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Wooden Peak: „Wir stehen auf Melancholie“

Wooden Peak: „Wir stehen auf Melancholie“

Die beiden Wahl-Leipziger geben heute Abend ein Konzert im Rostocker Klostergarten / Dem OZelot sagen Jonas Wolter und Sebastian Bode, warum sie sich nicht zu einer größeren Band erweitern wollen

Sie sind ein eingespieltes Team, sogar ihre Texte schreiben Jonas und Sebastian zusammen. Klar, dass sich die beiden Wahl-Leipziger kurz vor dem Konzert in ihrer alten Heimat Rostock auch beim Interview zusammen den Fragen des OZelot gestellt haben.

Ihr macht seit 2008 zusammen Musik. Eure aktuelle EP habt ihr mit drei Gästen produziert. Wie kam es dazu?

Jonas Wolter: Es bestand schon lange der Wunsch, Ideen die man im Kopf hat, in einer besonderen Konstellation umzusetzen, ohne an die Duo-Besetzung gebunden zu sein. Wir haben jetzt schon drei Platten als Duo herausgebracht. Den Wunsch bei „Polygon“ haben uns dann Alexander Binder (Bass) , Wencke Wollny (Klarinette, Gesang) und Antonia Hausmann (Posaune) erfüllt.

 

Bleibt es ein einmaliges Projekt?

Jonas: Wir sind uns sicher, dass es nicht einmalig bleibt. Wir und das Ensemble sind viel beschäftigt mit Musik, da muss man sehr langfristig planen, um ein weiteres Vorhaben zu starten. Für uns ist das eine Besonderheit und nach vielen netten Rückmeldungen der Konzertbesucher auch eine besondere Überraschung geworden. So wollten wir es auch halten, als eine besondere aber wiederkehrende Überraschung.

 

Könnt ihr euch nach diesen Erfahrungen denn vorstellen, dass ihr euer Zweiergespann mal erweitert?

Sebastian: Wir träumen schon davon, mal einen Kontrabass dazuzunehmen und mehr Freiheiten zu haben. Aber die Feinheit unserer Musik macht ja doch uns als Duo aus. Diese vorhandenen Möglichkeiten bilden den kreativen Rahmen, der für Wooden Peak nötig ist. Mit mehr Musikern kann ein minimalistisches Stück plötzlich zu einem riesigen Fön werden. (lacht)  

Aber klingen die aktuellen Stücke dann auch gut, wenn ihr sie nur zu zweit spielt? Ihr seid letztes Jahr in Ecuador getourt, wie habt ihr das dort umgesetzt?

Sebastian: Das macht wieder einen ganz eigenen Sound aus. Ich glaube, das können wir uns leisten, zu sagen, wir spielen einige der Songs zu zweit – auch, wenn wir die Platte mit einer größeren Band produziert haben. In Ecuador war es genau so. Es klingt so viel näher, aber doch ist es noch der Song. Zusätzlich brachten die Menschen in Ecuador aber auch einen anderen Hintergrund zur Musik mit. Das war ein anderes Gefühl, die Songs dort zu spielen.

 

Das Video zum Song „Ms Goodman“ war auch für den „Popfish“-Preis beim Fish-Festival in Rostock nominiert. Stimmt es, dass da eigentlich was durcheinandergeraten ist im Schnitt?

Sebastian: Das war eine kleine Konzeptarbeit. Holger Löwe (Rabauke Filmproduktion) hat die Story mitgeschrieben, die wir gesponnen hatten und den Dreh überwacht. Irgendwie sind wir dann aber an unsere Grenzen gestoßen, weil es nicht so richtig zum Song gepasst hat. Der Cutter hatte dann die Idee, es mit einem anderen Song zu probieren. So haben wir am Ende, wie uns das schon mal passiert ist, ein Video zu einem Lied produziert, das wir dann doch für einen anderen Song benutzt haben. Es hat uns glaube ich den Kopf gekostet, dass wir das beim Popfish verraten haben. Es geht ja bei solchen Preisverleihungen darum, dass ein Video explizit zur Musik gemacht ist und nicht umgekehrt. (lacht) Wir haben den Spieß umgedreht.

 

Wie läuft das generell bei euch mit dem Songschreiben?

Jonas: Wir machen fast alles zusammen. Da sind die Leute oft perplex, weil das ja häufig klassisch aufgeteilt ist. Die Skizzen kommen aber von uns beiden, wir produzieren sie in der Regel vor. Im Zuge dessen oder danach erst schreiben wir die Texte zusammen.

Sebastian: Meistens sind es Geschichten und Erlebnisse, die wir aufgreifen. Wir lesen viel und meistens entstehen Texte beim Austauschen über absurde Begebenheiten .

Eure Musik ist eher ruhig und träumerisch. Entspricht das eurem Charakter?

Sebastian: Ich stehe schon auf Melancholie. Wir mögen musikalische Feinheiten, schöne Melodien und Details, das verbinden wir.

Jonas: Es ist natürlich ein Trugschluss, dass wir pausenlos als hoffnungslose Melancholiker rumhängen, nur weil unsere Musik diesen Einschlag hat. Für uns sind tatsächlich viele unserer Songs überaus fröhlich.

Ihr seid nun international unterwegs, spielt bald mit den Genre-Helden Tortoise aus Chicago zusammen und im kommenden Jahr erscheint ein viertes Album. Es geht voran, oder?

Sebastian: Es ist uns eine Ehre und wir freuen uns, dass unsere Musik solche positiven Wellen schlägt. Wir merken es teils gar nicht, weil einfach viel passiert und wir viel machen. Dann sitzt man manchmal fast verwundert zusammen und merkt, wie sich Sachen ändern und entwickeln.

Jonas: Die Konzertreise nach Ecuador war ein großes Geschenk und auch für die Möglichkeit, mit Tortoise zu spielen, sind wir sehr dankbar.

Nun wieder zurück in den Klostergarten. Ihr habt dort schon einige Konzerte gegeben. Ist das für euch ein besonderer Ort?

Jonas: In Rostock zu spielen ist immer etwas Besonderes, weil da unsere härtesten Kritikerfreunde kommen. Manche kommen am Donnerstag vielleicht schon das 7. Jahr in Folge in den Klostergarten. Das macht uns froh, dass viele so treu dabei sind.

Sebastian: Es ist ein Draußenkonzert an einem schönen Ort. Im Sommer für uns Tradition. Vielleicht sollten wir anfangen, uns etwas fürs 10-jährige Jubiläum einfallen zu lassen.

Interview von Nele Baumann

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