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Feuerwehr Ribnitz-Damgarten: Fast jeden dritten Tag ein Einsatz

Ribnitz-Damgarten Feuerwehr Ribnitz-Damgarten: Fast jeden dritten Tag ein Einsatz

Trotz der enormen Belastung ist die Einsatzbereitschaft gewährleistet / Die Kameraden profitieren dabei von der gebündelten Kraft von mehreren Standorten

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Der Brand einer Gärtnerei in Damgarten war einer der größeren Einsätze der Ribnitz-Damgartener Feuerwehr in diesem Jahr.

Quelle: Robert Niemeyer

Ribnitz-Damgarten. Die Freiwillige Feuerwehr Ribnitz-Damgarten hat in diesem Jahr bereits 107 Einsätze gefahren. Fast jeden dritten Tag müssen die Kameraden somit ausrücken. „Insgesamt sind es zu viele Einsätze. Es wäre gut, wenn es etwas ruhiger wäre“, sagt Wehrführer Steffen Harder: „Es gibt Berufswehren, die haben nicht so viele Einsätze.“ Die Einsatzbereitschaft sei zwar gewährleistet. Eine solche Anzahl an Einsätzen zehre aber an den Kräften, schließlich sind die Feuerwehrleute allesamt ehrenamtlich im Einsatz. „Mancher Arbeitgeber ist darüber nicht so froh“, so Steffen Harder.

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Trotz der enormen Belastung ist die Einsatzbereitschaft gewährleistet / Die Kameraden profitieren dabei von der gebündelten Kraft von mehreren Standorten

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Heikle Bewährungsproben Als größte Feuerwehr zwischen Rostock und Stralsund profitieren die Ribnitz-Damgartener allerdings davon, dass es mit der Ribnitzer Wehr, der Damgartener Wehr und der Feuerwehr in Klockenhagen drei größere Standorte gibt. Hinzu kommt eine Staffel in Tempel. Steffen Harder: „Das macht uns stark. Wir sammeln unsere Leute für die Einsätze aus allen Standorten. Dadurch bekommen wir tagsüber die notwendige Einsatzstärke zusammen. Nur bei größeren Alarmierungen könnte es etwas knapp werden.“ 111 aktive Feuerwehrleute hat die Wehr.

. Rechnet man die gemeinsam gefahrenen Einsätze heraus, sind in diesem Jahr bereits 86 Notrufe bei der Feuerwehr der Bernsteinstadt eingegangen. Im Vergleich zum Vorjahr sind das zwar weniger Einsätze. Während im vergangenen Jahr jedoch der Brand eines Mähdreschers auf einem Feld bei Carlewitz Anfang August einer der wenigen größeren Einsätze war, mussten die Ribnitz-Damgartener in diesem Jahr schon diverse heikle Bewährungsproben meistern.

In Erinnerung geblieben sind dabei zum Beispiel der Brand einer Gärtnerei in der Richtenberger Straße in Damgarten Mitte April oder ein durch Feuer völlig zerstörtes Haus in der Saaler Chaussee Mitte Mai.

Für Anspannung unter den Kameraden hatte auch der Fund möglicher radioaktiver Stoffe auf dem ehemaligen Bestwood-Gelände in Ribnitz gesorgt. Feuer könne man sehen und riechen, bei Radioaktivität sei das etwas ganz anderes, sagt Harder. Erst später ergaben Untersuchungen der gefundenen Behälter, dass keine Gefahr bestand. Auch beim Brand der Biogasanlage in Oebelitz waren die Ribnitz-Damgartener mit dabei. Harder: „Die Gefahr bestand, dass die Anlage explodiert.“

In den meisten Fällen jedoch seien die Einsätze zumeist Routine. Positiv: „Die Zahl der Containerbrände ist zurückgegangen“, sagt Berthold Moog, Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Ribnitz-Damgarten.

Dagegen seien mehr Türöffnungen notwendig gewesen.

Psychische Belastung Zuletzt hatten es die Kameraden zudem mit einem sehr tragischen Unglücksfall zu tun, als bei einem Unfall ein 17-Jähriger tödlich verunglückte. Bilder, die auch die Psyche der ehrenamtlichen Feuerwehrleute belastet. „Zu Verkehrsunfällen fährt man immer mit einem komischen Gefühl“, sagt Berthold Moog. Es gebe zwar die Möglichkeit, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um die Erlebnisse zu verarbeiten. „Aber die haben wir noch nicht gebraucht“, sagt Steffen Harder, „meistens sprechen wir nach dem Einsatz zusammen darüber, werten den Einsatz aus. Da kann sich auch jeder von der Seele reden, was ihn bedrückt.“

Grundsätzlich sei die Feuerwehr in Ribnitz-Damgarten gut ausgerüstet. Die Damgartener beispielsweise seien für Einsätze mit Gefahrgut präpariert. In Ribnitz steht ein Leiterwagen. Klockenhagen hat seit wenigen Monaten einen neuen Gerätewagen, mit dessen Schlauch auch längere Distanzen von bis zu 1,5 Kilometer überbrückt werden können, ein wichtiger Punkt, vor allem in Bezug auf die mangelhafte Löschwassersituation in einigen Ortsteilen Ribnitz-Damgartens. „Alles ist aufgeteilt, die Ribnitz-Damgartener Feuerwehr funktioniert nur im Gesamtpaket“, sagt Steffen Harder.

Ausbildung und Nachwuchs Drei Säulen seien laut Berthold Moog für den Erfolg notwendig: Ausbildung, Ausrüstung, Mensch. „Wenn eine Säule zu kurz wird, muss das kompensiert werden, um nicht ins Ungleichgewicht zu fallen.“

40 Ausbilungsstunden pro Mann und Jahr kommen zu den Einsätzen hinzu, ebenso wie weitere Lehrgänge außerhalb der Ribnitz-Damgartener Feuerwehr.

Und damit die Freiwillige Feuerwehr Ribnitz-Damgarten auch zukünftig schlagkräftig ist, wird um Nachwuchs gerungen. Allerdings hapere es da. 23 Mitglieder hat die Jugendfeuerwehr. Wenn man alle Standorte zugrunde legt, „ist das zu wenig“, so Steffen Harder. Doch die Feuerwehr leide wie viele andere auch unter der Konkurrenz zu anderen Angeboten und unter der demografischen Entwicklung.

Hinzu komme, dass, wenn Ausbildung oder Studium ansteht, nur noch ein Bruchteil des Feuerwehrnachwuchses in den aktiven Dienst der Erwachsenen einsteigt.

Robert Niemeyer

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