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Ein Polizist zum Anfassen

Barth Ein Polizist zum Anfassen

Nach 35 Jahren Polizeidienst und 22 Jahren als Kontaktbeamter geht Hartmut Kühl in den Ruhestand

Barth. Ein bisschen geschafft klingt er schon, Hartmut Kühl, bekannter Freund und Helfer in der Vinetastadt, an seinem letzten Arbeitstag. Doch nicht die 35 Jahre im Polizeidienst, die nun hinter dem 60-Jährigen liegen, sind der Grund dafür. „Ich muss noch die ganzen Geschenke aus dem Auto holen“, seufzt er mit einem Lächeln nach der Abschiedsfeier im Barther Hafen. Die Länge der Gästeliste konnte sich mit dem Berg der Präsente durchaus messen. Zur Verabschiedung mit Übergabe der Versetzungsurkunde in den Ruhestand waren unter anderem der Leiter der Polizeiinspektion Stralsund, Michael Peters, Barths Bürgermeister Stefan Kerth, der Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Barth, Martin Maak, und ehemalige Kollegen gekommen.

Schon seit frühester Kindheit wollte Hartmut Kühl zur Polizei. „Mein Vater war ja Polizist und das fand ich schon immer cool.“ Ab 1981 war Kühl dann „cool“ und seit 1994 Kontaktbeamter. Zunächst noch viel zu Fuß in den Straßen der Stadt unterwegs, erhöhte der „Polizist zum Anfassen“ mit sichtbarer Präsenz das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung, wurde zum vertrauten Ansprechpartner vieler Bürger und pflegte die Beziehungen zu Behörden, Unternehmen, Geschäften, Schulen, Kitas, Kirche, Vereinen oder Klubs. „Der persönliche Kontakt zu Menschen, der Umgang mit ihnen ist ein Grundprinzip meiner Lebensweise“, erklärt Kühl. „Für mich war es immer wichtig, mit der breiten Masse der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen, sie zu beraten, ihnen einfach nur mal zuzuhören.“

In den 22 Jahren, in denen er als Kontaktbeamter durch Barth streifte, hat sich an den Sorgen und Fragen der Bürger wenig verändert, ist sein Eindruck. Allerdings, und da klingt ein wenig Bedauern durch, bliebe wegen der wachsenden Aufgabendichte und immer höheren rechtlichen und fachlichen Anforderungen an einen Polizeibeamten immer weniger Zeit für den persönlichen Kontakt zum Bürger.

Schließlich wollte auch immer die ganz normale Polizeiarbeit erledigt werden, „jedes Jahr über 100 Ermittlungen bei Verkehrsordnungswidrigkeiten“, rechnet Kühl nach, hinzu kamen Aufenthaltsermittlungen, Absicherung von Veranstaltungen, gelegentliche Unterstützung der Dienstschichten und ein weiteres Steckenpferd des Polizeihauptmeisters, die Prävention. Das Projekt „Sicher im Sattel“ trägt Hartmut Kühls Gesicht, es soll unter anderem Fahrraddiebstählen vorbeugen.

Wer kommt nach Kühl und was kommt für Kühl danach? „Mit Polizeioberkommissar Ingo Latwat erfüllt sich mein Wunsch nach einem würdigen Nachfolger“, erklärt Hartmut Kühl. Mit ihm war er in den letzten Tagen durch die Stadt gefahren, hatte Informationen und Erfahrungen weitergegeben. Dann hatte er sein Büro geräumt und anschließend ganz feierlich den großen Schlüssel seinem Nachfolger übergeben. „Das war schon cool. Ich werde nun ganz einfach meinen Ruhestand genießen und mich um meinen Trabant kümmern.“ Natürlich wird man ihn in der Stadtvertretung sehen, auch als Moderator des Tonnenabschlagens und des Aktionstages „Sicher im Sattel“ mit dem Polizeiorchester. Kühl ist klar, dass man den Schalter nicht einfach umlegen kann. „So ganz a.D. bin ich innerlich noch nicht“, gibt er zu.

Susanne Retzlaff

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