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Fahrzeug stillgelegt: Feuerwehr schlägt Alarm

Dettmannsdorf Fahrzeug stillgelegt: Feuerwehr schlägt Alarm

Dettmannsdorf fehlen die Mittel, um ein neues Tanklöschfahrzeug anzuschaffen / Wehrführer sieht Gefahr für die Gemeinde / Landkreis: keine Förderung in Sicht

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Das einzige Tanklöschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Dettmannsdorf hat aufgrund erheblicher Mängel vom Tüv keine Plakette mehr bekommen. „Jetzt ist die Politik gefragt“, fordern Wehrführer Christian Kolleß (l.) und Schriftführer Tobias Steinmetz. Fotos (2): Anika Wenning

Dettmannsdorf. Freiwillige Feuerwehr Dettmannsdorf in Not: Ihr 24 Jahre altes Tanklöschfahrzeug ist aufgrund erheblicher Mängel nicht durch den Tüv gekommen und musste nun abgemeldet werden. Das Problem: Ein neues Fahrzeug ist nicht in Sicht. Die Gemeinde kann sich eine Neuanschaffung nicht leisten und vom Landkreis sei das Signal gekommen, dass eine Förderung nicht möglich sei.

OZ-Bild

Dettmannsdorf fehlen die Mittel, um ein neues Tanklöschfahrzeug anzuschaffen / Wehrführer sieht Gefahr für die Gemeinde / Landkreis: keine Förderung in Sicht

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Die freiwilligen Feuerwehrleute fühlen sich jetzt nicht ernst genommen. „Nie war jemand vom Landkreis hier und hat sich die Situation mal vor Ort angesehen“, sagt Schriftführer Tobias Steinmetz. Die Entscheidung sei einfach „vom grünen Tisch aus“ entschieden worden. Die Brandschützer sehen eine Gefahr für die Gemeinde. „Die Brandlast ist sehr hoch. Wir haben eine Brennerei, eine Tankstelle, eine Schule, eine Kindertagesstätte, ein Altenpflegeheim und zahlreiche Betriebe“, erklärt Wehrführer Christian Kolleß.

Ohne ein funktionierendes Tanklöschfahrzeug könne der Erstangriff bei einem Brand nicht gesichert werden. Denn den Feuerwehrleuten stehe seit der Stilllegung des Tanklöschfahrzeuges nun nur noch ein 44 Jahre altes Fahrzeug ohne Wassertank zur Verfügung. „Nur ein erfahrener Maschinist kann es fahren. Das Fahrzeug hat keine Servolenkung, keine Sicherheitsgurte und keinen Bremskraftverstärker“, erklärt der Wehrführer. Für den Erstangriff stünde nun lediglich eine Kübelspritze mit zehn Litern Wasser zur Verfügung. Hinzu komme, dass die Feuerwehr nicht ans öffentliche Leitungsnetz dürfe, da dies dafür nicht ausgelastet sei.

„Bisher hat die Gemeinde die Fahrzeuge immer selbst gekauft, komplett ohne Fördermittel. Wir hatten immer gebrauchte Fahrzeuge. Jetzt haben wir haushaltstechnisch leider nicht mehr diese Möglichkeit und sind auf die Förderung einfach angewiesen“, berichtet Dettmannsdorfs Bürgermeister Stefan Schmidt (parteilos). „Wir wussten schon seit fast zwei Jahren, dass das Tanklöschfahrzeug nicht mehr lange einsatzbereit ist und haben uns früh genug an den Landkreis gewandt“, sagt Schmidt. Allerdings seien immer nur negative Bescheide gekommen. „Und jetzt ist es schon fünf nach zwölf und es ist immer noch nichts passiert!“

Olaf Manzke, Sprecher des Landkreises, erklärt auf OZ-Nachfrage. „Der Landkreis trifft die Entscheidung im Abstimmung mit dem Kreisfeuerwehrverband. Alle Feuerwehren wurden in Kategorien eingeteilt.

Je nach Bedeutung steigt die Chance auf Fördermöglichkeiten. Das ist ganz klar geregelt.“ Die Dettmannsdorfer Feuerwehr sei demnach trotz des stillgelegten Fahrzeugs immer noch ausreichend ausgestattet. Nach Auskunft des Kreisfeuerwehrsprechers Gerd Scharmberg gebe es Probleme, wenn in diesem Fall Fördergelder bewilligt würden. „Es ist untersagt, Feuerwehren zu fördern, die keine überörtlichen Aufgaben erfüllen. Wenn wir uns dem widersetzen, müssen wir das Geld ans Land zurückzahlen.“ Zwar könne man darüber streiten, ob die Einteilung in die Kategorien zeitgemäß sei, doch Scharmberg sieht ein ganz anderes Problem.

„Es ist schlimm, dass die Kommunen mittlerweile ihre Pflichtaufgaben, den Brandschutz, nicht mehr wahrnehmen können. Die meisten Gemeinden haben nicht mehr die finanziellen Mittel, um sich selbst zu verwalten.“ Ein weiterer Punkt sei, dass ein Tanklöschfahrzeug allein auch nicht die Sicherheit garantiere. „Die Wassermenge reicht gerade einmal für etwa fünf Minuten“, so der Kreisfeuerwehrführer.

„Danach müssen sowieso weitere Kräfte hinzukommen, um die Wasserversorgung zu garantieren.“

Aktive Wehr

25 aktive Mitglieder hat die freiwillige Feuerwehr der Gemeinde Dettmannsdorf. In der Jugendfeuerwehr engagieren sich acht Kinder.

16 Einsätze hatte die freiwillige Feuerwehr bereits in diesem Jahr. Im Schnitt waren es in den vergangenen Jahren etwa 30 Einsätze pro Jahr. Die Dettmannsdorfer Feuerwehrleute kommen dabei nicht nur auf dem Gemeindegebiet zum Einsatz, sondern auch als nachrückende Wehr in umliegenden Gemeinden.

Anika Wenning

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