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Dreieinhalb Jahre Haft nach Angriff auf Frau und Tochter

Stadtmitte Dreieinhalb Jahre Haft nach Angriff auf Frau und Tochter

Betrunken und mit einem Messer hat Detlef N. (52) seine Familie in Biestow angegriffen / Erst die Polizei konnte ihn mit Schüssen stoppen / Er muss nun in eine Entziehungsanstalt

Stadtmitte. Nur durch Schüsse von der Polizei konnte Detlef N. (52) im August des vergangenen Jahres gestoppt werden. Die Bilder gingen durch die Medien. Es war ein Familiendrama in der Wohnsiedlung Biestow: Angetrunken ging N. mit einem Messer auf seine Frau und seine Tochter los. Er verletzte sie leicht. Gestern ist der 52-Jährige am Landgericht nun zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Der Vorsitzende Richter ordnete die Unterbringung des Mannes in einer Entziehungsanstalt an.

 

Schon einmal hat N. jemanden mit einem Messer verletzt: Er attackierte einen unbekannten Mann und soll gesagt haben: „Ich bin Frank Schöbel, willst Du sterben?“, schildert der Vorsitzende Richter bei der Urteilsverkündung. Zuvor war N. im Jahr 2014 wegen Trunkenheit am Steuer und Fahren ohne Führerschein zu einer sechsmonatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

N. habe einen Hang zum übermäßigen Alkoholkonsum und leide unter depressiven Episoden, so der Richter weiter. Auch deshalb sei es zwischen dem Angeklagten und seiner Frau Cornelia N. zum Zerwürfnis gekommen: Er musste aus dem gemeinsamen Haus in Biestow ausziehen.

Nachdem N. im August 2015 aus einer Entziehungsklinik flog, weil er Alkohol eingeschmuggelt hatte, fand er jedoch wieder Unterschlupf bei seiner Frau — und bezog das Gästezimmer. Dann kam es erneut zum Streit, schildert der Richter. N. habe gegen die Abmachung verstoßen, keinen Alkohol mehr zu trinken. Etwa 1,95 Promille soll er zur Tatzeit im Blut gehabt haben.

Der Mann habe seine Ehefrau zunächst gewürgt und ihr ein Kissen auf das Gesicht gedrückt. Als die Frau sich wehrte, sei er mit einem 26,5 Zentimeter langen Küchenmesser zurückgekehrt und habe gedroht, sie umzubringen. Die gemeinsame Tochter Mareike N. habe die Rufe ihrer Mutter gehört und sei ihr zur Hilfe gekommen. Bei dem Gerangel seien beide Frauen an der Hand verletzt worden, sie konnten zu einer Nachbarin fliehen. Daraufhin habe der Familienvater sie verfolgt und sich mit einem weiteren, 42,7 Zentimeter langen Messer bewaffnet. Damit sei er auf die herbeigerufenen Polizisten zugegangen. Ein Beamter habe den Mann mit zwei Schüssen auf die Beine gestoppt.

Ursprünglich war der 52-Jährige wegen versuchten Totschlags angeklagt worden. Nach Aussagen von Ehefrau und Tochter habe er aber keine Tötungsabsicht gehabt. Deshalb sei er wegen Körperverletzung und gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden, so der Richter. Die Staatsanwaltschaft forderte eine Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten, die Verteidigung zwei Jahre und zwei Monate.

Einig waren sich die Prozessbeteiligten, dass eine Unterbringung in einer Suchteinrichtung erfolgen müsse, da von dem einschlägig vorbestraften Angeklagten sonst weitere Straftaten unter Alkoholeinfluss zu erwarten seien. Strafmildernd sei gewertet worden, dass N. die Tat äußerlich zugegeben hat — auch wenn er über die inneren Motive bis zuletzt geschwiegen hat, so der Richter.

Bereits bestraft sei der Angeklagte auch, weil er wegen der Schussverletzung bleibende Schäden am Knie davongetragen habe. Nicht strafmildernd wertet der Richter hingegen die Entschuldigung des Angeklagten bei seiner Frau. Diese sei nicht überzeugend, da er sich am Telefon der Frau gegenüber anders geäußert habe. Sie sei mitschuldig.

Am Montagvormittag soll der Mann aus seiner Haft in eine Entziehungsanstalt gebracht werden.

Von André Wornowski

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