zu können, müssen Platten richtig durch die Decke gehen. Das ist mit unserer Musik, die ja kein Mainstream-Pop ist, schwierig. Künstler werden heute nicht mehr so aufgebaut wie früher etwa Herbert Grönemeyer. Erst sein 4. oder 5. Album war „Bochum“. So viel Zeit wird heute keinem Musiker mehr gegeben.

Aber scheinbar genießt ihr eure Unabhängigkeit ja jetzt und probiert viel Neues aus. Inwiefern hebt sich die neue Platte von den Vorgängern ab?

Felix: Wir sind bei dieser Platte alle zusammen ins Studio gegangen und haben die Songs gemeinsam eingespielt. Das klingt so selbstverständlich, oder? In Wirklichkeit wird Musik heute aber fast immer aus Einzelspuren zusammengebaut, die teilweise über Monate hinweg entstanden sind. Ein programmierter Klick hält das Ganze zusammen, und so klingt es am Ende im besten Fall wieder nach Musik. Man hört auf unserem neuen Album „Fasst euch ein Herz“ eine Band, die in genau dem Moment in einem wunderschönen Studio auf dem Lande steht und zusammenspielt, und ich finde, das macht den besonderen Charme der Platte aus. Auf den Alben davor war immer vieles erst im Studio entstanden, und die Hauptarbeit bestand dann darin, die vielen Teile zu einem Lied zusammenzusetzen.

Die Band hat jetzt einen Namen erhalten. Wie kommt‘s?

Felix: Ich hatte immer schon das Gefühl, dass die Band einen Namen bekommen sollte. Peter Hoffmann, der Produzent, der uns damals auf der Straße entdeckt hatte, wollte gerne, dass das Projekt Felix Meyer heißt. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich an den Gedanken gewöhnt habe, weil das Meyer doch relativ bodenständig klingt für einen Träumer. Ich fand eine Zeit lang Ben Harper ganz toll, und auf irgendeinem Album stand dann plötzlich „Ben Harper & The Innocent Criminals“. Claudius, unser Bassist, hat irgendwann vorgeschlagen „project île“ zu wählen. So hießen wir, als wir vor etwa 20 Jahren unsere ersten Straßenmusik-Touren durch Europa gemacht und viel am Strand geschlafen haben. Dieser Name gehört schon zu uns, und noch dazu ist er mit einer sehr schönen Zeit verbunden.

In erster Linie ging es uns damals darum, an schöne Orte zu fahren. Die lagen meistens am Wasser.

Du hast auch dieses Mal mit Gastmusikern zusammengearbeitet. Wer ist alles mit dabei?

Felix: Die Liedermacherin Cynthia Nickschas, mit der wir schon viel zusammen gemacht haben, hat beim Titelsong mitgesungen, und auch Konstantin Wecker singt bei der Radioversion von „Fasst euch ein Herz“ im Refrain mit uns. Ein Lied haben wir mit Norbert Leisegang, dem Sänger von Keimzeit, geschrieben. Den Text von Norbert und mir singt wiederum die Liedermacherin Sarah Lesch mit. Es hat sehr viel Spaß gemacht, mit diesen tollen Musikern zusammenzuarbeiten.

Im Titelsong singst du „Ich habe leise Lieder gegen die Einsamkeit, für die Liebe und die Melancholie und ein paar laute gegen Rechthaberei, Dummheit und Krieg, aber helfen tun die lauten leider nie.“ Machen dich Rechthaberei, Dummheit und Krieg so wütend?

Felix: : Vor allem die Vorstellung von Krieg macht mich wütend. Weil es ein schlechtes Ergebnis ist. Ich habe auch das Gefühl, dass die Regierungen wieder mehr damit kokettieren, sich in kriegerische Auseinandersetzungen einzumischen. So langsam scheint der letzte Krieg in Deutschland lange genug her zu sein, und die Angst und der Respekt davor scheinen zu sinken. Ich habe aber nicht die Illusion, dass ich da was gegen tun kann. Von großen Weltumsturz-Theorien halte ich nicht viel. Ich denke, dass man die Welt nur im Kleinen ändern kann. Es ist mir aber sehr wichtig, dass ich mich in meinen Texten nicht nur zum Thema Liebe positioniere, sondern auch zu gesellschaftspolitischen Themen und anderen Konflikten des Mensch-Seins Lieder schreibe. Was das angeht, fühle ich mich in der Liedermacherszene sehr wohl, weil hier in dieser Hinsicht alle sehr ähnlich ticken.

Im Lied „Nach der Mittelmäßigkeit“ singst du über Verhältnismäßigkeit. Achtest du darauf, dass du nicht im Übermaß lebst?

Felix: Es geht in diesem Lied um drei Fragen. Die nach der Verhältnismäßigkeit ist glaub ich die erste. Was kommt nach der Mittelmäßigkeit ist die zweite, und am Ende geht es darum, ob wir es als Menschheit schaffen können, uns angemessen um uns selber zu kümmern und niemanden verhungern zu lassen. Diese drei Fragen gehören für mich zusammen, und natürlich versuche ich auch selber darauf zu achten, nicht so viel zu wollen.

MV nimmst du bei deinen Tourneen in der Regel immer mit. Hast du hier viele Fans?

Felix: In Stralsund haben wir früher viel auf der Straße gespielt. Daher kennen uns da glaube ich auch viele Leute. In Rostock spielen wir ja wieder im Zirkus Fantasia. Da ist bei einem früheren Auftritt von uns mal der Strom ausgefallen. Das fand ich sehr romantisch, plötzlich im Dunkeln zu stehen (lacht). Ich fühl mich im Norden sehr wohl.

Du hast hier ja bei deiner Landstreicher-Tour mit Erik Manouz auch in sehr kleinen Dörfern gespielt. Wie war das?

Felix: Es waren teilweise bezaubernd schöne Dörfer, in denen wir gespielt haben. Ich erinnere mich zum Beispiel sehr gut an ein Konzert in der Dorfkirche von Lebbin, die nur mit Kerzen beleuchtet war. Das waren sehr besondere Momente. Gemacht haben Erik und ich diese Tour auch, weil wir gemerkt haben, dass wir uns in unserem eigenen Land eigentlich gar nicht so gut auskennen. Wir kannten zeitweise Frankreich, Italien oder den Balkan besser. In den vergangenen Jahren haben wir viel nachgeholt und sehr viele schöne Ecken dieses Landes bereist. Jetzt geht die Reise weiter.

Zwei Konzerte in MV

In Berlin ist Felix Meyer geboren worden (* 10. Dezember 1975) und lebt heute in Hamburg. Die ersten Konzerte hat er zusammen mit Erik Manouz auf der Straße auf Reisen gegeben. Zur Band projekt île gehören: Olaf Niebuhr (Gitarre, Banjo, Gesang), Erik Manouz (Gitarre, Percussion, Gesang), Johannes Bigge (Akkordeon, Piano), Claudius Tölke, (Kontrabass, Gesang), Johannes Sens (Schlagzeug, Percussion). Ihre erste Platte „Von Schweinen und Engeln“ erschien 2010, zwei Jahre später folgte „Erste Liebe, Letzter Tanz“ (Sony). Zuletzt erschien 2014 „Menschen des 21.

Jahrhunderts“, der jetzt „Fasst euch ein Herz“ folgt“.

Live: 28. April, Rostock, Zirkus Fantasia,

29. April, Stralsund, Alte Brauerei

http://felixmeyer.eu/

Von Interview von Nele Baumann

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