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„Vor uns der Morgen“: Öko-Festival vor altem Gutshaus

„Vor uns der Morgen“: Öko-Festival vor altem Gutshaus

Am 5. August startet in Hermannshagen bei Bützow ein neues Festival / Auf dem Programm steht neben Musik auch Kultur mit Kino und einer Lesung / Vorab dürfen Gäste bei einer Bauwoche mit anpacken

Schafe blöken, ein Kuckuck ruft und ein Hund läuft über den Hof auf ein altes Gutshaus zu. Das baufällige Gebäude ist nicht bewohnbar, aber es wirkt trotzdem nicht tot wie andere Ruinen. Es prägt diesen idyllisch wirkenden Ort, der mit sichtlich viel Liebe gestaltet wurde. „Mosterei“ steht an einer Außenwand, ein Stück daneben ist eine zur Bank umgestaltete alte Wanne zu sehen. Vor dem Haus steht ein schlichter Holztisch, an dem vier junge Leute sitzen.

„Kaffee oder Apfelsaft?“ So begrüßen die derzeitigen „Hüter“ des alten Gutshauses ihre Gäste. „Der Saft stammt von den Äpfeln der Bäume dort vorne“, sagt Anna Knüppel und deutet auf eine Streuobstwiese. „Den können die Gäste auch beim Festival trinken.“ Die gebürtige Rostockerin ist eine von rund zehn jungen Leuten, die in Hermannshagen ein neues Festival organisieren. Es soll nicht groß werden, bis zu maximal 200 Leute erwarten sie am 5. und 6. August. Die Gäste können mit Pferden um einen nahe gelegenen See wandern, auf einem Fahrrad-Generator strampeln, um Strom zu erzeugen oder einfach nur auf der Wiese liegen und Musik hören. Auftreten werden keine Bands mit großen Namen, aber welche, die musikalisch etwas zu bieten haben. Es sind Songwriter dabei, Folk- und Rockmusiker, es wird ein Schlagzeugkonzert geben und auch eine Band, die Postpunk spielt, ist am Start. Für die Musikauswahl war vor allem Michael Schröder zuständig. „Einige der Musiker sind Bekannte von uns, andere haben sich bei uns beworben und ihre Musik hat uns gut gefallen“, sagt der 27-Jährige, der selbst Gitarre spielt. Seit etwa einem Jahr lebt er zusammen mit seiner Freundin Anna in einem umgebauten Bauwagen neben dem Gutshaus. Beide habe sich in Essen bei ihrem Studium der Fotografie kennengelernt. „Als wir unseren Abschluss hatten, haben wir einen schönen Ort gesucht, um dort eine Zeit lang zu leben und etwas auf die Beine zu stellen“, sagt Anna. Als sie im Internet auf den Verein „Gutshaus Hermannshagen“ stießen, sich genauer über das Projekt informierten und schließlich hinfuhren, entsprach es genau dem, was sie gesucht hatten. „Dieser Ort hat eine ganz besondere Atmosphäre, die wir mit anderen teilen möchten“, sagt Anna. Ihr gefällt es besonders, im Einklang mit der Natur zu leben. „Als wir den Winter im Bauwagen durchgestanden hatten und dann die ersten Kraniche kamen und den Sommer ankündigten,war das schon ein tolles Gefühl“, sagt sie.

Michael faszininiert es vor allem, dass es so viele Möglichkeiten gibt und sich so viele Ideen umsetzen lassen. So zeigte sich der Verein „Gutshaus Hermannshagen“, ein freier Träger der Jugendhilfe, auch offen gegenüber dem Einfall, ein kleines, ökologisch ausgerichtetes Festival zu organisieren. „Die Zeit war allerdings ganz schön knapp, alles auf die Beine zu stellen“, sagt Anna, die genau wie Michael ehrenamtlich für den Verein tätig ist. Unterstützt hat sie dabei Luca Koschke, die eigentlich in Köln lebt. „Ich mag den Ort hier so gerne und komme deswegen oft her“, sagt die 28-Jährige gelernte Bühnenplastikerin. So fernab der städtischen Hektik könne sie hier richtig gut nachdenken, Ruhe finden und natürlich auch ordentlich mit anpacken, wenn es etwas zu tun gibt.

Wer wie Luca gerne mit anpackt, der kann nicht nur das Festival besuchen, sondern vom 27. Juli bis zum 3. August auch schon bei der Bauwoche mitmachen. „Da wollen wir Bühnen, Kompost-Toiletten und Sitzgelegenheiten selber bauen“, sagt Dimitrij Haak. Der 29-jährige Tischler studiert in Essen Industriedesign und die Bauwoche soll Teil seiner Bachelorarbeit sein. „Die Leute sollen hier nicht hart arbeiten, aber vielen macht es sicherlich Spaß, mal mit anzupacken und sein handwerkliches Können zu verbessern“, sagt Dimitrij. Seine Werkstatt hat er sich im alten Gutshaus eingerichtet. Bauwochen sind in Hermannshagen Tradition. Mit Hilfe vieler Freiwilliger wurden bereits eine robuste Sauna aus Baumstämmen gebaut und das Vereinshaus saniert. Ziel ist es, das Gutshaus Stück für Stück zu sanieren.

Nele Baumann

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