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Liedermacherin Dota Kehr: „Wir brauchen keine Grenzen!“

Liedermacherin Dota Kehr: „Wir brauchen keine Grenzen!“

Die Berliner Musikerin und ihre Band DOTA stellen am 29. April im Rostocker Peter-Weiss-Haus ihre aktuelle Platte „Keine Gefahr“ vor / Dem OZelot sagt Dota, warum sie gerne unabhängig ist

Gerade ist eure Platte erschienen und sie ist elektronischer als ihre Vorgänger. Wie kommt‘s?

 

OZ-Bild

Jonas Hauer (Keyboard und Akkordeon, v.l.), Dota Kehr, Janis Görlich (Schlagzeug), Jan Rohrbach (Gitarre)

Quelle: Annika Weinthal

Dota Kehr: Wir haben im live Programm zum letzten Album das erste mal mit der Kombination aus Drumcomputer und echtem Schlagzeug experimentiert und haben da einen Bandsound gefunden, der uns sehr gefallen hat und zu den neuen Stücken gut passte. Ich glaube, es sind sehr stimmige und interessante Arrangements dabei rausgekommen.

War das sehr ungewohnt für euch, mit elektronischen Elementen zu experimentieren?

Dota: Auf jeden Fall. Viele Impulse dazu kamen von unserem Schlagzeuger Janis Görlich. Aber es sind eben Klang-Elemente. Wir spielen keine elektronische Musik. Live setzen wir auch alles ohne Einspieler um.

Magst du denn elektronische Musik?

Dota: Ja, jetzt. Vor sechs bis sieben Jahren habe ich das überhaupt nicht gehört. Jetzt interessieren mich einige Künstler sehr. Es gibt ja nicht DIE eine elektronische Musik, sondern eine große Bandbreite von langweiligen bis sehr spannenden Sachen.

Wie haben die Fans darauf reagiert?

Dota: Teilweise überrascht. Aber es wurde sehr positiv aufgenommen. Von vielen Leuten haben wir gehört, dass sie es eine gut Weiterentwicklung der Band finden. Unsere Hörerschaft scheint sehr offen für Veränderung zu sein.

Du singst über alltägliche Themen, aber hast auch einen klaren Standpunkt zu politischen Themen, die du in deinen Songs anschneidest. Auf der aktuellen Platte etwa im Song „Grenzen“. Da forderst du einen Pass, wo nur „Erdenbewohner“ drinsteht. Findest du, man sollte Grenzen abschaffen?

Dota: Ja. Und ich wollte schon lange ein Stück zu dem Thema schreiben. 2012 habe ich mit dem Lied angefangen. Da war schon klar, dass es DAS Thema unserer Zeit ist. Ich wollte etwas dazu schreiben, was nicht durch und durch bedrückend ist. Wenn man sich das Leid der betroffenen Menschen vergegenwärtigt, ist das schwer zu ertragen. Der Refrain des Liedes hebt den Blick ein wenig in Richtung einer positiven Utopie. Es ist ja EIN Planet, auf dem wir leben. Wenn irgendwo Krieg herrscht oder die Lebensbedingungen so schlecht sind, dass man dort nicht leben kann, dann ist das ohnehin unser Problem — ganz einfach gesagt. Außerdem existieren ja gar keine Grenzen: für Kapital nicht und für Menschen mit dem „richtigen“ Pass auch nicht, mit dem passenden Visum könnten sie überall hinfahren. Der Song ist ein Plädoyer gegen Nationalismus und passt wohl gut in unsere Zeit.

Im Song „Vergiftet“ singst du: „Bringt mich von hier fort, alles, alles ist vergiftet“. In was für einer Situation hast du den geschrieben?

Dota: In einer Phase großer Nervosität. Es geht in dem Lied um die echte und die eingebildete Bedrohung durch Umweltgifte und wie Menschen darauf reagieren. Man kann oft kaum noch unterscheiden, was gefährlich ist und was nur Paranoia. Und wie diese Grenze verschwimmt, fand ich interessant.

Wie gehst du damit um?

Dota: Ich reagiere nicht so panisch. Ich kann auch einen Apfel essen, ohne ihn zu waschen (lacht). Aber ich fand‘s ein gutes Thema für ein Lied und es beschäftigt mich auch.

