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Erneut zwei junge Afrikaner in Wismar beschimpft

Wismar Erneut zwei junge Afrikaner in Wismar beschimpft

Mitarbeiter vom Verein „Das Boot“ erlitt Faustschlag / Polizei stellte 22-Jährigen aus der Hansestadt / Bürgermeister betroffen vom Angriff

Wismar. Zu einer Auseinandersetzung zwischen Deutschen und Ausländern kam es am vergangenen Sonnabend in der Rudolf-Breitscheid-Straße in Wendorf, teilte die Polizei gestern mit. Gegen 17.15 Uhr lud ein schwedischer Mitarbeiter des Wismarer Vereins „Das Boot“ mit zwei Eritreern, 19 und 21 Jahre alt, gespendete Möbel von einem Anhänger. Das Trio sei von vorbeigehenden Jugendlichen lautstark angepöbelt und beleidigt worden. Einer habe dann dem 53-jährigen Schweden mit der Faust ins Gesicht geschlagen, ein weiterer plötzlich ein Messer gezogen. Der Mitarbeiter flüchtete mit den beiden Afrikanern in einen Hauseingang. Von dort sahen sie, wie Reifen vom Transporter und Anhänger zerstochen wurden. Anschließend entfernten sich die Jugendlichen in Richtung Netto-Markt. Dort auf dem Parkplatz stellte die Polizei kurz darauf einen 22-jährigen Wismarer, auf den die Beschreibung passte, die der Geschädigte gegeben hatte. Die Beamten nahmen den Mann mit aufs Revier, um den Alkoholwert in seinem Blut festzustellen. Jetzt ermittelt der Staatsschutz in Schwerin.

Bereits am Dienstag voriger Woche war eine Gruppe von Afrikanern in der Wismarer Altstadt von mehreren Männern rassistisch beleidigt worden. Die Polizei prüft, ob es einen Zusammenhang zwischen den Taten gibt, teilte eine Sprecherin mit. Zudem suchen die Ermittler Zeugen des Vorfalls in Wendorf. Hinweise nehmen jede Polizeidienststelle und die Internetwache unter www.polizei.mvnet.de entgegen.

„Anwohner oder sich dort zufällig aufhaltende Passanten haben diesen Übergriff miterlebt und waren ebenfalls entsetzt über diesen Vorfall“, berichtet Sandra Rieck vom Vorstand des Vereins „Das Boot“.

„Noch größer aber ist der Schock der Menschen, die hier in Wismar aufgrund des menschenfeindlichen Regimes in Eritrea Schutz suchen.“ Seit Wochen sei laut Rieck eine feindliche Stimmungsmache gegen Asylsuchende in Wismar zu verzeichnen. Menschen mit dunkler Hautfarbe würden auf offener Straße angespuckt.

Auch ehrenamtliche Helfer sähen sich Ressentiments ausgesetzt. „Stattdessen wird aus breiten Teilen der Gesellschaft scheinheilig argumentiert, dass Einheimische zu wenig Unterstützung fänden und nicht ,zu kurz‘ kommen dürften. Mit den mutwillig zerstörten Fahrzeugen wurden am selben Tag und regelmäßig auch Möbelspenden für deutsche Obdachlose in ihre neue Wohnung transportiert. Für die Begleitung und Hilfe von Menschen mit psychischen Behinderung werden die Fahrzeuge täglich benötigt. Dagegen richtete sich dieser kriminelle und rassistische Angriff ebenso“, erklärt Sandra Rieck.

Wismars Bürgermeister Thomas Beyer und Bürgerschaftspräsident Tilo Gundlack (beide SPD) zeigen sich betroffen von dem tätlichen Angriff auf den Mitarbeiter des Vereins „Das Boot“. „Wir wünschen ihm eine vollständige Genesung und hoffen, dass der oder die Täter zur Rechenschaft gezogen werden“, sagen sie.

 



Haike Werfel

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