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Von Wegen Lisbeth: „Wir sind allerbeste Freunde“

Von Wegen Lisbeth: „Wir sind allerbeste Freunde“

Sie gehören bundesweit mit zu den aufregendsten jungen Indie-Pop-Bands / Am 16. September stellen die Berliner Mittzwanziger ihr Debütalbum „Grande“ im Rostocker Stadtpalast vor

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Teilen alle Geheimnisse miteinander: die Indie-Pop-Band Von Wegen Lisbeth aus Berlin.

Quelle: promo

Nicht nur die Musik, auch die Infrastruktur passt hier: Das Quintett ist bei Deutschlands größter Plattenfirma unter Vertrag, teilt sich das Management mit AnnenMayKantereit, war als Vorband von Element Of Crime unterwegs und empfängt an diesem Nachmittag im schicken Berlin-Kreuzberger Loftbüro der Booking- und PR-Firma. Entspannt kippeln Sänger Matthias „Matze“ Rohde und Bassist Julian Hölting mit ihren Stühlen am Tisch herum, drehen ein paar Zigaretten und machen sich erst mal schön ein Bierchen auf.

Jungs, ihr lasst euch trotz des Rummels um eure Band offenbar nicht aus der Ruhe bringen.

Julian: Nö, warum sollten wir auch? Natürlich wird uns Aufmerksamkeit entgegengebracht, aber wir machen uns nicht die Illusion, dass es jetzt so krass durch die Decke geht. Auf jeden Fall steckt kein Kalkül hinter dem, was wir tun. Wir haben immer die Musik gemacht, auf die wir Bock haben. Das ändert sich nicht, nur weil die Plattform jetzt eine breitere ist.

Matze: Das Geilste ist sowieso das Livespielen. Immer schon gewesen. Ich kenne kein schöneres Gefühl auf der Welt.

Euer Stil ist schwer zu beschreiben, ihr spielt auf einer Kinderharfe und einem alten Casio-Keyboard aus den Achtzigern, die Lieder klingen sehr verspielt. Wie seid ihr zu diesem Sound gekommen?

Matze: Was wir zusammen machen, das ist schon sehr eigen, wir leben da unsere ganz persönlichen Vorlieben aus. Ganz früher haben wir Punkrock gemacht, weil das am einfachsten war. Später haben wir uns dann mehr in Richtung Game-Boy-Mucke orientiert, weil wir das lustiger fanden. Wir haben zusammen gelernt, Musik zu machen und wären aufgeschmissen, wenn wir plötzlich in einer anderen Band spielen müssten. Das hier ist die Musik, die wir am liebsten mögen, gespielt von den Jungs, die sich am liebsten mögen.

Eure Freundschaft ist also sehr wichtig?

Julian: Die ist zentral. Es würde nicht funktionieren, wenn wir nicht allerbeste Freunde wären und so lange und so viel aufeinander gehangen haben, dass es absolut gar keine privaten Geheimnisse mehr gibt. Ich könnte mir nicht vorstellen, im Tourbus mit anderen Leuten als diesen vier Jungs zusammen zu sein.

Ihr seid nach dem Abi ins Ausland gegangen und studiert nebenher noch ein bisschen.

Matze: Aber wir sind keine Studentenband. Wir werden immer so bezeichnet, weil wir halt in dem Alter sind, so Mitte 20, und die meisten der Leute, die zu unseren Konzerten kommen, halt Studenten sind, aber weder haben wir uns an der Uni kennengelernt, noch singen wir über das, was so in unseren Vorlesungen passiert. Das Studentenleben hat also keinen Einfluss auf die Musik, zumal es momentan ziemlich auf Eis liegt.

Eure Songs sind recht lustig, angenehm unernst und lakonisch streut ihr manche Alltagsweisheit ein. Wo fallen dir deine Texte ein, Matze?

Matze: Das kann überall passieren. Zum Beispiel in der Kneipe. Oder in der Bahn, da hab ich das her. Die Zeile aus „Milchschaum“ – „wie schon Ricky Martin sagte, Buhrufe sind lauter als Applaus“ – habe ich zum Beispiel in diesem U-Bahn-TV aufgeschnappt.

In dem Song „Lina“ singst du: „Lina, ich will dein Sushi gar nicht sehen“. In „Chérie“ fällt ein iPhone „grazil“ in den Landwehrkanal. Habt ihr keine Lust auf soziale Medien?

Matze: Wir nutzen das natürlich auch, doch trotzdem nervt es oft. In „Lina“ geht es um dieses Komplimentesammeln, das im Internet viel leichter ist als im wirklichen Leben. Dieses ständige Am-Smartphone-Hängen geht mir tatsächlich auf den Sack. Ich bin ein Verfechter des guten, alten Unter-die-Leute-Gehens und kein Freund davon, stundenlang bei Facebook rumzuscrollen .

„Der Untergang des Abendlandes“ ist bei aller Witzigkeit eine Attacke auf die AfD und andere rechtspopulistische Auswüchse, und in „Komm mal rüber bitte“ thematisiert ihr Geldgeilheit und Karrieredruck der Mittzwanziger. Ein paar ernste Anliegen habt ihr also auch?

Julian: Schon, ja. Viele in unserem Alter machen sich nach der Schule total unentspannt viel zu viel Druck. Ein Praktikum nach dem anderen und mit Anfang 20 schon diese Angst ‚ Mensch, werde ich je einen Job kriegen? Wir sind nicht so. Uns ist erst mal egal, ob wir von der Musik leben können. Wir nehmen die Chance einfach wahr.

Wart ihr schon mal in MV?

Julian: Ja, vor einem Jahr haben wir im Rostocker Peter-Weiss-Haus gespielt. Es war ganz nice, wir waren nach dem Konzert auf einer Party, an viel mehr können wir uns allerdings nicht erinnern, was normalerweise dafür spricht, dass die Party ziemlich hochwertig war.

Worauf freut ihr euch da?

Matze: Bismarckhering.

In Rostock startet die Tour

Die fünf Berliner Matze (Gitarre/Gesang), Doz (Gitarre), Julian (Bass), Robert (Synthie) und Jules (Schlagzeug) kennen sich seit der Grundschule. Später sind alle aufs gleiche Gymnasium in Berlin-Steglitz gegangen. Mit der Musik begannen sie in der siebten Klasse. Als der Sportunterricht ausfiel, haben Matze und Julian im Keller ihr erstes Lied aufgenommen. „Mein Kieferorthopäde ist ein Henker“, hieß das.

Gegründet hat sich die Band Von Wegen Lisbeth offiziell 2012. Ihre Debüt-EP „Und Plötzlich Der Lachs“ kam 2014 heraus.

Live: 16. 09., Helgas Stadtpalast Beginn: 20 Uhr, Karten: 14 Euro (VVK)

Interview von Steffen Rüth

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