Deine Songs leben vor allem auch von ihren Texten. Wie läuft das bei dir mit dem Texten: Setzt du dich konsequent vor den Schreibtisch oder entstehen sie unterwegs?

Dota: Ich notiere immer mal wieder irgendeine Idee, eine Formulierung oder ein Wortspiel. Damit da ein Lied draus wird, muss ich mich aber so richtig konzentriert dransetzen. Da brauche ich auch mindestens drei Tage am Stück, an denen ich gar nichts anderes mache. Skizzen machen ist einfach, einen Song abzuschließen dagegen echt schwierig. Da muss man sich dann entscheiden und Ideen aussortieren — das kann ganz schön schwerfallen.

Deine Band hieß früher „Die Stadtpiraten“. Mit den Musikern spielst du immer noch zusammen, aber der Name taucht nicht mehr auf. Warum?

Dota: Der Gitarrist hat schon ganz lange gesagt, dass wir uns nur noch Dota nennen sollten. Ich fand's komisch, weil es halt auch mein Vorname ist. Wir fanden aber immer alle, dass „Die Stadtpiraten“ zu kindertheatermäßig klingt. Ich war immer zögerlich, hab's dann aber irgendwo in einem Festivalprogramm gelesen und dachte, dass Dota okay ist als Bandname.

Auf der aktuellen Platte spielen auch Gastmusiker mit. Sind das Freunde?

Dota: Freunde und Bekannte. Der Gitarrist Alex Binder zum Beispiel ist ein Freund. Ich kenne ihn, weil er Gitarrist bei Max Prosa ist, mit dem ich eng befreundet bin. Mit den Bläsern hat unser Schlagzeuger in Berlin Jazz studiert.

Du hast mit deiner Band ein eigenes Label gegründet. Angebote von großen Labels hast du bereits abgelehnt — oder? Warum?

Dota: Einfach so. Es läuft ja gut und ich weiß nicht, warum ich das ändern sollte. Ich gebe gerne einen Teil der Arbeit in kompetente Hände, aber wenn das bei einer riesigen Firma landet — da habe ich kein gutes Gefühl bei. Ich mache die organisatorische Labelarbeitauch ganz gerne und sehe es als Abwechslung. Wichtige Entscheidungen, zum Beispiel wie das Cover aussehen soll, muss man eh selber treffen.

Du lebst in Berlin, singst über Berlin. Kannst du dir vorstellen, mal woanders zu leben? Wo?

Dota: Auf jeden Fall. Ich bin in Berlin geboren, hier aufgewachsen und der Hype um die Stadt ist total übertrieben. Es würde mich total interessieren, wie es sich anfühlt, mal woanders zu leben.

Wo zum Beispiel?

Dota: Da kommen verschiedenen Städte in Frage. Rostock ist doch ganz attraktiv. Mein Bruder hat da lange gewohnt und wir haben auch schon oft dort gespielt.

„Keine Gefahr“ in den Top 20 der Charts

Dorothea („Dota“) Kehr (* 14. September 1979 in Berlin) hat 2003 mit Sebastian Vogel (Bass 2003 bis 2007), Jan Rohrbach (Gitarre) und Janis Görlich (Schlagzeug) die Band „Die Kleingeldprinzessin und die Stadtpiraten“ gegründet. Sebastian Vogel ist inzwischen nicht mehr dabei, Jonas Hauer spielt seit 2013 Keyboard und Akkordeon. Die Berliner nennen sich als Band inzwischen nur noch schlicht DOTA. Zu Beginn ihrer Karriere spielten sie viel bei alternativen Musikveranstaltungen u.a. in der Besetzerszene.

Ihre erste Platte „Kleingeldprinzessin“ brachten die Berliner 2003 heraus. Ihre aktuelle Platte „Keine Gefahr“ ist ihre neunte und bisher erfolgreichste, was die Platzierung in den Charts betrifft (Platz 14). Die Band macht Liedermachermusik mit Elementen aus Jazz und Bossa Nova.

Live: 29. April, Rostock, Peter-Weiss-Haus (Doberaner Straße 21), Beginn: 18 Uhr, Karten: 15 / 12 Euro www.kleingeldprinzessin.de

Von Interview von Nele Baumann

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