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„Das Verfahren wird nun noch schwieriger“

Westenbrügge/Güstrow „Das Verfahren wird nun noch schwieriger“

Tierschützer nahmen 13 Kätzchen aus privatem Gehege und kritisieren Behörde / Polizei prüft, ob Aktion Straftat war

Westenbrügge/Güstrow. „Die Situation verschlechtert sich zunehmend“, sagt Frank Steinmacher aus Westenbrügge ärgerlich und meint vor allem das Schicksal der vielen Katzen vom Nachbargrundstück, so, wie der 55-Jährige es sieht: „Ich habe gesehen, wie die Katze tot auf dem Hof lag – verhungert. Dann war die Polizei hier. Die Katze ist ja bewusst liegengeblieben, um der Polizei das auch zu zeigen. Dann war die Katze plötzlich verschwunden...“

OZ-Bild

Tierschützer nahmen 13 Kätzchen aus privatem Gehege und kritisieren Behörde / Polizei prüft, ob Aktion Straftat war

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So, wie vor ihr dreizehn lebende Kätzchen aus einem Außengehege der Nachbarin verschwunden waren. „Wir haben die Katzen rausgeholt, die Tierschützer“, erklärt dazu Karin Stüver, die Vorsitzende des Kühlungsborner Katzenschutzvereins. Sie hätten sich erst hier eingemischt, als ihnen von einer ehemaligen Friseurin der Nachbarin angezeigt worden sei, dass die Umstände für die Tiere auf dem Grundstück neben den Steinmachers „haltlos“ seien. „Wir haben da 13 Kitten rausgeholt, bis auf die Haut abgemagert“, betont Karin Stüver und begründet diese Aktion vom vergangenen Sonntag: „Es wurde der Zustand hier angezeigt von uns beim Veterinäramt – daraufhin ist nichts passiert. Dann haben wir die Staatsanwaltschaft eingeschaltet – das Verfahren wurde eingestellt. Die Staatsanwältin hatte nach Aktenlage ermittelt... . Wir wussten aber, dass es den Tieren hier nach wie vor schlecht geht. Dann haben wir uns an die Presse gewandt und weitere Zeugen schilderten die Zustände hier. Die alle haben gesagt, wir brauchen Bilder, wir brauchen Bilder – wie kriegt man denn Bilder, wenn man nicht reinkommt?“ „Rein“ wollte dann offenbar die „Tierdetektivin“ Judith Pein, eine ehemalige langjährige Mitarbeiterin im Peta-Rechercheteam und Freie Journalistin. Sie hatte sich nach Angaben der Katzenhalterin mit anderem Namen als Burmakatzen-Käuferin vorgestellt. Als deren Begleitung dann eine Burma-Katze als „Karthäuser“ bewunderte, wurde die langjährige Züchterin misstrauisch und schickte „Julia Hein“ wieder weg. Anschließend fuhr die Katzenhalterin für etwa eine halbe Stunde nach Krempin.

„Es blieb uns gar nichts anderes übrig... Das ist doch nicht das erste Mal, das Tierschützer dann sagen, okay, jetzt gehen wir mal selber gucken. Und bloß gut. Die Reihenfolge war ja, wir sind hinten aufs Grundstück gegangen und sofort, als wir das tote Kätzchen gesehen haben und den Zustand der anderen Katzen, haben wir die Polizei informiert“, schildert Karin Stüver den Ablauf der folgenden Aktion.

Noch bevor die Polizei eintraf, hätten die Tierschützer die Kätzchen in einen Korb gelegt und dann nach den Worten von Karin Stüver der Polizei gesagt: „Die Katzen haben wir sichergestellt, die müssen zum Arzt. Es ist Gefahr im Verzug.“ Zudem sei die Polizei gebeten worden, das Veterinäramt anzurufen, damit „die hierher kommen“. „Von der Polizei wurde uns jedoch gesagt, dass das Amt darauf verwiesen hätte, dass der Fall bekannt sei und während der Geschäftszeit gelöst werde“, erinnert sich Karin Stüver und ergänzt, dass sie am vergangenen Montag mit „Herrn Dr. Freitag vom Ministerium für Landwirtschaft und...“ telefoniert hätte. Der habe gesagt, dass er der Leiterin des Veterinäramtes in Güstrow „schon in der letzten Woche so eine Art Dienstanweisung geschrieben“ hätte, „dass dieser Fall jetzt zufriedenstellend zu lösen ist.“ Er sei nicht begeistert gewesen, dass das Fernsehen nun vor Ort war, erzählt die Wahlkühlungsbornerin Karin Stüver und bezieht sich auf Judith Pein, die über diesen Westenbrügger Fall für die Vox-Sendung „hundekatzemaus“ einen Beitrag produziert, der voraussichtlich im Oktober gesendet werden soll.

