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Eine Spritztour mit der Polizei

Peenemünde Eine Spritztour mit der Polizei

Fahrtraining mit Streifenwagen auf Peenemünder Flugplatz

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Olaf Braun hatte vier Polizeischüler an Bord, während er mit seinem BMW das Ausbrechen der Hinterachse trainiert.

Peenemünde. Ausschreitungen am Schweriner Bahnhof: Hansa-Fans sind auf Anhänger von St. Pauli gestoßen. Jetzt muss es schnell gehen. Michael Wendt schaltet sein Funkgerät ein und gibt das Kommando: „Wir verlegen sofort Kräfte über die A 20. Bitte im Verband fahren und Blaulicht an.“ Die Kolonne hinter ihm wird immer schneller. Das Tacho steht bei 100 km/h. Wendt drosselt seinen Nissan und greift wieder zum Funkgerät: „Die Lage am Bahnhof hat sich beruhigt. 500 Personen sind in Gewahrsam. Jetzt fahren wir nach Rostock zum Ostseestadion.“

OZ-Bild

Fahrtraining mit Streifenwagen auf Peenemünder Flugplatz

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Hier trainiert auch das LKA

Die Trainingsstrecke in Peenemünde kann das ganze Jahr über genutzt werden. Auf der Fläche befinden sich zahlreiche Slalomkurse, Gleitflächen und bewässerte Areale.

Geschult werden hier alle Beamten und Angestellten der Landespolizei M-V, Kräfte des Landeskriminalamtes (LKA) und die Fahrbereitschaft des Innenministeriums.

Schwerin und Rostock trennen hier nur 400 Meter – wir sind mitten im Fahr- und Sicherheitstraining der Landespolizei auf dem Flugplatz Peenemünde. Wendt, einer von drei Fahrinstruktoren, schult heute mit seinen Kollegen zwölf Polizeimeisteranwärter und Polizeikommissaranwärter im Alter von 17 bis 35 Jahren. Im August 2016 haben sie ihre Ausbildung in der Polizeifachhochschule Güstrow begonnen.

Nun geht es um die Berechtigung zum Führen von Dienstkraftwagen. „Die Fahrzeugbeherrschung gehört zum Handwerk des Polizeibeamten“, betont Wendt. Eine Woche Theorie, zwei Tage Fahrschule, zwei Tage Fahrtraining und ein Tag Prüfung braucht es, damit die jungen Polizisten ans Steuer dürfen. „Zum Fahrtraining kommt hier das Einbeziehen von taktischem Handeln, wie Anhalteübungen oder Abdrängen von Fahrzeugen. Entscheidend ist, dass sie ihr Limit erkennen und an Grenzen gehen. Sie müssen später Fahrsituationen unter Stress mit Blaulicht, Signalhorn und mündlichen Aufträgen bewältigen“, so der Polizeihauptmeister, der mit seinen Kollegen Olaf Braun und Sven Römer im Jahr rund 750 Polizisten des Landes mit Pkw und Motorrad auf dem Areal an der Nordspitze der Insel trainiert. Und dann steht auf dem Programm: Slalom, Rangieren, Bremsen, Kurventraining, Nachttraining oder Hochgeschwindigkeitsfahrten für Spezialeinheiten. Mittlerweile kommen auch schon Beamte aus Thüringen und Niedersachsen hier her.

Lehrräume und Kantine vor Ort

Dank des Vermieters Roland Grapenthin kann die Polizei inzwischen im Verwaltungsgebäude am Flugplatz auf Lehrräume, eine Kantine und Unterbringungsmöglichkeiten zurückgreifen. „Die Bedingungen hier sind ideal“, sagt Olaf Braun und steigt in seinen grauen BMW. Hinten nehmen Christin (32) und Kyra (19) Platz. Sie tragen einen Helm. Schließlich wird der Wagen gleich mächtig ins Schlingern kommen – nicht ungewöhnlich bei einer Fahrt über eine feste Schneedecke. Damit vergleicht Wendt den Streckenabschnitt auf dem Flugplatz, der mit Epoxidharz versehen ist. Wenn dann noch Wasser dazu kommt, wird es richtig glatt. „Das macht echt Spaß“, sagt Kyra nach dem Training. Die 19-Jährige aus Ribnitz-Damgarten hat sich nach dem Abi bei der Polizei beworben. „Eigentlich wollte ich Auslandskorrespondentin werden, doch Journalismus war nicht mein Ding“, erzählt sie in einer kurzen Pause und setzt ihren Helm auf. Wendt bittet zur Kolonnenfahrt. Neben Kyra nimmt Christin Platz. Für die 32-Jährige aus Kühlungsborn war Polizistin schon immer ihr Traumberuf. Dass sie ihn jetzt, 16 Jahre nach ihrer ersten Bewerbung erlernen kann, freut sie besonders. Mit 16 hatte sie sich beworben. „Damals bin ich im Test gescheitert. Ich habe dann eine Ausbildung als Restaurantfachfrau gemacht. Nun habe ich es geschafft“, sagt sie, steigt in den Passat und fährt los. Rostock, Schwerin – wer weiß, wohin Michael Wendt seine Schützlinge diesmal führt.

Henrik Nitzsche

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