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Camper sehen Erdbeerhof in der Pflicht

Hohenkirchen Camper sehen Erdbeerhof in der Pflicht

Unwetter auf dem Campingplatz in Hohenkirchen brachte eine Schlammflut / Urlauber fordern Maßnahmen

Hohenkirchen. Das Unwetter, das am 31. Mai über Hohenkirchen hinwegzog, hatte den Campingplatz „Liebeslaube“ zu großen Teilen geflutet und mit Schlamm überzogen. Besonders betroffen – der Bereich der Dauercamper (OZ berichtete). Viele der Urlauber sind sich ziemlich sicher, dass der heftige Regenfall nicht allein Ursache für die schmutzige Flut ist. Der Erdbeerhof Glantz, der auf einem benachbarten Hang Früchte anbaut, hat ihrer Meinung nach mit der Anordnung seiner Pflanzungen – senkrecht zum Hang – verschärfend dazu beitragen, dass das Wasser samt Erde ungehindert vom Feld hinunterschießen konnte.

Roland Sülzner (63), Dauercamper aus Wittstock/Dosse zeigt besorgt auf die immer noch sichtbaren Spuren, die die Schlammfluten hinterlassen haben. Er und seine Frau Marlies (64) verbringen seit sieben Jahren ihre Wochenenden und den Sommerurlaub auf dem Campingplatz. „Immer von Mai bis Mitte Oktober sind wir da“, erzählt Roland Sülzner. Ihre Nachbarn auf dem Campingplatz sind Wolfgang (66) und Edith Lüders (63). Sie campen schon seit 17 Jahren dort. „Die ,Liebeslaube’ ist unser zweites Zuhause“, erzählt Edith Lüders. „Wir sind sogar von Lübtheen nach Schwerin gezogen, um näher am Campingplatz zu sein.“

Die Sülzners und die Lüders lieben ihren Campingplatz – doch sie machen sich nach dem Unwetter große Sorgen. Auch wenn sie persönlich Glück hatten und durch höher gestellte Wagen und Vorzelte weniger betroffen waren. „Die Frage ist doch, wer die Schäden begleicht, die entstanden sind?“, fragt Sülzner. Der Versicherungsmakler, der kurz vor der Pension steht, weiß aus Erfahrung, dass eine Versicherung für Elementarschäden an Campingwagen oder Zelten kaum angeboten wird. „Den meisten hier“, sagt Sülzner, „bleibt nur die Haftpflicht. Und die zahlt Zeitwert. Nichts, womit man entstandenen Schaden, zumal wenn es sich um ältere Wohnwagen- und Vorzeltmodelle handelt, komplett ersetzen könnte“.

Jan van Leeuwen, Bürgermeister der Gemeinde und gleichzeitig Geschäftsführer des Erdbeerhofs Glantz, sperrt sich nicht grundsätzlich vor möglichen Schadensansprüchen gegenüber dem Erdbeerhof.

Trotzdem ist er der Meinung, dass die Überschwemmung der „Liebeslaube“ auch ohne Erdbeeranpflanzungen geschehen wäre. Der Boden, der als Schlamm über die Straße zum Campingplatz floss, stamme von einem frisch bearbeiteten Acker neben den bereits wachsenden Erdbeeren. Dort sei im Winter extra eine Zwischenfrucht angebaut worden, um den Boden zu halten. Vor dem Unwetter war das Bodenstück bearbeitet worden.

„So etwas wie diesen Regen“, sagt van Leeuwen, „habe ich hier noch nicht erlebt. „Ein Problem ist aber auch, dass der Platz keine ordentliche Entwässerung besitzt“, erklärt er weiter. Und fügt an:

„Den Betreiber dort trifft aber keine Schuld. Das ist schon bei der Anlage des Campingplatzes falsch gelaufen. Damals befand sich an der Stelle, die jetzt am schlimmsten betroffen ist, übrigens ein Löschwasserteich.“

Ob den Erdbeerhof eine Schuld an den Schäden, die den Campern entstanden sind, trifft, sollen nun die Versicherungen entscheiden. „Letztendlich muss deren Untersuchung klären, ob wir einen Schadensersatz leisten, oder ob es sich um ein unvorhersehbares Wetterphänomen gehandelt hat, bei dem Versicherungen zahlen“, erklärt van Leeuwen. Das sind Aussagen, die die Dauercamper der „Liebeslaube“ nicht wirklich beruhigen – und die sie letztlich auch nicht überzeugen. Der Campingplatz gehört zur gewachsenen Infrastruktur von Hohenkirchen, war lange vor dem Erdbeerhof da. Seit 1962 gibt es die ersten Ferienbungalows an diesem Platz. Wasser auf dem Campingplatz hat es zwar schon vorher immer mal wieder gegeben – „doch nie mit diesen Auswirkungen“, wie Edith Lüders sagt. Aus diesem Grund wollte Roland Sülzner vom Landwirtschafts- und Umweltministerium auch wissen, ob der Erdbeerhof nicht für eine ordnungsgemäße Entwässerung am Ende der neu angelegten Erdbeerreihen hätte sorgen müssen? Vom zuständigen Fachdienst des Landwirtschaftsministerium erhielt er eine kurze, lapidare Antwort, in der es unter anderem heißt: „Versäumnisse des Betriebes sind nicht erkennbar. Der Erdbeeranbau erfolgt nach den Grundsätzen der guten fachlichen Praxis.“

Auch damit können sich die Dauercamper nicht zufriedengeben. Sie finden, dass der Erdbeerhof – egal wie die Untersuchungen der Versicherungen ausgehen – eine besondere Verantwortung besitzt. Dass die Firma aus Gründen der Mitverantwortung für ein bereits vor ihrer Ansiedlung vorhandenes Umfeld handeln muss, bevor sie per Gesetz dazu aufgefordert wird. Jan van Leeuwen in seiner Doppelfunktion als Geschäftsführer des Erdbeerhofs und Bürgermeister der Gemeinde sehen die Camper in einer doppelten Pflicht.

• Bildergalerie und ein Video unter www.ostsee-zeitung.de

Annett Meinke und Malte Behnk

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