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Schreiben bringt Glück

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Der Schweizer Flurin Jecker liest am 12. Dezember in Rostock aus seinem Jugendroman „Lanz“

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Flurin, dein Roman „Lanz“ ist aus der Sicht eines jugendlichen Schülers geschrieben. Lanz steckt mit 14 Jahren mitten in der Pubertät und hat so seine Schwierigkeiten, klarzukommen im Leben. Das Buch ist in Form eines Blogs geschrieben und handelt gleichzeitig davon, dass Lanz in der Schule einen Blog schreiben soll. Was hat dich bewogen, die Geschichte in dieser Form zu schreiben?

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Der Schweizer Flurin Jecker liest am 12. Dezember in Rostock aus seinem Jugendroman „Lanz“

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Live in Rostock

Flurin Jecker, 1990 in Bern geboren, studierte Literarisches Schreiben. Jecker gibt Workshops in Kreativem Schreiben und lebt als freier Schriftsteller in Bern.

Lesung und Gespräch: 12. Dezember, Literaturhaus, 19.30 Uhr

Flurin Jecker: Lanz hat vieles zu erzählen, und er möchte, dass ihm zugehört wird. Gleichzeitig will er nicht, dass irgendwer seinen Blog, seine Gedanken kennt. Dieser Gegensatz ist ein zentraler Punkt seines Leidens. Und da drängte sich die Form eines Blogs auf.

Die Sprache von Lanz ist sehr jugendlich und speziell. Er „schaut sozzial“ oder er ist „depro“. Hat dir jemand geholfen, solche Begriffe zu sammeln? Verwendest du sie selber? Wie bist du bei der Recherche vorgegangen?

Lanz hat mir geholfen, niemand sonst. Es ging darum, herauszufinden, wie er spricht. Herausgekommen ist eine Kunstsprache, nicht meine Sprache.

Lanz schreibt sehr gerne, hat aber Hemmungen, etwas vorzulesen. Du reflektierst so das Thema „Schreiben“ in mehrfacher Hinsicht.  Du selbst weißt auch, dass du für die Öffentlichkeit schreibst, trotzdem hat jeder Text auch viel Persönliches. Musst du dich überwinden, deine Texte vorzulesen?

Nein, ein Buch ist etwas Fertiges, Abgeschlossenes. Das fertige Buch hat nicht mehr viel mit mir als Privatperson zu tun. Aber tatsächlich ist jeder Text etwas Persönliches, und man steckt während des Schreibens im selben Zwist wie Lanz: Man will, dass alle den Text lesen – aber möglichst niemand, den es wirklich gibt.

Lanz will lieber einem Mädchen schreiben, als mit ihr Sex zu haben. Das zeigt, welchen hohen und intimen Stellenwert das Schreiben für ihn hat. Gleichzeitig drängt ihn sein Lehrer, etwas vorzulesen.

Warum hast du dem Lehrer so ein negatives Image verpasst?

Das ist eine treffende Analyse. Ich glaube aber nicht, dass Herr Gilgen ein schlechter Lehrer ist. Lanz glaubt das, und da Lanz der Erzähler ist, glaubt man das vielleicht auch als Leser. Dass der Lehrer möchte, dass Lanz etwas vorliest, hat mit dem Konstrukt Schule zu tun. Für Lanz ist das Vorlesen aber tatsächlich das Letzte, was er zulassen würde.

Wie lange hast du gebraucht, um „Lanz“ zu schreiben?

Insgesamt hat es eineinhalb Jahre gedauert, bis der Roman fertig war.

Wie gehst du beim Schreiben vor? Hast du vorher alles genau im Kopf oder entwickelt sich die Handlung eigentlich erst beim Schreiben?

Bei mir entwickelt sich alles beim Schreiben. Entsprechend viel Text entsteht also, bis ich herausgefunden habe, was ich wirklich schreiben muss.

An einer Stelle in deinem Roman heißt es: „Das Lustigste am Blog ist, dass ich immer erst merke, wie dumm ich bin, wenn ich lese, was ich mir so überlegt habe“. Wie war es für dich, „Lanz“ zu lesen, als du ihn das erste Mal „runtergeschrieben“ hattest, ohne Korrekturstufe?

Während des Schreibens korrigiert man ständig. Ich glaube nicht, dass irgendwer ein Buch zu Ende schreibt, ohne zu überarbeiten. Die Überraschung geschieht aber durchaus: wenn man einfach mal losschreibt, ohne etwas zu wollen.

In Rostock haben Studenten der Germanistik die Vorlesung mit organisiert. Du hast erst Biologie und dann Literarisches Schreiben studiert. Hat dir das Studium geholfen, das Schreibhandwerk beziehungsweise die Schreibkunst zu erlernen? Was würdest du jungen Menschen raten, die davon träumen, Schriftsteller zu werden?

Das Studium am Schweizerischen Literaturinstitut hilft einem nicht, das Handwerk des Schreibens zu erlernen, weil die Kunst genau da anfängt, wo das Handwerk aufhört. Das Studium gibt einem Mut, das zu wagen, das man sich vielleicht ohne Unterstützung nicht wagen würde. Wer schreiben will, sollte lesen und schreiben. Und zwar viel.

Du bist freier Schriftsteller. Was sind die Vor-, was die Nachteile dieses Jobs?

Ich kann zu einem großen Teil das machen, was mich glücklich macht, eben schreiben. Andererseits reist man viel herum und beantwortet oftmals die gleichen Fragen (lacht).

Du lebst in der Schweiz. Warst du schon mal hier an der Ostsee und kennst die Gegend?

Nein, ich kenne die Ostsee und Rostock gar nicht. Ich fahre aber regelmäßig nach Berlin und schreibe dort. So wie gerade jetzt. Zumindest geografisch ist das ja ganz in der Nähe.

Interview von Nele Baumann

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