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98 Mörsergranaten mitten im Wohngebiet entdeckt

Greifswald 98 Mörsergranaten mitten im Wohngebiet entdeckt

In der Vulkanstraße fanden Bauarbeiter gestern die Kriegsreste. Der Munitionsbergungsdienst rückte an. Gefahr ging von dem Fund nicht aus.

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Die Geschosse sind ungefährlich, das Wohngebiet wurde nicht evakuiert. Die Munition wird in Mellenthin vernichtet.

Quelle: Fotos: Peter Binder/Tilo Wallrodt

Greifswald. Schreck am Morgen auf einer Baustelle in der Vulkanstraße: Dort fanden Arbeiter gestern gegen 8.15 Uhr Munition aus dem Zweiten Weltkrieg. Bei genauerem Hinsehen stellte sich heraus, dass es sich um 98 Mörsergranaten handelte. „Das ist schon ein größerer Einzelfund, den es nicht alle Tage gibt“, sagte Lars Schulz, Leiter des Munitionszerlegungsbetriebs in Mellenthin auf Usedom. Es handelte sich um deutsche Kriegsmunition, die im Erdreich verschüttet wurde.

Überall in der aufgewühlten Erde steckten die Hülsen. Ein geübtes Auge war nötig, denn teilweise waren die Einzelteile wegen ihres Verfalls und neben größeren Steinen schwer zu erkennen — oder es waren nur Fragmente vorhanden. „Von außen war zu sehen, dass die Zünder fehlen und die Hülsen leer sind“, gab der Experte Entwarnung. Deswegen bestand für die Anwohner keine Gefahr, in der Nähe stehende Häuser mussten nicht evakuiert werden. Wie und warum die Granaten auf dem Grundstück vergraben wurden, konnte Schulz nicht sagen. „Darüber kann man nur spekulieren und das mache ich nicht.“

Nach etwa einer Stunde war die Arbeit der Experten in der Vulkanstraße beendet. Danach brachten sie den Kriegsschrott in den Munitionszerlegebetrieb nach Mellenthin. Schulz: „Jetzt werden die Stücke kontrolliert und dann durch eine Sprengung vernichtet.“

Solche Funde sind in Greifswald eher selten, weil es dank des damaligen Stadtkommandanten Rudolf Petershagen im Frühjahr 1945 kampflos an die Rote Armee übergeben wurde. „Trotzdem kommt es eben vor.

Fälle wie diesen gibt es aber bundesweit.“ Im Landkreis Vorpommern-Greifswald seien militärische Liegenschaften oder alte Armeedepots prädestiniert für Munitionsfunde. „Peenemünde ist so ein Beispiel. Das dortige V2-Raketenwerk wurde von den Alliierten stark bombardiert. Da werden wir öfter mal gerufen“, erläutert Schulz und fügt an: „Jeder kann uns alarmieren, wenn er auf seinem Grundstück etwas Verdächtiges entdeckt.“ Der Grundstückseigentümer müsse keine Angst haben, den Einsatz bezahlen zu müssen. „Bei Gefahr im Verzug übernimmt die Allgemeinheit die Kosten. Für die Betroffenen ist die Gefahrenabwehr kostenlos.“

So auch im aktuellen Fall. Als nächstes wird gemeinsam mit dem Grundstückseigentümer ein Konzept erarbeitet, wie künftig auf dem Areal vorzugehen ist. Schließlich wird es gerade für neue Wohnhäuser erschlossen. „Es kann sein, dass wir noch mehr finden. Aber es kann auch sein, dass nichts mehr zutage tritt“, schildert Schulz. Wie so ein Gefahrenkonzept aussehen könnte, wolle er nicht erklären.

„Das führt zu weit.“

Wer Eigentümer des Grundstücks ist, konnte bis zum Redaktionsschluss nicht festgestellt werden. An dem Tor, das zum Areal führt, prangen Schilder der Jacob Cement GmbH Greifswald. Die gehört zur Jacob Sönnichsen AG in Flensburg. Vorstandsmitglied Frank Kepp erklärte auf OZ-Anfrage, dass die Firma keinen Besitz in der Vulkanstraße habe.

Kontakt zu den Experten
Wer auf seinem Grundstück
verdächtige Gegenstände findet,
kann im Munitionszerlegebetrieb
Mellenthin, Chausseeberg, unter ☎ 038379/ 20 316 anrufen. Die Kosten für die Beseitigung der Fundstücke muss der Grundstückseigentümer bei Gefahr im Verzug nicht übernehmen.

 



Reik Anton

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