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Recycling von Weltraumschrott? Junge Forscher mit nachhaltigen Ideen

Wettbewerb „Jugend forscht“: Diese jungen Leute aus MV haben mitgemacht! Recycling von Weltraumschrott? Junge Forscher mit nachhaltigen Ideen

68 Jugendliche aus MV zwischen 10 und 21 Jahren haben in diesem Jahr beim Wettbewerb „Jugend forscht“ mitgemacht / Gestern wählte eine Fachjury in Rostock die Sieger

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Wohin mit dem Weltraumschrott? Wirkt der Schleim von Schnecken tatsächlich gegen Falten? Solche und ähnliche Fragen haben sich in diesem Jahr 68 Nachwuchs-Forscher aus MV gestellt, die unter dem Motto „Neues kommt von Neugier“ bei dem Wettbewerb „Jugend forscht“ angetreten sind. Wie neugierig sie waren und wie viel Neues dabei entstanden ist, das zeigten die Jugendlichen gestern in der Rostocker Stadthalle. „Ich bin von der Kreativität und dem Engagement der Jungforscher beeindruckt“, sagte Wettbewerbsleiter Frank Mehlhaff. Die Jury wählte gestern die Gewinner, die im Mai zum Bundesfinale nach Paderborn (Nordrhein-Westfalen) fahren.

OZ-Bild

68 Jugendliche aus MV zwischen 10 und 21 Jahren haben in diesem Jahr beim Wettbewerb „Jugend forscht“ mitgemacht / Gestern wählte eine Fachjury in Rostock die Sieger

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Viele Schüler haben sich in diesem Jahr Themen aus der Geo- und Raumwissenschaften vorgenommen. An einem der im wahrsten Sinne des Wortes abgehobensten, hochaktuellen Projekt arbeiten zum Beispiel Nils Pehl und Malte Fink (beide 17) vom Rostocker Gymnasium Reutershagen. Sie haben sich mit Weltraumschrott befasst und sich Gedanken gemacht, wie es gelingen kann, Müll aus dem All zu entfernen oder Raketen wieder einsatzfähig zu machen. „Es gibt so viel Müll im All, darunter auch viele kleine Teile wie Schrauben. Das ist nicht nur verschwenderisch, sondern auch gefährlich“, sagt Malte. Mit mehr als 20000 Kilometern pro Stunde rasen die kleinen Teile durch den Orbit — und werden so zu regelrechten Geschossen. „Schon mehrmals musste die Internationale Raumstation ISS ihnen ausweichen“, sagt Malte. „Die Raumfahrt ist deswegen bereits ins Stocken geraten.“ Neben kleinen Teilen kreisen auch größere, wie Satelliten oder Raketen, um die Erde herum. Nur selten landet eines wieder auf der Erde, meistens verglühen die Teile bei ihrem Eintritt in die Erdatmosphäre.

Was aber tun mit all dem Schrott? Malte und Nils haben ihre Ideen zusammen mit dem Forschungszentrum für Luft- und Raumfahrt in Warnemünde erarbeitet. „Unter anderem prüfen wir, ob es möglich ist, so etwas wie eine Tankstelle für Raketen im All einzurichten“, sagt Nils. Eine weitere Idee ist eine Art Weltraum-Werft. Hier könnte man etwa Komponenten von Satelliten ausbauen und wiederverwenden.

„Die Computer zum Beispiel könnte man super gebrauchen“, sagt Malte. Das Problem ist, dass eine Weltraum-Werft nur gebaut werden kann, wenn der Müll nicht mehr da ist. „Er würde sie zu sehr beschäden“, erklärt Nils. Einen Ansatz, wie sie den Müll vielleicht entfernen könnten, haben die beiden Nachwuchsforscher sich auch schon überlegt. „Eine Flüssigkeit könnte ihn aufsammeln“, sagt Malte. Die beiden sind mit Leidenschaft bei der Sache und haben eine Last zu tragen, mit der auch professionelle Wissenschaftler oft zu kämpfen haben. „Wenn wir einen Schritt weiterkommen, eröffnen sich plötzlich oft neue Probleme. Das scheint unendlich so weiterzugehen“, sagt Malte und lächelt.

