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24 Schafe weg: Deichschäfer spricht von Diebstahl

Dreschvitz 24 Schafe weg: Deichschäfer spricht von Diebstahl

Der gebürtige Sassnitzer lässt die Tiere im Rügener Westen weiden/ Nach seiner Anzeige ermittelt die Polizei und hofft auf Hinweise von Zeugen

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Deichschäfer Armin Rohrbeck zeigte den Diebstahl von zwei Dutzend seiner Schafe von einer Weide bei Dreschvitz an.

Quelle: Foto: Uwe Driest

Dreschvitz. Drei Tage lang hat er vergeblich gesucht – jetzt ist Armin Rohrbeck am Ende seines Lateins. „Ich habe Anzeige bei der Polizei erstattet“, sagt der Schäfer. Er vermisst 24 Schafe. Und vermutet, dass sie gestohlen worden sind. Ein Indiz dafür: Bei der Kontrolle des Zauns sei von den herbeigerufenen Beamten des Polizeireviers Bergen ein heruntergedrücktes Zaunteil festgestellt worden.

Noch am Nachmittag des 16. Februar sei auf der Wiese am Kubitzer Bodden bei Ralow alles in bester Ordnung gewesen. Alle Schafe der Herde befanden sich auf der Weide. „Doch schon am nächsten Morgen musste ich feststellen, dass 24 Schafe fehlten“, sagt Rohrbeck, dem auf dem besagten Areal noch 22 Tiere verblieben sind.

Die, die er vermisst, sind pommerscher Herkunft, haben einen rötlichen beziehungsweise schwarzen Kopf und tragen weiße Wolle. „Einige haben auch schon Ohrmarken“, sagt Rohrbeck. Nach seinen Angaben sind die wohl gestohlenen Schafe ein halbes Jahr alt und bringen zwischen 35 und 40 Kilogramm Gewicht auf die Waage. „Um die Tiere abtransportieren zu können, muss man schon mit einem größeren Hänger unterwegs gewesen sein“, sagt der Schäfer. Über die Zukunft der fehlenden Schafe macht er sich nichts vor: „Die werden wohl geschlachtet und ihr Fleisch verkauft.“ Den Schaden wegen des Verlustes der Tiere beziffert er auf 2000 Euro. Er muss zum ersten Mal den Verlust von Tieren in dieser Größenordnung verkraften. „Normal ist es dagegen, dass mal das eine oder andere Schaf ausbüxt.“

Rohrbeck ist gebürtiger Sassnitzer und studierter Landwirt. Seit 2010 betreibt er seine Deichschäferei mit derzeit etwa 400 Tieren. Die weiden nach seinen Angaben an der gesamten Boddenküste im Westen Rügens – ein Stall steht in Mölln bei Dreschvitz zur Verfügung.

„Mittlerweile beweiden unsere Schafe 35 Hektar Deiche für das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt sowie den Wasser- und Bodenverband“, sagt Rohrbeck. Zudem habe seine Schäferei in Zusammenarbeit mit Landwirten und dem Nationalparkamt Vorpommern Schafe für den Erhalt der Natur auf kleinen Inseln im Kubitzer Bodden im Einsatz. „Mit unseren Tieren unter- und erhalten wir Feuchtwiesen, Trockenrasen und spezielle Biotope“, macht Rohrbeck weiter deutlich.

Erst kürzlich war er mit Beschwerden Rambiner Anwohner bezüglich der Haltungsbedingungen seiner Schafe konfrontiert gewesen. „In letzter Zeit gab es wohl einige Anrufe von besorgten Anwohnern, weil es draußen kalt ist und dann auch noch Lämmer geboren werden“, sagt Rohrbeck. Schafe seien jedoch „in dem Sinne keine Haustiere, die an den Ofen gehören“ und hätten mehr Probleme mit Hitze, als mit Kälte. „Etwas mehr Hecken und Sträucher auf den Weiden wären schön, sind aber leider nicht vorhanden. So nutzen die Tiere die Schilfgürtel an den Gräben.“ Bezüglich der Lämmer rechne er im Stall mit etwa zehn Prozent Verlust. Der „Druck durch hohe bakterielle und viröse Belastung“ sei im Stall höher als im Freien, wo sie in den vergangenen zwei Jahren bei „nur drei bis fünf Prozent“ gelegen habe. Die Mütter würden sich zum Lammen absondern und anschließend zur Herde zurückkehren. „Ich benötige nicht soviel Medikamente in der Aufzucht und auch das beste Heu ersetzt nicht die natürliche Weide“, verteidigt Rohrbeck seine Freilandhaltung.

Diese Auffassung habe ein Amtsveterinär des Landkreises nicht in allen Punkten teilen können, gibt Rohrbeck allerdings zu. Vor allem in den Punkten Witterungsschutz und Wasserversorgung müsse er nun nachbessern. In der kalten Jahreszeit muss zusätzlich allen Tieren ein trockener, gegen Regen und Wind geschützter Liegeplatz zur Verfügung gestellt werden. Das können Windschutzwände aus Strohballen oder Planen sowie zwei- bis dreiseitig geschlossene, überdachte Unterstände, die von der Hauptwindrichtung abgewandt sind, sein.

Der letzte größere Schafdiebstahl in MV wurde Mitte Mai 2015 gemeldet. Damals sollen Schaf-Diebe mit einem Lastkraftwagen gekommen sein: In der Nacht sollen sie etwa 150 Mutterschafe und Lämmer von einer umzäunten Weide bei Kobrow zwischen Tessin und Laage (Landkreis Rostock) gestohlen haben. Offenbar waren die Täter damals mit dem Lastwagen rückwärts an die Koppel herangefahren, haben die Klappe über den Zaun heruntergelassen und dann die Tiere von der Weide in den Hänger getrieben. Den Tätern von damals war Professionalität unterstellt worden, da das Stehlen der Schafe nicht nebenbei erledigt werden könne.

In Mecklenburg-Vorpommern werden im Bundesvergleich recht wenig Schafe gehalten. Mit etwa fünf Tieren pro Hektar sei der Nordosten Schlusslicht, heißt es. Nach Angaben des Landesschafzuchtverbands gibt es derzeit in Mecklenburg Vorpommern etwa 67400 Schafe – Muttertiere, Böcke und Lämmer. 1990 waren es noch mehr als 195000 gewesen.

Im Zusammenhang mit den Ermittlungen wegen des Verdachts des Diebstahls bittet die Polizei um Hinweise von Zeugen. Diese werden im Polizeihauptrevier Bergen unter ☎ 03838/8100 oder in jeder anderen Polizeidienststelle entgegengenommen.

Weidehaltung von Schafen

Für die Weidehaltung von Schafen im Winter gibt es keine einheitliche Regelung.

Kälte kann in Verbindung mit Nässe und starkem Wind die isolierende Wirkung des Fells durchaus verringern.

Wärmeverluste vermeiden die Vierbeiner dann, indem sie sich nicht mehr hinlegen, um widerzukäuen.

Verdauungsstörungen und Erschöpfung können die Folge sein.

Wasser muss Schafen in Freilandhaltung ganzjährig und jederzeit verfügbar sein.

Chris-Marco Herold und Uwe Driest

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