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Brand im Pferdestall: 17-Jähriger freigesprochen

Grevesmühlen Brand im Pferdestall: 17-Jähriger freigesprochen

Nach dem verheerenden Brand in einem Pferdestall in Grevesmühlen im April 2014, bei dem vier Pferde starben, gab es gestern die Verhandlung gegen einen Tatverdächtigen vor dem Wismarer Amtsgericht

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Anfang April 2014 brannten die Pferdeboxen hinter dem Reitstall am Tannenberg vollständig aus.

Grevesmühlen. Mehr als zwei Jahre nach dem Großbrand in einem Pferdestall am Grevesmühlener Tannenberg haben die Justiz und die Ermittlungsbehörden vorerst einen Schlussstrich unter das Verfahren gezogen. Die Verhandlung gegen einen 17-jährigen Tatverdächtigen endete gestern mit einem Freispruch. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor ebenfalls auf Freispruch plädiert. Wie der Verteidiger des 17-Jährigen nach der Verhandlung betonte, habe es zwar einige Hinweise in Richtung seines Mandanten gegeben, aber keine Beweise. Das hätten letztlich auch Gericht und Staatsanwaltschaft so gesehen.

 

OZ-Bild

Das Amtsgericht in Wismar: Hier fand gestern die nichtöffentliche Verhandlung gegen den 17-Jährigen statt.

Quelle: Fotos: Archiv

Es gab Hinweise, aber keine konkreten Beweise für die Tat.“ Der Anwalt des

Angeklagten nach dem gestrigen Freispruch

Dabei war der Angeklagte zuvor schwer belastet worden. Ausschlaggebend für die Erhebung der Anklage war unter anderem die Aussage einer Zeugin, der der 17-Jährige wenige Tage nach der Tat ein Video auf seinem Handy gezeigt haben soll. Die junge Frau sagte auch gestern aus, dass sie darauf eindeutig den Angeklagten erkannt habe, der sich vor dem Reitstall gefilmt habe und später auch das brennende Gebäude aufgenommen habe. Doch das Video ist verschwunden.

Als die Ermittlungsbehörden damals vier Handys bei dem 17-Jährigen beschlagnahmten, konnten die Techniker nur einige Fotodateien rekonstruieren, die jedoch keinen eindeutigen Schluss zulassen. Ein weiterer Zeuge hatte ausgesagt, dass der Angeklagte sich auf Facebook mit der Tat gebrüstet habe. Der entsprechende Eintrag wurde allerdings gelöscht und ist ebenfalls nicht mehr auffindbar. Der Angeklagte selbst hatte die Tat bestritten. So mühte sich das Gericht durch Indizien, Hinweise und Beschuldigungen. Konkrete Beweise hingegen gibt es nicht.

Sehr zum Ärger der Pferdebesitzer, die gestern gehofft hatten, mit einer Verurteilung zumindest den juristischen Teil dieses Vorfalls abschließen zu können. Sie zeigten sich fassungslos angesichts des gesprochenen Urteils. Sie sind davon überzeugt, dass der 17-Jährige etwas mit dem Brand zu tun hat. Nach wie vor haben sie für Hinweise zum Täter eine Belohnung in Höhe von 10000 Euro ausgelobt.

Insgesamt war in dem Verfahren gegen sieben Personen, darunter Jugendliche und Erwachsene, ermittelt worden, nur im Fall des jungen Mannes kam es überhaupt zur Anklage. Für die Kriminalpolizei war es eine Sisyphusarbeit, denn Spuren am Tatort gab es damals nicht. Durch die Löscharbeiten waren alle Hinweise vernichtet worden. Stattdessen gab es zahlreiche Gerüchte über die möglichen Täter, doch viele Ermittlungen verliefen im Sand. Der Hauptgrund: Es gibt keine konkreten Aussagen der Beschuldigten. Die einzige Spur, die die Ermittler hatten, war das Handyvideo.

Aus dem erstellten Brandgutachten geht eindeutig hervor, dass der beziehungsweise die Täter gezielt vorgegangen waren. Denn an zwei Stellen wurde das Stroh an den Pferdeboxen entzündet. Defekte an der elektrischen Anlage konnte der Gutachter am Ende ausschließen. Dadurch, dass die Pferdeboxen wie üblich abgeschlossen waren, hatten die Tiere keine Chance. Die Rettungskräfte vor Ort berichteten von dramatischen Szenen, die sich während des Feuers dort abspielten.

Michael Prochnow

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