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Der Kampf gegen die Flammenhölle

Grimmen Der Kampf gegen die Flammenhölle

Rund 400 Grad Celsius sind keine Seltenheit, wenn Einsatzkräfte der Feuerwehr in ein brennendes Objekt gehen

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In dem Brandmobil gab es mehrere Szenarien. Hier brennt direkt neben den Einsatzkräften der Treppenaufgang. Fotos (6): Raik Mielke

Grimmen. Ein brennender Treppenaufgang, ein Raum, in dem mehrere Einrichtungsgegenstände in Flammen stehen und Gasflaschen, die aufgrund des Brandes zu explodieren drohen – mit diesem überaus gefährlichen Einsatzszenario hatten es zahlreiche Feuerwehrleute zu tun.

OZ-Bild

Rund 400 Grad Celsius sind keine Seltenheit, wenn Einsatzkräfte der Feuerwehr in ein brennendes Objekt gehen

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Der Brandsimulator

Trainiert werden können unter realistischen Bedingungen (Hitze, Rauch, Wasserdampf) Wohnungs-, Keller-, Büro- und Gasflaschenbrände und der Flashover.

Für den Betrieb findet Propangas Verwendung. Es gibt eine Gas- und Temperaturüberwachung sowie die realistische Brandatmosphäre bei bis zu 700 Grad Celsius Deckentemperatur und eine Vernebelung durch nicht-toxischen Heißrauch.

Als die ersten beiden Feuerwehrleute unter Atemschutz die Außentür öffnen, peitschen die Flammen bereits im Treppenhaus. Schnell beginnen die Kameraden den Löschangriff und arbeiten sich Meter für Meter in das Objekt vor. Im Wohnzimmer angekommen spitzt sich die Lage zu. Mit einem Strahlrohr kämpfen die Feuerwehrleute gegen mehrere Brandherde an. „Im Objekt sind sicher 400 Grad Celsius. Es gilt, die Temperatur runter zu kühlen und den Brand zu löschen“, erklärt Grimmens Wehrführer Olaf Clasen, der in Funkkontakt zu den Einsatzkräften ist.

Als die Flammen einigermaßen unter Kontrollen scheinen und sich die Retter weiter in den Raum begeben, werden sie von einer Feuerwalze zurückgedrängt, dem sogenannten Flash-Over. Eine Viertelstunde wüten die Flammen nur wenige Zentimeter neben den Feuerwehrleute, eher der Brand gelöscht ist.

Plötzlich geht das Licht an und hinter einer feuerfesten Scheibe kommt ein Kontrollraum zum Vorschein. „Kommt raus zur Auswertung“, lautet die Ansage an die beiden Einsatzkräfte. Schweißgebadet und mit deutlich erhöhtem Puls brauchen die beiden Kameraden Martin Pollex und Sven Gutzmer einige Minuten, um sich von den Strapazen zu erholen. Es war nur eine Übung für die beiden Grimmener Feuerwehrmänner.

163 Atemschutzgeräteträger haben so innerhalb von fünf Tagen die Ausbildung in der Brandübungsanlage durchlaufen. „Der Landkreis hat uns 35 000 Euro zur Verfügung gestellt, um an drei Standorten diese überaus realitätsnahe Ausbildung durchzuführen“, erklärt Olaf Clasen. Nachdem die Anlage bereits Halt in Bergen und Klockenhagen machte, hatten nun die Retter aus Grimmen und von den umliegenden Wehren die Gelegenheit, den Löschangriff in einem brennenden Objekt mit echten Flammen und realistischen Temperaturen von rund 400 Grad Celsius zu trainieren. „Dieses Training ist für unsere Atemschutzgeräteträger unglaublich wichtig“, betont Clasen und bedankt sich, dass so viele ehrenamtliche Feuerwehrleute in ihrer Freizeit dieses kräftezehrende Training wahrgenommen haben, sowie beim Kreisfeuerwehrverband Vorpommern-Rügen.

Der Übungscontainer kommt aus dem Berliner Raum und ist nahezu ganzjährig europaweit unterwegs, um Feuerwehrleute ein authentisches Training zu ermöglichen. Da dies logistisch eine Herausforderung in Sachen Vorbereitung war, wurde für die Durchführung das Team des Feuerwehrfachhandels Steffen Richardt aus Grimmen beauftragt.

Für die Feuerwehrleute war es eine unglaublich lehrreiche Erfahrung. „Wir haben mit jedem eine Vorbesprechung und eine Auswertung gemacht, um auch einen Lerneffekt zu haben“, erklärt Clasen und betont: „Ein besseres Training gibt es nicht, weil jeder Schritt aus dem Kontrollraum verfolgt werden kann.“ An allen drei Orten wurden so über 300 Retter ausgebildet.

Die Gewalt der Feuerwalze: Was ist ein Backdraft?

Backdraft bedeutet zu deutsch ein explosionsartiges Entzünden von Rauchgasen.

Kommt es in einem geschlossenen Raum zu einem Brand, der jedoch mangels Sauerstoff bald wieder erlischt, bleiben in dem Raum dennoch brennbare Gase und Dämpfe. Durch langsame Abkühlung des Raumes verlieren diese Gase an Volumen, es entsteht ein Unterdruck. Wird nun die Tür geöffnet, so wird durch den Unterdruck frische Luft von außerhalb „angesaugt“ und das Gemisch ist fortan zündfähig. Wenn nun noch eine Zündquelle vorhanden ist (z.B. Glutnester), explodiert das Gemisch.

Der entstehende Unterdruck und die stärkere Explosion sind deutliche Unterscheidungskriterien zur „normalen“ Rauchdurchzündung (Roll-Over) oder dem so genannten Flash-Over.

Raik Mielke

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