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Wer übernimmt die Firma?

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In MV suchen viele Betriebe nach passenden Nachfolgern / Der Rostocker Felix Schröder ist einer der jungen Menschen, die sich dieser Aufgabe gewachsen sehen / Er übernimmt ein Malerunternehmen

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Der Unternehmer Jens Kammler (58) hat einen Nachfolger gefunden.

Bis 2025 stehen 6185 Handwerksbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern, in denen die Unternehmer älter als 55 Jahre sind, vor einem Generationswechsel. Aufgrund der demografischen Entwicklung werde es für die Betriebsinhaber immer schwerer, geeignete Nachfolger zu finden, wenn Familienmitglieder oder Mitarbeiter aus der Belegschaft nicht für die künftige Chefposition infrage kommen. „Nur rund 40 Prozent der Kinder von Handwerksunternehmern sind bereit, den Betrieb weiterzuführen“, erklärt Jens-Uwe Hopf, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern in MV.

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In MV suchen viele Betriebe nach passenden Nachfolgern / Der Rostocker Felix Schröder ist einer der jungen Menschen, die sich dieser Aufgabe gewachsen sehen / Er übernimmt ein Malerunternehmen

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Der Rostocker Maler Jens Kammler gehört zu den glücklichen Handwerksmeistern, die einen Unternehmensnachfolger gefunden haben. Hätte er keinen gehabt, hätte er den Betrieb aufgelöst und die Belegschaft entlassen müssen. „Ich bin froh darüber, dass meine Angestellten ihren Job behalten können, wenn ich mich zur Ruhe setze“, sagt der 58-Jährige. Zumal das Handwerk wieder eine positive Zukunft und goldenen Boden habe. Jens bestätigt dies durch eine sehr gute Auftragslage in Rostock, Hamburg und Schleswig-Holstein.

Malergeselle Felix Schröder wird das 1998 gegründete Unternehmen, das derzeit sieben Mitarbeiter zählt, weiterführen. Der Generationswechsel steht allerdings erst in rund sechs Jahren an: „Ich habe mich bewusst dazu entschieden und Jens bereits 2014 direkt angesprochen“, erklärt der 27-Jährige. „Ich traue es Felix zu, weil er sehr engagiert ist und sich überall mit einbringt. Er hat sogar schon begonnen, Arbeitsabläufe zu optimieren“, sagt Jens über seinen Stiefsohn. Felix überprüfe bereits Rechnungen und Lieferscheine, obwohl das Chefsache sei.

Doch ganz so einfach stellt sich Felix die Übernahme des Malerbetriebs nicht vor: „Anfangs wird es etwas schwierig sein, dass meine jetzigen Kollegen sich von mir etwas sagen lassen.“

Allerdings wissen alle Bescheid, dass ich künftig deren Vorgesetzter sein werde. Die Gesellen sind zudem sehr froh, dass die Nachfolge und somit auch deren Arbeitsplätze gesichert seien. Eine Vergrößerung des Betriebes plant der 27-Jährige nicht. Einige Schritte zum Chef-Sein müssen allerdings noch gegangen werden: Der gebürtige Rostocker, der vorher erfolgreich in der Windbranche gearbeitet hat, möchte im kommenden Jahr seinen Meister in Vollzeit absolvieren. Die rund neunmonatige Weiterbildung ist zwingend erforderlich, um als Maler und Lackierer einen Betrieb führen zu dürfen. In der Zeit wird Felix freigestellt.

Auch der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern in MV hebt hervor, wie wichtig der Meistertitel ist: „Mit der Unternehmensnachfolge wird die Bedeutung des Meistertitels als Qualitätssiegel für fachlich qualitativ hochwertige Leitungen deutlich.“ Seit Juni dieses Jahres erhalten junge Meister, die einen Betrieb übernehmen, eine einmalige Förderung von 7500 Euro. Damit will das Land mehr junge Leute dazu ermutigen, wie Felix Verantwortung zu übernehmen und Firmenchef zu werden.

Nach der Meisterausbildung sammelt Felix zwei Jahre Berufserfahrung und dann wird die Übernahme langsam vorbereitet. Es handelt sich um einen großen bürokratischen Aufwand. „Mit Hilfe meines Unternehmensberaters schaffen wir das. Die Vorbereitung dauert rund zwei Jahre“, erklärt Jens. Aber auch die Handwerkskammern unterstützen und begleiten die Betriebe beim Generationswechsel mit vielfältigen Angeboten – von der Unternehmensbewertung, das heißt der Zeit-, Verkehrs- und Ertragswertermittlung als erste Orientierung für den Unternehmer zur Preisfindung bis zu rechtlichen Fragen und Bildungsangeboten“, sagt Jens-Uwe Hopf.

Felix, der mit 91,4 Prozent seine Malerausbildung erfolgreich bestanden hat und damit zu den besten Azubis in Mecklenburg-Vorpommern zählt, erhält mehr und mehr eine Einführung in die Betriebswirtschaft der Firma.

Zu seinen künftigen Aufgaben gehören: Kundenakquise, Baustellenbetreuung und -abwicklung, Angebots- und Rechnungsstellung. Dabei wird Jens seinen Nachfolger kontinuierlich einarbeiten. Die ersten Jahre wird der 58-Jährige weiterhin beratend zur Verfügung stehen und Tipps bei der Führung des Unternehmens geben. „Dafür bin ich auch sehr dankbar“, erzählt Felix, der sich freut, auch bald seine eigenen Entscheidungen treffen zu können.

Ein Generationswechsel steht bevor

In mehr als 6000 Handwerksbetrieben in MV sind die Unternehmer älter als 55 Jahre. Bis 2025 stehen all diese Betriebe somit vor einem Generationswechsel. In der Handwerkskammer (HWK) Ostmecklenburg - Vorpommern sind es 3685 Betriebe, in der HWK Schwerin 2500 Betriebe. Nur etwa 40 Prozent der Kinder von Handwerksunternehmern wollen den Betrieb weiterführen.

Bundesweit startet das Handwerk Image-Kampagnen, bei denen verstärkt auch Gymnasiasten und Studienaussteiger angesprochen werden, um ihnen Berufschancen im Handwerk wie die Übernahme gut aufgestellter Betriebe vorzustellen.

Auf der Internetseite unternehmensnachfolge-in-mv.de können sich sowohl potenzielle Betriebsnachfolger als auch Unternehmer registrieren, die planen, ihre Firma abzugeben (mehr dazu siehe Interview im Keller).

Laut einer Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks plant in den kommenden Jahren beinahe jeder vierte Inhaber seinen Betrieb an einen Nachfolger zu übergeben (18,2 Prozent) oder zu schließen (6,6 Prozent). Die größte Hürde für einen Übergabeprozess stellt für die Betriebsinhaber im Handwerk die Suche nach einem geeigneten Nachfolger dar (26,8 Prozent). Davon sind besonders mittelgroße Handwerksbetriebe mit bis zu neunzehn Beschäftigten betroffen, von denen jeweils mehr als ein Drittel diese Hürde benennt. Insgesamt haben sich 9234 Betriebe an der Umfrage beteiligt. (Stand: 2015)

Luisa Schröder

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