Judith Pein sagt dazu am OZ-Telefon, dass ihr ein Tierarzt, der „über zehn Stück“ der Kätzchen untersucht hätte, in die Kamera spricht. Ein paar der Kätzchen seien in einem „etwas besseren Zustand“

gewesen, aber ein paar andere hätten „wahrscheinlich keine zwei Tage mehr überlebt“: „Sie hatten starke Bindehautentzündung – Katzenschnupfen sagt man ja – sie waren dehydriert, unterernährt, total verwurmt. Die Zustände in dem Haus sind unhaltbar. Reinliche Tiere in solchen Zuständen zu halten, das geht auch gar nicht.“ Sie habe der Katzenhalterin angeboten, bei einer Entrümpelung der Wohnung zu helfen, dafür solle sie aber Katzen abgeben. Das hätte die Züchterin jedoch abgelehnt. Judith Pein hatte zuvor der Katzenhalterin ihren wahren Namen genannt und war dann sogar gemeinsam mit zwei der drei anwesenden Polizisten durch das Haus mit den vielen Katzen gegangen (vom Veterinäramt waren Ende Mai 40 Tiere gezählt worden ).

„Die Polizisten kümmerten sich zunächst nicht darum, dass mir 13 Kitten gestohlen worden waren, sondern sagten nur, sie wollten das Haus sehen, da sollen tote Tiere liegen. Ich habe es ihnen gezeigt, weil ich mich ja nicht verdächtig machen will“, berichtet die Westenbrügger Katzenhalterin. Ihre Kätzchen waren derweil von den Tierschützern abtransportiert worden. Eine Reddelicherin, die dabei war, sagt: „Ja, die Babys wurden rausgeholt, ein totes war dabei. Das habe ich gesehen – ich arbeite mit den Tierschützern zusammen. Aber ich habe die Katzen nicht aus dem Zwinger rausgeholt, ich habe sie dann beim Nachbarn mit eingepackt und habe bei einer vereiterte Augen gesehen.“

„Aufgrund des Verdachts der unberechtigten Wegnahme der Katzen“ und der Beschädigung eines Gehegezauns, seien Anzeigen wegen Diebstahls, Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung aufgenommen worden, teilt der Sprecher der Polizeiinspektion Güstrow, Gert Frahm, dazu mit. Die Tatbestände würden nun geprüft. „Die Zustände sind schlimm da“, meint er noch.

Der Pressesprecher des Landkreises Rostock, Michael Fengler, bekräftigt seine Erklärung von Mitte Juni (OZ berichtete): der ungewöhnlich große Katzenbestand müsse reduziert werden, die Zuchtgenehmigung sei ausgesetzt worden, die Katzen müssten kastriert werden, es werde monatlich kontrolliert. Weiter sagt er: „Allerdings wird seit fast einer Woche die Arbeit der Veterinärbehörde von den sogenannten Tierschützern behindert. Es werden unbelegte Behauptungen in die Welt gesetzt. Dem Veterinäramt ist es nicht ermöglicht worden, die Tiere, die dort weggenommen wurden, in Augenschein zu nehmen. Es wurde der Behörde nicht mitgeteilt, wo die Tiere sich befinden, von welchem Tierarzt sie untersucht wurden und mit welchem Ergebnis.“ Doch die Behörde arbeite weiter mit der Besitzerin. Michael Fengler: „Das Hauptproblem jetzt ist, dass dort Straftaten im Raum stehen. Das macht das ohnehin schwierige Verfahren noch schwieriger.“

Thomas Hoppe

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