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Dramatischer Anstieg: 6170 Unfälle

Stadtmitte Dramatischer Anstieg: 6170 Unfälle

Verkehrsunfallstatistik 2015 für Rostock veröffentlicht / Mehr Crashs und deutlich mehr Schwerverletzte / Ältere Personen zunehmend als Verursacher und Verunglückte beteiligt / Unaufmerksamkeit ist Ursache Nummer eins

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Stadtmitte. Trauriger Rekord: Erstmals innerhalb der vergangenen zehn Jahre gab es in Rostock mehr als 6000 Verkehrsunfälle. 2015 ereigneten sich insgesamt 6170 Unfälle mit 90 Schwer- und 709 Leichtverletzten, ein Mensch starb.

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Verkehrsunfallstatistik 2015 für Rostock veröffentlicht / Mehr Crashs und deutlich mehr Schwerverletzte / Ältere Personen zunehmend als Verursacher und Verunglückte beteiligt / Unaufmerksamkeit ist Ursache Nummer eins

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„Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahr. Um knapp acht Prozent bei den Unfällen und um 40 Prozent bei den Schwerverletzten“, sagt Polizeidirektor Michael Ebert sehr besorgt. Trotz verbesserter Straßeninfrastruktur sowie Fahrzeugtechnik und verschiedenster präventiver Maßnahmen spiele der Faktor „Mensch“ bei Unfällen eine immer größere Rolle. Hauptunfallverursacher seien PKW-Führer und Radfahrer, zitiert Ebert aus der Unfallstatistik 2015. Fast täglich ereigne sich ein Unfall mit Fahrradfahrern.

Eine Risikogruppe bilden nach wie vor junge Autofahrer zwischen 18 und 25 Jahren. Sie verursachten 2015 neun Prozent aller Unfälle in der Stadt. Doch analog der demografischen Entwicklung sind auch ältere Menschen zwischen 65 und 74 Jahren häufig in Unfälle verwickelt, sowohl als Verunglückte als auch als Verursacher, 14 Prozent aller Unfälle gehen auf das Konto dieser Altersgruppe.

„Rostock wird größer, enger und älter“, betont Finanzsenator Chris Müller (SPD). Das schlage sich auch in der Unfallstatistik nieder. Immer mehr Verkehrsteilnehmer würden sich einen beschränkten Verkehrsraum teilen, bemerkt Müller. „Stadtverwaltung und Polizei können mit Kontrollen, veränderter Beschilderung oder dem Umbau von Kreuzungen einiges zur Verbesserung der Verkehrssicherheit beitragen“, sagt der 1. Stellvertreter des Oberbürgermeisters, letztlich käme es jedoch auf die Verkehrsteilnehmer an. „Wer sich dauernd von Handys oder Kopfhörermusik ablenken lässt, wer zu schnell und aggressiv fährt, wer rote Ampeln missachtet, der darf sich nicht wundern, wenn es irgendwann knallt.“

Unaufmerksamkeit sei inzwischen zur Unfallursache Nummer eins geworden, gefolgt von Nichtbeachten der Vorfahrt und ungenügendem Sicherheitsabstand, pflichtet Polizeichef Ebert dem Senator bei. Zudem werde nach wie vor zu schnell und auch unter Alkoholeinfluss gefahren.

844 Kontrollen hat die Polizei im vergangenen Jahr in Rostock durchgeführt und dabei 33809 Fahrzeuge angehalten. Festgestellt wurden fast 17000 Ordnungswidrigkeiten. In 4555 Fällen wurde die Geschwindigkeit überschritten, 539 Fahrer hatten Alkohol oder Drogen konsumiert, 928 hatten das Handy am Ohr. In 1870 Fällen ahndeten die Beamten das Fahren ohne Sicherheitsgurt und 753 Mal das Überfahren der roten Ampel. Letzteres wird nach Angaben der Polizei häufig am Werftdreieck beobachtet, deshalb wird die Stadt dort nach Auskunft von Müller in den nächsten Wochen einen stationären Blitzer installieren. Diese Kreuzung gilt auch als besonderer Unfallschwerpunkt.

Seit 2011 führt die Polizeiinspektion Rostock eine Unfalltypenkarte, die ein genaues Verkehrslagebild für die Hansestadt darstellt. Diese Statistik wird viermal im Jahr in der Unfallkommission von Stadt und Polizei ausgewertet, um geeignete Maßnahmen zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr zu treffen. Als besondere Unfallschwerpunkte haben sich 2015 der Holbeinplatz mit 36 Unfällen, die Kreuzung der L22 Am Strande und Warnowstraße/Gaffelschonerweg mit 31 Unfällen sowie der Vögenteichplatz mit 26 Crashs herauskristallisiert. Auch in Lütten Klein an der Kreuzung Warnowallee/St. Petersburger Straße und in der Südstadt Südring/Erich-Schlesinger-Straße kracht es häufig.

Mit verkehrslenkenden Eingriffen sei die Stadt fast am Limit, sagt der Senator und fordert von allen Verkehrsteilnehmern künftig mehr Rücksicht und Aufmerksamkeit ein. Die traurige Unfalltendenz hält indes an. In diesem Jahr gab es bisher schon vier Verkehrstote in Rostock. Zwei tödliche Unfälle ereigneten sich am Fußgängerüberweg in der Werftallee in Groß Klein. „Eine dünn befahrene Straße, kein Unfallschwerpunkt“, sagt Müller. Dennoch wurde schnell reagiert, die Beleuchtung am Überweg verbessert, auch der Straßenbelag davor soll verändert werden.

Entwicklung seit 2006

5414 Verkehrsunfälle gab es 2006, bei denen neun Menschen getötet und 924 verletzt wurden, 81 davon schwer. 2013 waren es 5837 Unfälle mit drei Toten und 714 Verletzten (60 schwer).

6170 Verkehrsunfälle wurden 2015 in Rostock registriert. Nachdem es 2014 keinen Verkehrstoten gab, ging im vergangenen Jahr ein Unfall tödlich aus, 800 Menschen wurden verletzt, 90 von ihnen schwer. Von den Unfällen mit Personenschaden wurden 302 durch Unaufmerksamkeit verursacht.

Von Doris Kesselring

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