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Der gegenseitige Halt war nie größer

Groß Kiesow Der gegenseitige Halt war nie größer

Dorfgemeinschaft von Groß Kiesow bewältigt Unfalltragödie gemeinsam / Gedenkfeier mit 300 Teilnehmern

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Hunderte drängten sich in die kleine Dorfkirche von Groß Kiesow, um an der Gedenkfeier teilzunehmen. Fotos (3): Tilo Wallrodt

Groß Kiesow. Hunderte Teelichter, dazu vier Milchkannen voller Sonnenblumen – in der kleinen Dorfkirche von Groß Kiesow erinnern sie am Montagabend während einer Gedenkfeier an die vier Todesopfer des furchtbaren Autounfalls, der sich am Sonnabend in dem 500-Seelen-Ort ereignet hat (die OZ berichtete). Über 300 Menschen sind in die Kirche gekommen: Die Plätze reichen nicht aus. Deshalb stehen auch im Mittelgang, auf der Empore und vor der Kirche Trauernde. Viele weinen und halten sich in den Armen.

OZ-Bild

Dorfgemeinschaft von Groß Kiesow bewältigt Unfalltragödie gemeinsam / Gedenkfeier mit 300 Teilnehmern

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Die Gedenkfeier will Pfarrer Andreas Schorlemmer als Klage ob des Verlustes verstanden wissen. Alle Opfer seien in Groß Kiesow bekannt und sehr beliebt gewesen. Deshalb sei auch für eine Anklage gegen die Fahrerin des Unfallwagens an diesem Abend kein Platz im Gotteshaus.

Bei dem Unfall am Sonnabend um 2.35 Uhr war ein mit sechs Personen besetztes Auto kurz vor dem Ortsausgangsschild von Groß Kiesow mit hoher Geschwindigkeit gegen einen Baum gerast. Vier Insassen starben: die 20-jährige Fahrerin und ihr Vater aus dem niederländischen Borne sowie ein 49-Jähriger aus dem Dorf und ein 25-jähriger Greifswalder. Zwei weitere Niederländer, 20 und 27 Jahre alt, wurden mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Greifswalder Uniklinikum gebracht.

Derzeit prüft die Staatsanwaltschaft Stralsund zusammen mit der Dekra die Ursachen des Unfalls. Dazu gehört auch die Klärung der Frage, ob die Fahrerin unter Alkoholeinfluss stand. „Spätestens Anfang nächster Woche werden wir die Untersuchungen abschließen und Ergebnisse bekanntgeben können“, sagte gestern der stellvertretende leitende Oberstaatsanwalt Sascha Ott in Stralsund.

Pfarrer Andreas Schorlemmer ermutigte unterdessen während der Gedenkfeier die Dorfgemeinschaft zum Erinnern an gemeinsame schöne Erlebnisse, um die Trauer zu bewältigen. Mit warmherzigen Worten sprach er von Jan und Esmee, die sich im Ort „zu Hause fühlten“ sowie von Andreas und Mark, die in der Region zu Hause waren. Musiker Michael Turban stimmte dazu „Du bist Meer“ und sein Lied von den Regenbogenfarben an.

Im niederländischen Borne, wo die Opfer und Schwerverletzten herstammen, hat man ebenfalls mit riesiger Anteilnahme auf den Unfall reagiert und den betroffenen Familien Unterstützung zugesagt. Marjan Rakers, die Mutter des schwerverletzten Jard, dankte dem Dorf für den Zusammenhalt in diesen schweren Stunden. „Es hat mich sehr bewegt zu sehen, wie groß die Anteilnahme ist. Und ich ziehe den Hut vor den Leistungen der Rettungskräfte, die Großes vollbracht haben“, ergänzt sein Vater Eddy G. Rakers. Seine Frau und er hätten am Sonnabend noch beim Frühstück gesessen, als ihnen die Polizei die schlimme Nachricht überbracht habe. „Wir konnten das Ausmaß der Tragödie nicht begreifen“, sagt er. Die Eltern waren noch am Unfalltag aus dem 600 Kilometer entfernten Borne angereist und wachen seitdem am Bett ihres Kindes. Die Ärzte im Klinikum würden alles tun, damit sein Sohn und dessen Freundin wieder gesund werden. „Wir wissen sie hier in den besten Händen und sind dankbar dafür, dass wir Hoffnung schöpfen dürfen“, sagt der 63-Jährige. Nach Aussage der Ärzte bestehe bei beiden keine Lebensgefahr mehr.

Als Eddy Rakers gestern gegen 11.30 Uhr von seiner Frau erfuhr, dass Jard erstmals nach dem Unfall wieder die Augen geöffnet habe und auch auf bestimmte Reize reagiere, kann er die Tränen nicht zurückhalten. „Ich bin unendlich froh. Die Ärzte haben gesagt, es geht in ganz kleinen Schritten aufwärts. Jeder davon führt unseren Sohn zurück ins Leben“, fügt er an.

In Groß Kiesow ist seit dem Unfall vieles anders: Das Gemeinschaftsgefühl im Dorf ist stärker denn je. „Die Menschen geben sich gegenseitig Halt, um das unfassbare Unglück gemeinsam zu bewältigen“, schätzt Pfarrer Andreas Schorlemmer ein.

Cornelia Meerkatz

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