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Mit traditionellen Kuttern um die Wette rudern

Mit traditionellen Kuttern um die Wette rudern

Früher transportierten die Kaufleute mit ihnen Lasten oder sie dienten als Kriegsfahrzeuge / Heute wird mit solchen Booten Sport betrieben / In Wismar startet am 4. Juni ein studentisches Kutter-Rennen

Starker Wind bläst am Wismarer Holzhafen und den jungen Leuten ins Gesicht. Tapfer tauchen sie die Riemen immer wieder ins Wasser, um den rund eine Tonne schweren Kutter fortzubewegen. „2,3 ... 2,3!“

Der Skipper Stefan Ewers (31) steht vorne im Boot und feuert das Team mit lauten Rufen an. „Richtig durchziehen!“

Für einige im Boot ist es das erste Training in diesem Jahr. Da am Sonnabend gleich ein Wettkampf ansteht, gilt es noch so viel wie möglich vorher zu trainieren. Eine Stunde lang manövrieren sie vor der malerischen Kulisse des Holzhafens. Die Anstrengung ist ihnen vom Gesicht abzulesen. Nicht immer gelingt es, den Gleichtakt zu halten.

750 Meter müssen die Teams am 4. Juni zurücklegen. Das klingt wenig. Wer aber einmal einen so schweren Kutter vorwärtsbewegt hat, der weiß, dass es sich wie eine sehr lange Strecke anfühlen kann.

„Wenn wir beim Rennen dann so schnell fahren, wie es geht, stehen die Ruderer halb im Boot“, sagt Stefan nach dem Training. Er gehört zur „Schlauch“-Mannschaft, den Titelverteidigern. Beim Training würfeln sie die Teams in der Regel bunt durcheinander.

Grischa Meyn tritt für das Team „Block 17“ an. Der Block ist ein studentischer Verein, der das Rennen veranstaltet. „Es war wirklich anstrengend heute bei dem Wind“, sagt Grischa, als alle wieder festen Boden unter den Füßen haben. Seit etwa zweieinhalb Jahren rudert der angehende Bauingenieur im Kutter mit – und hat viel Spaß dabei. „So kaputt wie heute war ich nach dem Training aber schon lange nicht mehr.“ Teresa Cortrie (23) steht neben ihm und grinst. „Ich musste nur schreien“, sagt sie. Mit Stefan zusammen hat die Maschinenbau-Studentin heute die Skipper-Rolle eingenommen und als einziges Mädchen mit im Kutter gesessen. Seit vier Jahren ist sie inzwischen mit dabei. „Anfangs wusste ich nicht mal, wo Backbord und wo Steuerbord ist“, sagt sie. Inzwischen habe sie aber Routine entwickelt.

Was diesen Sport ausmacht? „Für mich ist es vor allem die Nähe zur Natur“, sagt Stefan. Ihm gefalle es, dem Salzwasser so nah wie möglich zu sein. „Ich gebe als Skipper auch immer die Anweisung, dass alle Telefone ausgeschaltet werden“, sagt er. So seien alle mehr bei der Sache. Seit 2006 betreibt Stefan „Kutterpullen“, so nennt sich die Sportart offiziell – und hat sich in all den Jahren auch viel Wissen über den skurril klingenden Sport angeeignet. „Kutter wurden früher unter anderem für Fracht- und Personenfahrten verwendet“, sagt er. „Die Boote, die wir fahren, sind den alten Modellen nachempfunden, sind aber keine Originale.“ Die echten Fracht-, Rettungs-, Fischerei- und Kriegsboote seien früher noch um einiges schwerer gewesen. „Sie wogen etwa 1,5 Tonnen“. Den Sport „Kutterpullen“ gibt es seit etwa 1985. Die Marine, aber auch Seemannsschulen und nautische Vereine nutzen ihn gerne als Trainingseinheiten. „Hier in MV kennen den Sport leider nicht so viele“, sagt Sebastian Schmitt. Der 36-Jährige ist Geschäftsführer des Vereins „Block 17“ und organisiert das studentische Kutter-Rennen, zu dem am Sonnabend zum 22. Mal der Startschuss fällt. Sebastian freut sich, dass 12 Teams in diesem Jahr mit dabei sind. Neben Mannschaften aus MV fährt auch eines aus Dresden mit. „Das ist immer eine sehr lustige Veranstaltung“, sagt Sebastian, der wahrscheinlich auch selbst mitrudert. Vielleicht, sagt er mit einem Grinsen, komme es ja auch wieder zu dem glücklichen Zufall, dass ein Ausbildungsschiff der russischen Marine im Hafen liege. „Vor ein paar Jahren war das tatsächlich mal der Fall und die Soldaten haben alle mitgepullt.“ Sehr harte Konkurrenz sei das gewesen.

Einer der Favoriten ist in diesem Jahr wieder das „Schlauch“-Team. „Die trainieren viel häufiger als unser Team und rudern in einer ganz anderen Liga“, sagt Sebastian. Aber schließlich komme es beim Sport vor allem auf den Spaß an und den habe sein Team bisher bei allen Rennen gehabt. Sebastian hofft, dass viele Zuschauer kommen werden.

Nele Baumann

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