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Fast 1500 Wildunfälle im Kreis – Zahl leicht gestiegen

Fast 1500 Wildunfälle im Kreis – Zahl leicht gestiegen

Mehr Kollisionen in Region Ribnitz-Damgarten / Mehr als 1000 Tiere sterben jährlich im Verkehr / Modellversuch mit blauen Wildwarnreflektoren auf Rügen

Ribnitz-Damgarten/Bergen Die Zahl der Wildunfälle im Kreis Vorpommern-Rügen ist im Vergleich zum Vorjahr leicht angestiegen. 1477 Mal hat es bislang auf den Straßen zwischen Ribnitz-Damgarten und Rügen gekracht, wie die Polizeiinspektion in Stralsund auf OZ-Anfrage mitteilte. Das war knapp 60 Mal häufiger als noch zu der Zeit 2015.

Auf Rügen hat es dabei die meisten Kollisionen zwischen Wild und Autofahrern gegeben. 535 Mal sprangen auf der Insel Rehwild oder Wildschweine in diesem Jahr vor ein Fahrzeug. Das ist ein leichter Anstieg zum Vergleichszeitraum 2015 (504 Unfälle). Drei Personen wurden leicht verletzt.

Nicht viel seltener wurde die Polizei in der Region um Ribnitz-Damgarten zu Unfallorten mit Wildbeteiligung gerufen. 493 Mal krachte es in diesem Jahr rund um die Bernsteinstadt.

Das waren fast 50 Unfälle mehr als im selben Zeitraum 2015. Der Personenschaden war hier aber deutlich größer: Vier Menschen wurden leicht und zwei sogar schwer verletzt. Ein leichter Rückgang an Wildunfällen ist in Grimmen zu verzeichnen. 374 Zusammenstöße – und damit 13 weniger – wurden in Grimmen registriert. Verletzt wurde niemand.

Auch in Stralsund sind alle Fahrzeuginsassen bei solchen Unfällen unverletzt geblieben. In der Hansestadt hat es nur 75 Mal einen Unfall mit Autofahrern und Wild gegeben. 2015 waren es im selben Zeitraum noch 81 Unfälle.

„50 Prozent aller Unfälle werden durch Rehe verursacht“, sagt die Sprecherin der Polizeiinspektion Stralsund, Antje Unger. Wildschweine sind nur in jedem zehnten Unfall verwickelt.

Aber auch Hasen, Füchse, Marderhunde und Dachse seien oft in Unfälle verwickelt, weiß der Vorsitzende des Jagdverbandes Nordvorpommern, Ingo Reichelt. Die Tiere kreuzen die Straßen häufig, weil sie auf Nahrungs- oder Partnersuche gehen.

„Der Lebensraum im Kreis ist hervorragend“, betont Reichelt. „Die Landwirtschaft bietet den Tieren das ganze Jahr über Nahrung. Natürliche Feinde gibt es nicht und durch die Maisfelder lässt sich das Wild auch nur schwer jagen.“ Die Hegegemeinschaften im Kreis sorgen folglich dafür, dass es nicht zu viele Tiere werden und den Lebensraum durch zu viel Wildfraß gefährden, erklärt Reichelt.

Wie viele Tiere im Wald leben, ist nicht erfasst. „Es gibt keine verlässlichen Zahlen zum Wildbestand“, sagt die Sprecherin des Landkreises, Renate Jährling. Lediglich anhand der Erlegungszahlen könnte ein Trend verzeichnet werden. Wurden in der Jagdsaison 2014/15 noch etwa 16900 Tiere geschossen, waren es 2015/16 rund 16700. Hinzu kommen jeweils noch einmal 1000 Rehe und Wildschweine, die aufgrund von Unfällen ihren Verletzungen erlagen.

„Die Dunkelziffer an getöteten Tieren durch Verkehrsunfälle ist aber deutlich höher“, vermutet der Vorsitzende des Jagdverbandes Rügen, Chris Ole Ott. Oft finde er Hirsche mit gebrochenen Beinen in Straßengräben. Auch Blutvergiftungen seien keine Seltenheit. „Das ist Tierquälerei“, betont der Jäger. Nur bis zu einer Geschwindigkeit von 70 Kilometer die Stunde könnten Autofahrer und Wild noch reagieren, weiß der Experte.

Er setzt sich für eine landesweite Lösung für die Prävention von Wildunfällen ein. „Es können nicht alle Tiere gerettet werden, aber wir sollten es zumindest versuchen“, sagt Ott. Bislang gebe es keine einheitliche Regelung und auch die Warnzeichen reichten oft nicht aus.

Deswegen läuft gerade auf Rügen ein Modellversuch: Auf der Kreisstraße 15 zwischen Tilzow und Putbus sind auf einem etwa sieben Kilometer langem Abschnitt blaue Warnreflektoren an der Seite von Leitpfosten befestigt worden. „Während der Mensch auf die Farbe Rot reagiert, ist es beim Wild die Farbe Blau“, erklärt Ott das Prinzip. „Trifft Licht auf die Fläche, wird es auf die Ackerfläche reflektiert und soll so Rehe und Wildschweine verscheuchen.“

Die Pfosten dürften aber demnach nicht zugewachsen sein – Mähen und Waldpflege durch die Straßenmeisterei sei enorm wichtig. Der Erfolg wird nach drei Jahren evaluiert.

Ann-Christin Schneider

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