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Geduldsprobe durch Anruf beim Chef beendet

Stralsund Geduldsprobe durch Anruf beim Chef beendet

Mit ihrem Job sorgen sie für Sicherheit und Ordnung. Hier geben Stralsunder Polizisten Einblick in ihre Arbeit.

Stralsund. Die Frau hinterm Lenkrad war der Streife aufgefallen, weil sie nicht angeschnallt war. Also stoppten die Polizisten den Wagen und erklärten der Kraftfahrerin, was da im Argen lag.

Dann folgte die übliche Frage nach Führerschein und Zulassung. Doch was daraufhin folgte, war eine schier endlose Geduldsprobe. „Die Frau weigerte sich, die verlangten Papiere vorzuzeigen“, weiß

Dietmar Grotzky. Und der Leiter des Polizeihauptreviers weiß auch, dass sich diese Tatsache durchaus noch als steigerungsfähig erweisen sollte. Denn auch auf die Frage nach ihren Personalien blieb die Frau schmallippig.

„Die Kollegen belehrten die Frau ausführlich und forderten sie noch einmal auf, entweder die Papiere vorzuzeigen oder Angaben zu ihrer Person zu machen“, sagt der Revierleiter.

Das rührte die Fahrerin jedoch nur wenig. Sie brauche keine Aussage machen, weil sie nichts falsch gemacht habe, ließ sie die Beamten etwas schnippisch wissen.

Denen blieb jetzt nichts weiter übrig, als erst einmal eine Drohkulisse aufzubauen. „Danach ist es zur Identitätsfeststellung zulässig, eine Durchsuchung vorzunehmen oder sogar die betreffende Person in Gewahrsam zu nehmen“, sagt Grotzky. Doch auch solche Art unangenehmer Maßnahmen schreckten die Dame nicht. Nur zu, ließ sie durchblicken.

Doch auch den Polizisten mangelte es nicht an Beharrlichkeit. Noch einmal erklärten sie der Uneinsichtigen das komplette Prozedere — ohne jedoch damit sichtbare Resultate zu erreichen.

Bevor jedoch der Geduldsfaden der Polizisten die kritische Phase erreichte, hatte einer eine Idee.

„Bei dem Fahrzeug handelte es sich erkennbar um ein Dienstfahrzeug“, sagt Dietmar Grotzky. Also starten seine Beamten einen letzten Versuch, riefen bei der Firma an und ließen sich den Chef der starrsinnigen Kraftfahrerin geben.

Welche zugkräftigen Argumente dem Mann dazu noch einfielen, ist nicht überliefert. Doch es gelang ihm schließlich — nach etwas Zureden — seine Mitarbeiterin davon zu überzeugen, dass es jetzt besser sei, weiterem und vor allem unnötigem Stress aus dem Weg zu gehen.

Damit blieben der 52-jährigen nun zwar Durchsuchung und Gewahrsam erspart, nicht aber eine Anzeige nach Paragraph 111 des Ordnungswidrigkeitengesetzes, der unter anderem regelt, dass die Verweigerung oder die Verfälschung von Angaben zur Person gegenüber Amtsträgern mit einer Ordnungsstrafe von bis zu 1000 Euro geahndet werden können.

Zudem muss sich die Kraftfahrerin laut Dietmar Grotzky dann auch noch wegen des nichtangelegten Sicherheitsgurtes im Auto verantworten.

 



Jörg Mattern

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