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Sonne, Strand und Selfies: Nicht alle freuen sich darüber!

Machen Selbstportraits unzufrieden? Neue Studie erschienen Sonne, Strand und Selfies: Nicht alle freuen sich darüber!

Aus dem Urlaub oder vom Konzert: Ein Selfie zu versenden ist da für viele Pflicht / Die Empfänger kann das unglücklich machen / Viele Promis sind genervt

W er etwas Besonderes unternimmt, im warmen Süden Urlaub macht oder in den Bergen klettert, verschickt heute in der Regel ein Bild von sich und seinen Freunden. Alle lachen auf so einem Bild, die Sonne scheint und alles sieht so ähnlich aus wie auf Werbefotos von Reiseunternehmen. Die, die im regnerischen Deutschland die Selfies über die sozialen Netzwerke erhalten, freuen sich mit den Urlaubern. Es wird ihnen aber gleichzeitig vielleicht auch bewusst, dass ihr Leben gerade nicht so fröhlich und unbeschwert ist.

Was lösen Selfies bei denen aus, die sie erhalten? Das haben Wissenschaftler der Universität von Pennsylvania untersucht. Ihr Ergebnis: Häufiges Betrachten von Selfies auf Facebook und Co, ohne sich dazu zu äußern, könnte mit einem niedrigen Selbstwertgefühl und Unzufriedenheit, das eigene Leben betreffend, zusammenhängen.

Passives Nutzerverhalten macht unglücklich Die meisten Studien zu Social Media konzentrieren sich darauf, warum jemand welche Aktionen auf den Plattformen tätigt. „Wir jedoch konzentrieren uns in dieser Studie auf die Effekte des passiven Nutzerverhaltens“, sagt Studienautor Ruoxu Wang. Das Ergebnis: Je häufiger jemand nur seine oder Selfies von anderen ansieht, ohne sie zu kommentieren, desto mehr leidet derjenige an einem niedrigen Selbstbewusstsein und einer niedrigen Lebenszufriedenheit.

„Für gewöhnlich posten Menschen Selfies, wenn sie glücklich sind oder Spaß haben“, sagt Wang. „Das macht es einfacher für jemanden, der diese Bilder sieht, zu glauben, dass sein Leben im Vergleich nicht so toll ist.“

Aktive Nutzer positiv beeinflusst

Die Studienteilnehmer, die selbst ein großes Verlangen danach haben, sehr populär zu sein, waren vom Betrachten der Selfies und Groupies noch stärker beeinflusst, jedoch auf positive Art und Weise.

Laut den Forschern ließ das Ansehen von Selfies und Groupies deren Selbstbewusstsein steigen. Sehr wahrscheinlich auch deswegen, weil diese Aktivität das Verlangen befriedigte, populär zu erscheinen.

Wang hofft nun, dass diese Arbeit das Bewusstsein über Social Media und deren Nutzung stärkt. „Wir denken selten daran, dass das, was wir posten, auch einen Effekt auf andere Menschen hat“, sagt der Studienautor. Er glaubt, dass ihre Studie dazu beitragen kann, den Menschen die Konsequenzen ihres Posting-Verhaltens verständlich zu machen. „Diese Erkenntnis kann für psychologische Betreuer, die mit Studenten arbeiten, die sich einsam und unerwünscht fühlen, sehr hilfreich sein“, so Wang abschließend.

Promis sind genervt

Richtig genervt von Selfies sind heutzutage Promis. Manche wissen gar nicht mehr, wie sie damit umgehen sollen, dass Fans ständig Bilder von sich und ihrem Idol machen wollen. „Dieser Selfie-Wahnsinn heute geht mir dermaßen auf den Geist. Ich finde es traurig“, sagt Sänger Andreas Bourani (32). „Wenn ich Leuten begegne, haben sie überhaupt kein Interesse daran, mit mir zu reden und mich kennenzulernen. Dann hätte ich auch was von der Begegnung. Ich bin sehr an Menschen interessiert, an den Geschichten, was sie erlebt haben, woher sie kommen. Aber die Leute wollen sich nur noch mit mir zeigen, um es dann anderen zu zeigen.“

Der Star-Schnappschuss als Statussymbol. Früher fragten Fans ihre Idole nach einem Autogramm, konnten dabei Nettigkeiten austauschen. Der Selfie-Jäger hingegen ist damit beschäftigt, sein Smartphone zu entsperren und die Kamera richtig zu bedienen. „Mist, noch eins.“ „Ich habe keinen Speicherplatz mehr.“ Probleme, die manch Prominenten auf die Palme bringen.

„Das Schlimme daran ist: Es ist gar nicht auf meine Person bezogen. Wenn ich ein anderer Prominenter wäre, dann würden sie auch ein Foto mit mir machen wollen. Das nervt wirklich sehr“, gibt der Augsburger Bourani offen zu.

Justin Bieber fühlt sich

wie ein Tier im Zoo

Teenie-Star Justin Bieber (22) hat die Nase voll, für Fotos mit Fans auf der Straße zu posieren. „Ich fühle mich wie ein Tier im Zoo“, schrieb Justin auf Instagram. „Ich schulde niemandem ein Foto.“

Das sitzt. Den Plattenverkäufen schadet das im Fall Bieber aber wohl nicht. Auch seine Konzerte sind ausverkauft.

Spätestens dort – von der Bühne aus – sieht er sie dann wieder vor sich: die Smartphones, die dunkle Konzerthallen mit ihren Kameras erleuchten. Denn auch dort darf das Selfie nicht fehlen.

„Man guckt ja nur noch in diese Lichter und sieht gar keine Gesichter mehr. Ich verstehe nicht, warum man nicht den Moment genießen kann“, ereifert sich der „The Voice of Germany“-Coach Bourani. Er wolle die neue Technik nicht „verteufeln“ und sei selbst in sozialen Netzwerken aktiv. „Aber man muss es als Werkzeug betrachten, es darf einen nicht übermannen oder Kommunikation zwischen Menschen ersetzen.“

Nele Baumann und Thomas Bremser

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