Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 0 ° Regen

Navigation:
Aufdringliche Trickbetrüger sorgen für Unruhe

Greifswald Aufdringliche Trickbetrüger sorgen für Unruhe

Rentner ist verärgert über Leitung im Betreuten Wohnen / Polizei warnt

Voriger Artikel
85-Jähriger bei Unfall schwer verletzt
Nächster Artikel
Fahrer erneut ohne Führerschein unterwegs

Betrüger wenden immer wieder neue Tricks an und haben bei Senioren oft leichtes Spiel.

Quelle: Foto: Imago

Greifswald. Nach Vorfällen in Pasewalk und Ueckermünde ziehen Gruppen von Trickbetrügern laut Polizeisprecher Axel Falkenberg auch wieder durch Greifswald.

Erich Rühr hielt gerade ein Nickerchen, als er am Dienstag gegen 14 Uhr unsanft aus dem Schlaf gerissen wurde. „Es klingelte und klopfte an unserer Wohnungstür. Richtig aggressiv“, schildert der 81-Jährige. Seit zwei Jahren lebt er mit seiner Frau im betreuten Wohnen, im Haus „Ostsee“ an der Rigaer Straße. Seine Frau habe, weil das Klopfen kein Ende fand, die Tür einen Spalt geöffnet. „Ein junger Mann hielt ihr einen Zettel vors Gesicht. Auf dem stand, dass er aus Rumänien komme, sein Haus verloren habe und Geld brauche“, erzählt Rühr. Seine Frau habe die Tür gleich wieder verschlossen. „Doch durch den Türspion sah ich, dass er auch bei den Nachbarn Sturm klingelte und klopfte“, so der Mieter.

Kurzerhand rief Erich Rühr bei der Hausleiterin Jana Schmeling- Mahnke an, von der er sich ein Einschreiten erhoffte. „Denn so einen Räuber muss man doch aus dem Haus befördern. Aber sie meinte, sie könne nichts machen, allenfalls die Polizei informieren. Das finde ich eine schwache Kür“, sagt der betagte Mann. Letztlich alarmierte er selbst die Polizei.

Hausleiterin Jana Schmeling- Mahnke vom Pflegedienst Heinrich & Heinrich sieht den Fall anders: Auch andere Bewohner hätten bei ihr das Auftauchen fremder Personen gemeldet. „Aber ich kann sie ja nicht gewaltsam vor die Tür setzen“, sagt sie auf OZ-Anfrage. Sie habe angeboten, gemeinsam mit den Bewohnern die Polizei zu benachrichtigen. Eine Suche nach den Eindringlingen sei erfolglos verlaufen, sagt Schmeling-Mahnke und erklärt: „In meinen Augen ist die Sache optimal gelaufen.“

Für Erich Rühr nicht: „Am Ende war eine Pflegerin im Haus so beherzt, fasste den Mann an den Kragen und setzte ihn vor die Tür.“

Laut Polizeisprecher Falkenberg „konnten Beamte im Ostseeviertel wenig später aufgrund von Personenbeschreibungen zwei Rumänen feststellen. Ihnen wurden Platzverweise ausgesprochen.“ Mehr sei nicht machbar. In der Regel handele es sich um eine Gruppe von sechs, sieben Personen. Die Masche der zumeist sehr „aggressiv auftretenden Betrüger“ sei immer ähnlich: „Sie halten den Leuten einen Zettel vor, auf dem steht, dass sie für Gehörlose oder für ein Kinderheim oder sonstwas sammeln“, sagt er. Richtig handele, wer auf derlei Bitte nicht reagiere. „Am besten: die Tür sofort wieder verschließen oder gar nicht erst öffnen.“

Doch leider würden alte Leute oft mit ein, zwei Euro helfen wollen. „Sie holen ihr Portemonnaie und dann wird es ihnen auch schon aus der Hand gerissen“, warnt der Polizeisprecher. In manchen Fällen verschafften sich die Betrüger gar Zutritt zur Wohnung und würden mit Geld oder Wertgegenständen verschwinden. Den letzten Fall dieser Art gab es vorige Woche in Greifswald: Ein Trickbetrüger- Duo ergaunerte von einer 93-Jährigen 5000 Euro (die OZ berichtete).

Axel Falkenberg fordert deshalb insbesondere Anbieter betreuter Wohnformen auf, sich diesem Problem zu stellen. „Man kann da schon etwas machen, sich vorsorglich organisieren, eine Informationskette aufbauen oder ähnliches, damit die betagten Mieter nicht immer wieder Opfer von Betrugshandlungen werden“, sagt er.

Annekatrin Köster, Prokuristin bei Heinrich & Heinrich, versichert, diesen Fall auszuwerten. Grundsätzlich widme sich der Pflegedienst dem Thema schon lange: „Wir laden zu Veranstaltungen mit der Polizei ein, bei denen es um Prävention geht“, sagt sie. Zudem habe die Hausleiterin völlig korrekt gehandelt, indem sie angeboten habe, die Polizei zu informieren.

Mieter Erich Rühr ist trotzdem verärgert. Auch über den Zustand, dass ein ebenerdig angebrachter Türöffner quasi jedem Einlass ins Haus ermögliche. Mehrfach sei die WVG als Vermieter auf dieses Problem aufmerksam gemacht worden, bestätigt auch Jana Schmeling-Mahnke. Es habe sogar Unterschriftensammlungen von Mietern gegeben. Bislang erfolglos. Die WVG sah sich gestern nicht in der Lage, dazu Stellung zu nehmen.

Petra Hase

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Ribnitz-Damgarten

Die Ermittlungen der Kriminalpolizei dauern aber an

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Aktuelle Beiträge