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Agenten-Krimi: LKA-Mann soll Hunderttausende kassiert haben

Schwerin Agenten-Krimi: LKA-Mann soll Hunderttausende kassiert haben

Die Staatsanwaltschaft Schwerin entwirrt ein Netzwerk der Nachrichten-Beschaffung. Auch der Geheimdienst BND soll Dienste aus MV bezahlt haben. Grüner Landtagsabgeordneter fordert den Innenminister.

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Innenminister Lorenz Caffier (CDU, links) und LKA-Chef Ingolf Mager. Ein Mitarbeiter des LKA gilt als Hauptverdächtiger im Agenten-Krimi. Für geheime Informationen sollen Hunderttausende Euro geflossen sein.

Quelle: Cornelius Kettler

Schwerin. Das Landeskriminalamt (LKA) gerät wegen eines Agenten-Krimis ins Zwielicht. Nachdem die Staatsanwaltschaft Schwerin und das Bundeskriminalamt (BKA) Ende April zwei LKA-Beamte und eine Unternehmerin wegen Korruptionsverdachts festnahmen, werden Details bekannt. Im Auftrag des ukrainischen Oligarchen Dmytro Firtasch sollen die Verdächtigen Informationen auch von internationalen Geheimdiensten besorgt haben. Dafür sollen mehrere hunderttausend Euro geflossen sein.  Ein Mercedes C450 sollte es sein. 367 PS. Den habe sich Heinz-Peter H. (60) gegönnt, auch wenn das Monatsgehalt von 4200 Euro wohl zu schmal war. Der Hauptkommissar ist einer der beiden Hauptverdächtigen im Korruptionsfall, der das LKA erschüttert. H. soll 461000 Euro von Unternehmerin Christina W. (69) erhalten haben. Das berichtet „Der Spiegel“ unter Berufung auf Ermittler und Ermittlungsakten. Die Staatsanwaltschaft Schwerin dementiert dies auf Nachfrage nicht, beruft sich aber auf das laufende Verfahren: keine Auskunft.

Das kriminelle Handeln von Heinz Peter H. und seines früheren Kollegen Philipp H. (32) war vor gut zwei Monaten aufgeflogen. Gegen Bares sollen die LKA-Leute Informationen bei Sicherheitsbehörden besorgt und an Christina W. verkauft haben. 2005 soll die gewiefte Geschäftsfrau Heinz-Peter H. kennengelernt haben, berichtet „Der Spiegel“. Befragt in der Untersuchungshaft in der Haftanstalt Bützow, habe sie umfassend ausgepackt. Verdient habe H. parallel auch an Informationen für den deutschen Geheimdienst BND, eine „Aufwandsentschädigung“ erhalten. Von all dem wussten Mitarbeiter des LKA in Rampe bei Schwerin offenbar nichts. Bis auf einen: Komplize Phillip H., den die Staatsanwälte nach Festnahme im April wieder laufen ließen. Über ihn sei das LKA aber auf das Spionage-Netzwerk gestoßen: Als der 32-Jährige krank war, habe ein Kollege auf seinem PC Hinweise gefunden – über Kontakte zum amerikanischen Geheimdienst FBI oder zu Firtasch. Empört reagiert Johannes Saalfeld (Grüne): „Die Sicherheitsbehörden machen keine gute Figur. Hätte der BND das LKA informiert, wäre der verdächtige Beamte vielleicht schon früher aufgeflogen.“Innenminister Lorenz Caffier (CDU) sagt, er wolle den Fall mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) auswerten. „Wir arbeiten das ordnungsgemäß ab.“ Enttäuscht sei er von den kriminellen LKA-Leuten. Der dicke Fisch im Netz allerdings sei Frau W. Caffier: „Und das ist Bundessache.“

Frank Pubantz

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