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Tragbare Musikdinosaurier: Walk- und Discman noch nicht verschwunden

Gibt es noch Walkmans? Der OZelot setzt die Serie „Was wurde aus?“ fort Tragbare Musikdinosaurier: Walk- und Discman noch nicht verschwunden

Der Walkman machte einst das Musikhören mobil / Die portablen Audio-Geräte sind für Nostalgiker immer noch erhältlich / Sony erinnert mit Modell-Namen an Ursprung der Technik

S eine Lieblingsmusik überall und jederzeit hören: Was im Zeitalter von Smartphones und MP3-Playern mit bis zu 120 Gigabyte Speicherplatz eine Selbstverständlichkeit ist, war vor 37 Jahren noch eine Sensation.

Im Juli 1979 brachte das japanische Elektronik-Unternehmen Sony den ersten tragbaren Kassettenrecorder für die Hosentasche – den Walkman – auf den Markt. Zum ersten Mal konnte man unterwegs Musik hören, ohne ein schweres Gerät mit eingebautem Lautsprecher, wie beispielsweise einen Ghettoblaster, mit sich herumtragen zu müssen. Der blau-silberne TPS-L2 kostete 140 US-Dollar und wog 390 Gramm – zum Vergleich: Ein iPod shuffle wiegt 12,5 Gramm.

Dennoch war das ziegelsteingroße Gerät ein voller Erfolg: 30000 Exemplare wurden innerhalb von zwei Monaten verkauft. Und auch die Konkurrenz zog mit. Innerhalb von nur zwei Jahren gab es 50 ähnliche Geräte auf dem Markt. Fortan sah man in den U-Bahnen, Bussen und auf den Straßen der Weltmetropolen überall Leute mit schaumstoffumhüllten Bügelkopfhörern auf den Ohren. Und auch in Deutschland drehten die Musikfans den Sound auf Anschlag. 1995 gab das Umweltbundesamt sogar eine Studie heraus, nach der jeder vierte Jugendliche im Bundesgebiet durch das Walkman-Hören eine nachweisliche Hörschädigung habe.

Die Faszination am mobilen Musikhören ist bis heute geblieben, der Walkman konnte sich jedoch nicht durchsetzen. Kaum ein Jugendlicher weiß heute noch, dass eine Kassette zwei Seiten hat, geschweige denn, wie man mit einem Bleistift einen katastrophalen Bandsalat behebt. In vielen Haushalten sind Benjamin-Blümchen-Kassetten nur noch Staubfänger mit Kindheitserinnerungen.

Allein in Afrika und im Nahen Osten ist die Kassette als hitze- und staubunempfindliches Speichermedium weiter beliebt. In Deutschland wird sie seit 2013 gar nicht mehr hergestellt. Und auch Sony stellte 2010 die Produktion des Kassetten-Walkman ein. Erhältlich sind die mittlerweile etwas antiquitierten Geräte aber immer noch. Bei vielen Musikliebhabern schlummern sie noch in den Schubladen.

Auf Ebay finden sich zahlreiche Angebote für Walkmans unterschiedlichster Entwicklungs-Generationen.

Direkt im Fachgeschäft ist hingegen immer noch der Discman erhältlich. Das portable Gerät zum Abspielen von Compact Discs brachte ebenfalls Sony 1984 auf den Markt. Der D-50 hatte jedoch kein Anti-Schock – eine Funktion die Aussetzer beim Abspielen verhindert – und war dazu auch noch recht unhandlich. Heute gibt es hingegen Geräte verschiedenster Anbieter im Nostalgiedesign oder für Kinder, mit Titelprogrammierung, Hörbuchfunktion und Digital Bass Boost. Dennoch erwiesen sich CD’s als zu empfindlich für den Außer-Haus-Gebrauch, da sie schnell zerkratzten.

Um die Jahrtausendwende begann stattdessen der Siegeszug des digitalen Musikhörens: 1998 kamen die ersten MP3-Player auf den Markt. Darunter der Pontis MPlayer3, oder der Rio Diamond PMP300.

Letzterer hatte einen Speicher von 32 Megabyte, der durch eine zusätzliche Speicherkarte auf 64 Megabyte verdoppelt werden konnte – das entspricht in etwa einer Kapazität von 15 Liedern.

Der Nachfrage-Höhepunkt im deutschen MP3-Player-Geschäft wurde im Jahr 2005 mit 8,4 Millionen verkauften Geräten für insgesamt fast 700 Millionen Euro erreicht.

Der Trend ist seitdem rückläufig. Inzwischen sind die Player in anderen Geräten integriert. Smartphones, Notebooks, Tablet-Computer und Autoradios machen den MP3-Player im Alltag zunehmend überflüssig. Dennoch werden bis heute MP3-Player für Musikliebhaber mit einem Speicherplatz von bis zu 120 GB (das entspricht etwa 30000 Song beziehungsweise 2000 CDs) angeboten. Sie können Musik, Fotos oder Videos wiedergeben, sind WLAN- und Bluetoothfähig. Auf der IFA 2016 in Berlin hat Sony gar ein goldenes Gerät für 3300 Euro und damit den wohl teuersten MP3-Player der Welt vorgestellt. Das Unternehmen besinnt sich dabei immer noch auf die Anfänge der portablen Technologie: Sie vertreiben ihre aktuellen mobilen Audio-Geräte bis heute unter dem Titel „Walkman“.

Viel mit dem Kassettenspieler von damals haben diese jedoch nicht mehr gemein.

Lisa Fritsche

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