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Rostock und Indien: Musiker improvisieren interkulturell

Rostock und Indien: Musiker improvisieren interkulturell

Die Rostocker Christian Kuzio und Ronny Bruch, in MV bekannt als „Die Reise“, treten im Gharana Projekt mit zwei indischen Musikern in den Dialog / Morgen spielen sie in der Heiligen-Geist-Kirche Rostock

 

Vor einigen Jahren standen sie bereits mit dem Tabla-Spieler Swapan Bhattacharya im Rostocker Cirkus Fantasia auf der Bühne. Nach einer längeren Pause gibt Die Reise jetzt mit Swapan und dem Sänger Koushik Bhattacharjee wieder ein Konzert als Gharana Projekt.

Wie hat es sich ergeben, dass ihr beim Gharana Projekt mitmacht?

Christian Kuzio: Wir haben Swapan Bhattacharya vor ein paar Jahren über einen Freund, den Toningeninieur Danny Deutschmann, kennengelernt. Ronny und ich haben dann mit ihm zusammen auf einer Party gespielt. Unsere Musik passte erstaunlich gut zusammen, weil die genau wie wir viel improvisieren. Ronnys und meine Musik liegt ja vom Sound her irgendwo zwischen rhythmusbetonter Rockmusik und elektronischer Musik – sehr minimalistisch. Das indische Instrument Tabla ist ja auch ein Rhythmusinstrument, deshalb passte das ganz gut zusammen.

Swapan lebt in Indien?

Christian: Inzwischen wieder. Er hat aber über zehn Jahre in Deutschland gelebt, in Hamburg und hatte dort eine Percussionschule. Obwohl er jetzt wieder in Indien lebt, kommt er regelmäßig her zum Spielen und pflegt seine Kontakte. Über Swapan haben wir auch immer wieder neue Leute kennengelernt und neue Instrumente – eine Sitarspielerin etwa und jemanden, der Sarod spielt. Das ist ein Saiteninstrument, das einer Gitarre ähnelt, aber keine Bünde hat.

Habt ihr mal ausprobiert, diese Instrumente zu spielen?

Christian: Nein (lacht). Da würde ja nichts rauskommen. Das sind sehr lapprige dünne Saiten. Ich hab’ auch viel zu viel Respekt davor. Ich würde mich auch nicht an irgendein Schlagzeug setzen.Wenn man weiß, wie ein Instrument klingt, traut man sich da gar nicht ran. So einen Klang würde man da eh nicht rauskriegen.

Beim Auftritt morgen ist neben Swapan auch noch der Sänger Koushik Bhattacharya mit dabei.

Christian: Das ist wieder etwas ganz Neues für uns. Der indische Gesang ist ja sehr rhythmisch und die Sänger nutzen die Stimme eigentlich wie ein Instrument – ähnlich wie beim Rap. Sie singen weniger Texte, sondern Silben.

War es zu Beginn sehr schwer, sich aufeinander einzustimmen? Wie waren die ersten Proben?

Ronny Bruch: Die indische Musik hat in vielen Punkten einen ganz anderen Ansatz als die deutsche. Gefühlt ist die endlos, mit einem immerfort schlagenden Puls – wie eine intensive treibende Meditation. Das ist natürlich eine Herausforderung, sich darauf einzustellen, aber es hat gleich beim ersten Mal besser geklappt, als wir es gedacht hätten. Klar haben die Anfänge und Schlüsse nicht so richtig gepasst, aber im Großen und Ganzen fühlte es sich direkt gut an.

Passen die beiden indischen Musiker sich denn auch euch an oder ist es eher so, dass ihr ihre Musik ergänzt und sie vorgeben, wie’s laufen soll?

Christian: Anfangs war es so, dass wir mehr begleitet haben. Das hat sich aber inzwischen geändert. Wir stellen uns alle aufeinander ein. Wir spielen sensibler als sonst, zu zweit würden wir mehr rocken, und auch die Inder spielen anders, wenn wir zusammen improvisieren. Wir haben eine gemeinsame Schnittmenge gefunden – zwischen Punk und indischer Klassik.

Es ist noch ein fünfter Mann mit dabei: Der Jazz-Schlagzeuger Roman Dippong. Wer hat den mit ins Boot geholt?

Christian: Er ist ein ehemaliger Schüler von Swapan und hat die beiden mal gefahren, als wir uns im Sommer getroffen haben. Zufällig hatte er eine Cajon mit dabei, hat mitgespielt und es hat direkt gepasst.

Probt ihr eigentlich auch oder ist das in eurem Fall überflüssig?

Christian: Wir spielen miteinander, um uns aufeinander einzustellen. Darum geht es – zu wissen, was man machen kann und was nicht, ein Gefühl dafür zu entwickeln. Im Sommer haben wir uns getroffen und intensiv gejammt, da haben wir auch musikalische Themen entwickelt, die wir bei unserem Auftritt in Rostock umsetzen wollen.

Wer gibt denn bei solchen Impro-Konzerten vor, wann ein Thema endet?

Ronny: Bei den Proben war es meistens der Sänger Koushik. Bei der indischen Musik ist es ja auch so, dass es immer ähnlich aufgebaut ist. Es beginnt sehr langsam, indem ein einzelner Spieler beginnt. Dann kommen langsam die Rhythmusinstrumente hinzu und es steigert sich immer mehr, bis es in einem wilden schnellen Finale endet.

Wie bekannt sind Koushik Battacharjee und Swapan Bhattacharya in ihrer Heimat?

Christian: Innerhalb ihrer Nische der klassischen indischen Musik haben sie sich einen Namen dort gemacht. Es ist ja uralte Musik, dagegen ist der Jazz ja total jung.

Ronny: Indische Musik wird derzeit auf der ganzen Welt beliebter. Auch viele Rockbands sagen, dass sie sich von indischer Klassik inspirieren lassen. Leider sind wir noch nicht in Indien aufgetreten und waren auch noch nie da. Wir hoffen aber, dass das noch passieren wird. Es wäre schon spannend.

Interview von Nele Baumann

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