Dieses Problem kennt auch ihr Mitschüler Wolfgang Böttcher. Ihm allerdings ist es gelungen, viele Fragen zu beantworten und für ein spezifisches Problem eine Lösung zu finden. Er hat das Prinzip des sogenannten „Smart Home“ erfolgreich auf ein Konferenz-Zimmer übertragen — und überzeugte damit auch die Fachjury, die ihn mit einem 1. Platz belohnte.

Der 17-Jährige hat die Sensoren für Heizung, Klima und Strom mit einem Kalendersystem von Mitarbeitern vernetzt. So ist das Zimmer nur 18 Grad warm, wenn es nicht benutzt wird und heizt auf 20 Grad hoch, wenn eine Konferenz ansteht. „Mit dem System ist es mir gelungen, bei den Heizkosten 48 Prozent der vorherigen Kosten einzusparen und bei den Stromkosten sogar 66 Prozent“ sagt Wolfgang und Stolz schwingt in seiner Stimme mit. Die Firma Rostock-System-Technik testet das Prinzip jetzt ein halbes Jahr aus.

Die Testphase ihres Projekts bereits abgeschlossen haben die Warener Schülerinnen Lara Sophie Goetz und Michelle Bruhn. Die beiden Zwölftklässlerinnen haben getestet, ob Schneckenschleim die Bildung von Falten reduziert. Ihr Ergebnis: „Gegen Falten hilft es nicht, aber gegen Akne“, sagt Lara Sophie. Zehn Wochen lang haben Versuchspersonen sich Schnecken übers Gesicht kriechen lassen oder sich mit Cremes eingerieben, die angeblich gegen Falten helfen sollen. „Wir haben herausgefunden, dass der Schleim, den die Schnecken unter Stress produzieren, antibakteriell wirkt“, sagt Lara Sophie.

Dadurch gehe auch Akne zurück.

Bei Versuchspersonen über 40 Jahren zeigte der Schleim allerdings keine positive Wirkung im Hinblick auf Falten. Die Schnecken haben die beiden Mädchen im Garten gesammelt und sie nach dem Experiment wieder freigelassen. Auch wenn der Schleim nicht gegen Falten hilft — Lara war erstaunt, wie gut er der Haut tut. „Ich habe mit trockener Haut zu kämpfen und das hat der Schleim auch verbessert“, sagt sie. „Ein bisschen eklig und eine Überwindung war es aber schon, die Schnecken über die Haut kriechen zu lassen.“ Die 17-jährige Lara Sophie will später gerne Lehrerin werden und dann selbst „Jugend forscht“-Projekte leiten.

Die Gewinner von „Jugend forscht“ 2016 in MV

37 Projekte haben 68 Nachwuchs-

Wissenschaftler aus MV in den vergangenen zwei Tagen in der Rostocker Stadthalle vorgestellt (2015: 107). Sieben der Projekte stammten von sehr jungen Teilnehmern, die beim Parallelwettbewerb „Schüler experimentieren“ an den Start gingen. Jeder zweite der Teilnehmer ist Rostocker, 90 Prozent besuchen ein Gymnasium.

Gewonnen haben:

Fachgebiet Arbeitswelt

„Sprachanalyse — ein Wegbereiter für die berufliche Zukunft?“, Hanna Meinhardt (Musikgymnasium Käthe Kollwitz Rostock), Malin Kotyra (Goethe-Gymnasium Schwerin) Fachgebiet Chemie

„Bildung von Benzol aus Natriumbenzoat in Lebensmitteln“, Jan Rosenboom (Universität Rostock) Fachgebiet Geo- und

Raumwissenschaften

„Eigenschwingungen der Warnow“,

David Knott, Julian Landgraf, Felix Weindok (Musikgymnasium Käthe Kollwitz Rostock) Beste interdisziplinäre Arbeit

„Berechnung von Masse-Radius-Relationen und Modellierung des inneren Aufbaus erdähnlicher Exoplaneten“, Tuan Tung Nguyen (Innerstädtisches Gymnasium Rostock) Fachgebiet Physik

„Spannungsoptik in der Medizin“,

Vincent Stirnweiß, Arne Röhner, Fabian Collin (Innerstädtisches Gymnasium Rostock)

Fachgebiet Technik

„DynamicH - Automatisierung von Konferenzräumen“, Wolfgang Böttcher (Gymnasium Reutershagen Rostock)

Die Gewinner fahren vom 26. bis zum 29. Mai zum Bundesfinale „Jugend forscht“ nach Paderborn.

• Online: www.jugend-forscht-mv.de

Von Nele Baumann

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