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1500 Verstöße: Rüpel-Radler im Visier der Polizei

Stadtmitte 1500 Verstöße: Rüpel-Radler im Visier der Polizei

Die Beamten haben dreimal so viele Vergehen geahndet wie im Jahr zuvor / Stadt und Fahrradclub begrüßen schärfere Kontrollen – wünschen sich diese aber an anderen Orten

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Problemzone Kröpeliner Straße: Radler verstoßen hier regelmäßig gegen das Fahrverbot zwischen 10 und 19 Uhr.

Quelle: Fotos: Ove Arscholl

Stadtmitte. Polizei-Offensive gegen Rad-Rowdys: Im Jahr 2015 haben die Beamten rund 1500 Verstöße von Fahrradfahrern gegen die Straßenverkehrsordnung (StVo) geahndet – dreimal so viele wie im Jahr davor. Damit haben die Polizisten ihr selbst gestecktes Ziel übertroffen. 1000 Vergehen sollten laut einer internen Vereinbarung im Jahr 2015 in Rostock registriert werden (OZ berichtete). Polizeidirektor Michael Ebert hatte jedoch bereits zuvor angekündigt, dass er am Ende eine höhere Zahl erwarte. Schließlich gebe es „massive Verstöße“, wie kein Licht am Fahrrad, schlechte Bremsen, das Fahren auf Gehwegen oder bei Rot.

Wichtige Verhaltensregeln für Radfahrer

Radfahrer müssen auf einen Sicherheitsabstand (0,75 bis 1 Meter) zum Straßenrand achten. Es gilt das Rechtsfahrgebot. Zudem müssen Radfahrer hintereinander fahren. Und sie müssen Radwege, die als solche gekennzeichnet sind, auch benutzen. Kinder bis sieben Jahre fahren auf dem Gehweg.

Hintergrund der Polizei-Offensive: Immer mehr Radfahrer sind in Unfälle verwickelt. Ein Grund dafür ist die steigende Zahl an Menschen, die sich auf den Sattel schwingen. Gerade erst vermeldete die Stadt einen neuen Rekord an Rostocks Fahrradzählstellen. Im Vergleich zum Frühsommer des vergangenen Jahres habe der Radverkehr um ein Viertel zugenommen. Ein zweiter Grund für die Unfallhäufung:

Vielen fehle das Bewusstsein dafür, sich auch als Radfahrer an Verkehrsregeln halten zu müssen, so die Polizei.

Nach einem Jahr ziehen die Beamten nun ein positives Fazit ihrer Aktion: „Der verstärkte Fokus auf die Rad fahrenden Verkehrsteilnehmer scheint bereits Wirkung zu zeigen“, sagt Polizeisprecherin Yvonne Hanske. Die Zahl der Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Fahrradfahrern sank 2015 im Vergleich zum Vorjahr um knapp 13 Prozent auf 369. Gleichzeitig ging die Zahl der dabei verletzten Radfahrer um etwas mehr als 13 Prozent auf 263 zurück.

Von einem Umdenken bei den Radfahrern könne jedoch noch nicht die Rede sein, so Hanske. „Insofern werden wir in diesem Bereich auch weiterhin regelmäßige Kontrollen durchführen.“ Die Zielstellung für das laufende Jahr sei mit der von 2015 identisch, teilt die Sprecherin mit.

Die Stadtverwaltung und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) begrüßen das Vorgehen der Polizei. „Wir brauchen mehr Kontrollen“, sagt etwa Rostocks Mobilitätskoordinator Steffen Nozon. Gerade beim Radfahren auf Gehwegen und gegen die Fahrtrichtung. „Aber nicht bei sinnlosen Ampeln wie bei der Zufahrt zum Bauhof am Dierkower Damm“ betont Nozon. „Da werden Radfahrer abkassiert und müssen gleich 80 bis 90 Euro zahlen.“

Auch Michael Reitz vom Rostocker ADFC sagt: „Die Kontrollen sollten teilweise ausgedehnt und anders umgesetzt werden.“ Gebraucht würden sie dort, wo der Raum knapp bemessen sei, wie in Fußgängerzonen im Stadtzentrum und in Lütten Klein. „Viel Brisanz haben auch Geisterfahrer auf dem Radweg entlang der Heinkelmauer beim Holbeinplatz“, so Reitz.

Gleichzeitig müsse es mehr Aufklärung geben. „Inzwischen sind viele Senioren mit Pedelecs unterwegs, die von Neuerungen der Verkehrsregeln nichts wissen. Auch Flüchtlingen fehlen die Grundlagen“, beschreibt Reitz Problemgruppen. Bei vielen fehle selbst das Wissen, dass Radfahrer und Fußgänger einen Gehweg gemeinsam nutzen können – bei entsprechenden Zusatzzeichen. Fairness und gegenseitige Rücksichtnahme unter Fußgängern, Radlern und Autofahrern seien unabdingbar. „Nicht auf Rechte pochen“, wirbt Reitz um mehr Nachsicht untereinander.

Bausenator Holger Matthäus (Grüne) schaltet sich nun ein. Seit diesem Monat fällt die Verkehrsbehörde in seine Zuständigkeit. „Ich will die Kontroll-Stellen mit der Polizei abstimmen und den ADFC verstärkt ins Boot holen“, sagt Matthäus. Bei der „Zeig’ Dich“-Kampagne im Herbst sollen kostenlose Beleuchtungs-Reparaturen etabliert werden. Geplant sei zudem eine zweite Kampagne. Bei dieser soll über Benutzungspflichten und -rechte aufgeklärt werden.

Mobilitätskoordinator Nozon betont, dass nur „eine Mischung aus Aufklärung, Kampagne und Ahndung“ erfolgreich sein kann.

André Wornowski

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