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Bürger empört: Polizei reagiert nicht auf Bitte um Hilfe

Greifswald Bürger empört: Polizei reagiert nicht auf Bitte um Hilfe

Greifswalder findet in der Nähe des Beitzplatzes einen orientierungslosen Mann, wählt vergeblich die Notfallnummer und fährt ihn dann selbst zum Obdachlosenheim

Greifswald. So eine Geschichte hat Ondrej Krebs noch nicht erlebt. Statt der um Hilfe gerufenen Polizei kam am letzten Freitag, dem 19. August, der Greifswalder Detlef Witt mit einem 71-jährigen wohnungslosen und alkoholkranken Mann in das Greifswalder Obdachlosenheim Am Gorzberg. „Sonst bringt uns die Polizei doch immer die Leute“, stellt Krebs fest. „Für mich ist das eine unterlassene Hilfeleistung.“

Und das ist die Geschichte, die Detlef Witt erzählt: Er habe am Abend des 19. August in der Nähe der Universitätsbibliothek am Berthold-Beitz-Platz einen älteren Mann angetroffen und ihm helfen wollen. Denn der Mann sei offensichtlich hilf- und orientierungslos gewesen. Später habe er erfahren, dass dieser 71 Jahre alt sei. Der Mann habe am Boden unter einem Baum gelegen und sich nur sehr schwer artikulieren können. „Nur mit Mühe habe ich verstanden, dass er in einer Obdachlosenunterkunft Am Gorzberg wohnt“, erzählt Witt.

20.43 Uhr – die genaue Zeit könne man auf seinem Mobiltelefon ablesen, wählte der Greifswalder die Notrufnummer der Polizei. Der Anruf sei ein Fehlschlag gewesen. „Der Tenor des Gesprächs mit dem Beamten war ,Das ist zwar nicht schön fürs Stadtbild, aber es bestehe keine Gefahr, dass der Mann erfriert“, berichtet Witt über Äußerungen des Polizisten. Verletzt sei der alte Mann auch nicht, habe der Hauptkommissar am anderen Ende der Leitung gemeint. „Das konnte der doch gar nicht am Telefon beurteilen, ohne ihn gesehen zu haben.“ Womöglich hätte der Mann dringend Medikamente benötigt, erinnert Witt. „Die Polizei dürfte den Mann nicht seiner Freiheit berauben sagte der Hauptkommissar zu mir“, berichtet der Greifswalder weiter. „Nach längerer Diskussion habe ich frustriert aufgelegt.“

Detlef Witt ließ den 71-Jährigen nicht im Stich. Mit Hilfe zweier hinzugekommener junger Männer brachte er den Mann zu seinem Auto, erzählt er. Allerdings gestaltete sich die Suche nach dem Obdachlosenheim schwierig. „Es war inzwischen dunkel und der Mann konnte mir nicht wirklich helfen, das Haus zu finden. Selbst dann nicht, als wir schon nahe am Ziel waren“, berichtet Witt.

Auch das Navigationsgerät des Autos war keine wirkliche Hilfe. „Ich habe die Obdachlosenunterkunft dank der Anwohner gefunden“, erzählt der Greifswalder und fügt hinzu: „Der Polizeibeamte hatte mir vorher am Telefon erklärt, am Gorzberg wäre nichts.“

OZ hat das für die Notrufe zuständige Polizeipräsidium Neubrandenburg gestern Vormittag um eine Stellungnahme zu diesem Vorfall gebeten. Sprecherin Katrin Kleedehn teilte am Nachmittag mit, dass der Sachverhalt noch geprüft werde. Dabei gehe es darum, ob der Anruf tatsächlich erfolgt sei und das Gespräch auch protokolliert wurde. Kleedehn kündigte für heute eine Stellungnahme an.

Eckhard Oberdörfer

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Polizisten sind damit beschäftigt, zu fahnden und Tatorte nach Spuren zu untersuchen. Dies nimmt viel wertvolle Zeit in Anspruch.“Yvonne Hanske, Polizei

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