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Ganz legal: Eltern schnuppern an Cannabis und Haschisch

Wolgast Ganz legal: Eltern schnuppern an Cannabis und Haschisch

Wir haben aktuell keine Anzeichen dafür, dass Schüler un- serer Schule Drogen neh- men. Aber wissen wir, was sie in ihrer Freizeit machen?Roswitha Fennert, Leiterin Regionale Schule „Heberlein“

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Wolgast. . Der Tod der 14-jährigen Selina aus Wolgast hat viele Eltern in der Stadt für das Thema illegale Drogen stärker sensibilisiert. Die Achtklässlerin war Anfang Juni dieses Jahres an einer Mischintoxikation verstorben. Sie hatte mindestens drei verschiedene verschreibungspflichtige Medikamente bzw. Betäubungsmittel eingenommen – darunter Fentanyl, ein starker Wirkstoff, der über ein Opioidpflaster verabreicht wird.

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Wir haben aktuell keine Anzeichen dafür, dass Schüler un- serer Schule Drogen neh- men. Aber wissen wir, was sie in ihrer Freizeit machen?Roswitha Fennert, Leiterin Regionale Schule „Heberlein“

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Wie sehr die Eltern ein drohender Drogenkonsum ihrer Kinder umtreibt, wurde während eines Info-Abends am Dienstag in der Regionalen Schule „Heberlein“ deutlich. Etwa 50 Mütter und Väter ließen sich hier von Polizeihauptkommissar Mario Tschirn in das Thema einführen. Eingangs zitierte Schulleiterin Roswitha Fennert aus einer von September bis Dezember 2015 im Auftrag des Landkreises Vorpommern-Greifswald erarbeiteten Studie. 600 Schüler im Alter von 13 bis 16 Jahren wurden nach ihren Erfahrungen mit Drogen befragt. „4,2 Prozent von ihnen gaben zu, dass sie seit dem elften Lebensjahr Erfahrungen mit Kokain, Cannabis oder Amphetaminen gemacht und 40 Mal und öfter Drogen konsumiert haben“, so Fennert.

Polizeihauptkommissar Tschirn machte den Eltern unverholen klar, dass sich Kinder und Jugendliche heutzutage des Drogenthemas kaum entziehen könnten. „Das Thema spielt in Chatgruppen auf Whatsapp regelmäßig eine Rolle. Fragen Sie Ihre Kinder“, riet der Beamte seinen Zuhörern. Dealer, die potenzielle Kunden zumeist im Internet kontaktierten, agierten mit perfiden Methoden. „Sie operieren mit bestimmten Stichworten, wie Kräutermischungen, Reiniger, Experimentalchemie, Badesalze oder Lufterfrischer. Dahinter verbergen sich illegale Drogen, die zum Teil hundertfach stärker wirken als Cannabis“, so Tschirn. Betäubte Träume, verdrängte Sehnsüchte, verschluckte Tränen oder erfrorene Gefühle könnten Auslöser bei Jugendlichen sein, sich in eine Sucht zu flüchten. Tschirn nannte Anzeichen für einen Drogenkonsum, wie auffällige Gemütsschwankungen, plötzlicher Leistungsabfall in der Schule oder Diebstahl von Geld bei Eltern und Verwandten. Er ließ die Eltern im Interesse der Aufklärung verschiedene Drogen-Proben, wie Cannabis und Haschisch, schnuppern und zeigte ihnen Rauchutensilien, Drogenwaagen und Geräte zum Zerkleinern illegaler Rauschmittel.

Tschirn musste auch Kritik einstecken. Eine Frau schilderte, dass sich „Jugendliche am Wolgaster Hafen regelmäßig die Birne dicht kiffen“, die Polizeistreife dies aber ignoriere. Und ein Vater sagte, dass „in Wolgast bekannt ist, dass am Runge-Gymnasium alle möglichen Drogen zu haben“ seien, die Polizei aber keine Razzien durchführe. Tschirn forderte die Eltern auf, Anzeige zu erstatten. Ohne einen konkreten Tatverdacht könnten die Beamten nicht tätig werden. Gymnasiumsleiter Karl-Uwe Roggow sagte gestern auf Anfrage: „Wir sind wachsam und für das Thema sensibilisiert.“ Regelmäßig fänden Präventionsveranstaltungen statt. Aber: „Das Problem Drogen ist kein Problem des Runge- Gymnasiums, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem“, so Roggow.

Und weiter: „Gäbe es einen konkreten Verdacht, würde ich die Polizei rufen. Bisher hatten wir aber keinen solchen Fall.“ Laut Polizeihauptkommissar Tschirn „ist keine Schule von der Drogenproblematik ausgenommen“.

Tom Schröter

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