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Mehr Kinder mit chronischen Leiden in Deutschland

Kinder- und Jugendärztetag Mehr Kinder mit chronischen Leiden in Deutschland

Fast Food an jeder Ecke hat Folgen. Kinderärzte sehen jetzt schon mehr kleine Patienten, die durch Übergewicht unter Bluthochdruck und Diabetes leiden. Für die Zukunft rechnen sie mit noch mehr chronischen Erkrankungen - aus vielen Gründen.

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Kinderarzt untersucht einen jungen Patienten. In Berlin treffen sich derzeit Mediziner zum 47. Kinder- und Jugendärztetag.

Quelle: Waltraud Grubitzsch/symbol

Berlin. Kinderärzte rechnen in Zukunft mit mehr chronisch kranken Kindern und Jugendlichen in Deutschland.

Ursachen dafür seien unter anderem die Folgen von Übergewicht, mehr Autoimmunerkrankungen und auch mehr Verhaltensauffälligkeiten, sagte Klaus-Michael Keller vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte vor dem Beginn des 47. Kinder- und Jugendärztetages in Berlin.

„Die Verführung durch Zucker und Fast Food lauert für Kinder an jeder Ecke“, ergänzte Keller, der wissenschaftlicher Leiter des Kongresses ist. Bereits jetzt sei jedes sechste Kind zu dick - und jedes 16. krankhaft fettleibig. Das habe Folgen. Häufiger als früher müssten Kinder wegen Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Fettlebern behandelt werden.

Nach Verbandsangaben haben heute jedes sechste Kind und jeder vierte Jugendliche, die in einer Kinderarztpraxis behandelt werden, eine chronische Grunderkrankung. Dazu zählen zum Beispiel Allergien, Asthma, Neurodermitis, chronische Darmentzündungen, Rheuma, Epilepsien und Krebs. Das Robert Koch-Institut berichtet nach Verbandsangaben in seiner Langzeit-Kindergesundheitsstudie (Kiggs) von 11,4 Prozent Mädchen und 16 Prozent Jungen zwischen 0 und 17 Jahren mit chronischen Gesundheitsstörungen, die länger als ein Jahr andauern. Ältere Statistiken zum Vergleich gibt es laut Verband nicht.

Mehr kleine Patienten mit chronischen Leiden sind aber auch ein Ergebnis moderner Medizin. Extreme Frühchen und Kinder mit angeborenen Herzfehlern hätten heute oft einen langen medizinischen Versorgungsbedarf, sagte Keller. „Vor 30 Jahren hätten wir ihnen aber gar nicht helfen können, sie wären nach der Geburt gestorben.“ Besser als früher ließen sich auch seltene Leiden wie Mukoviszidose behandeln. Viele Kinder mit dieser Stoffwechselstörung erreichten heute das Erwachsenenalter - früher starben sie häufig als Jugendliche.

Verbandspräsident Thomas Fischbach sieht aber auch eine Zunahme psychosozialer Erkrankungen bei Kindern. Dazu zählten vor allem die Aufmerksamkeitsstörung ADHS, aber auch Folgen von Bindungsstörungen und Vernachlässigung.

dpa

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