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„Wir machen Weltmusik im wörtlichen Sinne“

„Wir machen Weltmusik im wörtlichen Sinne“

Sie nennen sich „Sailing Conductors“ und haben als segelnde Dirigenten auf fünf Kontinenten Musik aufgenommen / Am Montag, 15. August, geben sie ein Konzert im Rostocker Zwischenbau

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Mehr als dreißig Länder haben Hannes Koch (28, r.) aus Rostock und Benjamin Schaschek aus Heidelberg (29) mit ihrer „Marianne“ angesteuert.

Quelle: HFR

Mit einem selbst umgebauten Boot namens „Marianne“ sind Hannes Koch (28) aus Rostock und Ben Schaschek (29) aus Heidelberg durch die Welt gesegelt und haben mit Menschen aus vielen Ländern Musik aufgenommen. Seit jetzt schon fast einem Jahr haben sie wieder dauerhaft trockenen Boden unter den Füßen und sind mit sieben (bald zehn) Musikern aus den von ihnen bereisten Ländern auf Tour.

Der OZelot sprach mit Hannes über die bald erscheinende Platte und seine Erlebnisse als segelnder Dirigent.

Hannes, fühlt sich das schon wieder richtig gewohnt an, nicht mehr auf eurem Segelboot zu leben oder habt ihr manchmal noch das Gefühl, dass der Boden noch unter euren Füßen schwankt?

Hannes Koch: Ich habe gestern wieder für die ganze Truppe gekocht und es ist viel einfacher, wenn sich der Boden unter einem nicht bewegt. (lacht) Ich bin gefühlt auch noch immer unterwegs, deswegen hat sich so viel noch nicht geändert.

Einige der Musiker, die ihr unterwegs getroffen habt, gehen auch mit euch auf Tour. Damit das ganze Team Platz hat, habt ihr euch einen lustigen Bus organisiert, der auf eurer Homepage zu sehen ist.

Fühlt sich die Tour ein wenig an wie ein Klassenausflug?

Hannes: Der Vergleich passt. Wir sind ein Haufen Leute, die ihr Ding machen. Ben und ich müssen aber viel organisieren, damit wir auch wirklich da ankommen, wo wir hinwollen. Faszinierend ist, was man schaffen kann, wenn viele anpacken. Wenn wir zum Beispiel noch auf eine Party gehen wollen, ist es Wahnsinn, wie schnell wir da plötzlich abbauen können. 15 Minuten war unser Rekord.

War es schwer, zu organisieren, dass all die Musiker mitkommen? Nicht jeder kann ja alles liegen und stehen lassen.

Hannes: Bei einigen habe ich nicht dran geglaubt, dass es wirklich klappt. Vicky Lucato aus Brasilien etwa singt das Stück „Travelling Man“ mit. Sie wollten wir schon mal nach Deutschland lotsen, das hatte aber nicht geklappt. Bei der Tour ist sie jetzt aber dabei. Alle Musiker, die mitmachen, hatten gerade keine anderen Verpflichtungen und bekommen von uns Kost und Logis gestellt – alles, was an Einnahmen übrig bleibt, bekommen die Musiker dann in die Hand gedrückt. Mehr als ein kleines Taschengeld ist das aber nicht, wenn der Zwischenbau nicht ordentlich voll wird .

Was für ein Feedback habt ihr bisher von den Zuschauern bekommen?

Hannes: Viele kommen nach dem Konzert sehr aufgelöst zu uns und sind zu Tränen gerührt. Vor allem der Südafrikaner Jack Mantis schafft es im zweiten Teil des Sets, die Leute mit seiner Stimme und seiner Persönlichkeit zu bewegen. Leider sind die Konzerte noch nicht so gut besucht, wie wir uns das erhofft hatten. Bei der Tour geht es aber auch mehr um die Liebe zur Musik und nicht um Geld.

Als ihr vor mehr als fünf Jahren gestartet seid: Hattet ihr da einen genauen Plan oder habt ihr vieles auch auf euch zukommen lassen?

Hannes: Grundsätzlich stand der Plan schon vorher – zumindest diffus – fest. Wir hatten uns vorgenommen, die besten Musiker auch nach Deutschland zu holen. Das war für uns oft eine Motivation, das Projekt durchzuziehen. Wir waren uns von vornherein sicher, dass das etwas ganz Besonderes sein wird, und jetzt ist es so weit.

Ihr seid durch Australien, Asien und Afrika und ganz Amerika gesegelt und habt dort zusammen mit Einheimischen Musik aufgenommen. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Hannes: Die Idee ist aus einer Schnapsidee entstanden: Benni hat ein Jahr in Australien studiert und dann hat sich sein Studium durch Surfen und Herumreisen aber leider etwas in die Länge gezogen, so dass er seinen Rückflug verpasst hat. Am Strand hat er sich dann beim Surfen abreagiert und dabei ein kleines Segelboot am Horizont gesehen. Da dachte er sich: „Mensch, Wind kostet nichts und Kerosin ist so teuer – warum segel ich nicht einfach zurück?“ Ich war dann der Einzige, der dabei sein wollte und zusammen haben wir uns dann das Projekt ausgedacht: Überall, wo wir langsegeln, nehmen wir dann einzeln Musiker auf und verbinden die Aufnahmen aus unterschiedlichsten Ländern miteinander. Weltmusik wörtlich genommen.

Eine CD über eure Reise durch Australien, Asien und Afrika habt ihr bereits veröffentlicht. Eine zweite folgt mit Aufnahmen aus der ganzen Welt. Wann soll die erscheinen?

Hannes: „Songs Für Marianne“ soll die heißen und auch als Vinyl erscheinen. In das Cover arbeiten wir echten Segelstoff der „Marianne“ ein. Erscheinen sollte sie eigentlich schon im Januar, aber leider haben wir es nicht pünktlich geschafft. Jetzt wird es wahrscheinlich Ende Juli / Anfang August.

Du kommst aus Rostock. Ist es für dich immer etwas ganz Besonderes, hier eine Show zu geben?

Hannes: Zu Hause ist es schon immer am Schönsten, viele bekannte Gesichter und die Familie kommen immer wieder zu unseren Auftritten. Ich freue mich, dass wir dieses Mal mit unserem Konzert wirklich etwas anderes auf die Beine gestellt haben als die letzten Multimediavorträge.

Wie stellt ihr euch langfristig eure Zukunft vor?

Hannes: Wir touren noch bis Ende August, dann laufen auch die Visa der Musiker aus. Ich hoffe, dass wir die Tour pleite, aber ohne Schulden beenden und ich glaube, dann muss ich mir einen Job suchen. Ich habe noch nie richtig gearbeitet und sträube mich auch noch ein wenig dagegen.

Mehr als 30 000 Seemeilen mit der „Marianne“

Kennengelernt haben sich Hannes Koch und Benjamen „Ben“ Schaschek bei ihrem Studium in Berlin. Beide haben sich dort als Tonmeister ausbilden lassen. Mehr als vier Jahre sind sie mit der „Marianne“ über

30 000 Seelmeilen gesegelt.

Neben Captain Ben am Cello und Smutje Hannes am Bass besteht die internationale Band der Sailing Conductors aus: Vicky Lucato aus Brasilien, Jack Mantis, Dom Benigno und Andre Geldenhuys aus Südafrika, Lincoln Davis aus Australien, Ujjayinee Roy aus Indien und Ed De Genaro aus Indien.

Live: 15. August, Zwischenbau Rostock, E.-Schlesinger-Straße 19, Beginn: 20 • Uhr

http://sailingconductors.com

Interview von Nele Baumann

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